LOSHEIM
NICO PLEIMLING

Das Ärztival stieg am Samstag am Losheimer See

Die selbsternannte „beste Band der Welt“ hat am Anfang ihrer Karriere mit einigen Liedtexten für das eine oder andere Skandälchen gesorgt. Inzwischen sind Farin Urlaub, Bela B. und Rodrigo González nicht mehr aus der deutschen Musiklandschaft wegzudenken. Die Plattenverkäufe passen und auch die Konzerte von Die Ärzte sind sehr gut besucht.

Es war wohl eine Frage der Zeit, wann die drei Berliner eine eigene Open Air-Konzertreihe organisieren würden. In diesem Sommer war es dann so weit: Quer durch Deutschland wurden Ärztivals geplant, welche die Band mit befreundeten Musikern im Vorprogramm spielte.

Rund 15.000 Fans in Losheim

Am vergangenen Samstag machte die Tour einen Stopp im saarländischen Losheim, genauer gesagt am Strandbad am Losheimer See. Im Handgepäck hatten Die Ärzte für diesen Freilichtkonzertabend die Support-Bands Der Fall Böse, The Damned und NOFX. Der deutsche Opening Act heizte die über 15.000 Musikhungrigen gleich mächtig ein. Anschließend stand mit The Damned ein Urgestein des Punk auf den Brettern der Freilichtbühne. Die Band existiert seit den 1970ern, rockte aber drauf los, als wären nicht inzwischen fast 40 Jahre vergangen. Farin Urlaub und Bela B. kümmerten sich vor den Auftritten ihrer eigens ausgewählten Support-Acts um die Anmoderation. Vor The Damned verkündete der Gitarrist und Sänger von Die Ärzte, sein Lieblingslied der Briten sei „Anti Pope“. Dieses Stück, wie auch die Cover-Version des Klassikers „Eloise“ von Barry Ryan and the Majority tischten Dave Vanian, Captain Sensible und Co der tobenden Menschenschar auch prompt auf.

Joe Dassin-Klassiker

Nach einer kurzen Umbaupause ging es anschließend weiter mit einer der musikalisch vielseitigsten Punk-Combos. NOFX treiben nunmehr auch schon seit 30 Jahren ihr Unwesen und obwohl Sänger Fat Mike - wohl durch exzessiven Alkoholkonsum am Vorabend bedingt - nicht in allerbester Form die Bühne betrat, sorgte die Band für eine überbordende Party-Stimmung. Punk, Hardcore und Reggae sowie viele witzige Sprüche und Bühnendialoge beglückten die Ohren der gutgelaunten Menge. Als Sahnehäubchen wurde der Joe Dassin-Klassiker „Les Champs Élysées“ in ein treibendes Punk-Stück umgestaltet. Die Fans störte dies keineswegs: Es wurde munter weiter Pogo getanzt und Crowdsurfing praktiziert.

Alte und neue Hits von Die Ärzte

Als die eigentlichen Protagonisten des Abends und Namensgeber des kleinen Festivals die Bühne betraten, war das Publikum erwartungsgemäß völlig aus dem Häuschen. Das Berliner Trio hatte sich den Ort des Geschehens mit zwei überdimensionalen Aufblaspuppen ganz nach seinem Gusto eingerichtet und eine Leinwand im Hintergrund erlaubte es auch den Fans, die sich ganz am Ende des Geländes aufhielten, mitzuerleben, was auf der Bühne vor sich ging.

Alte und neue Hits standen über knapp zweieinhalb Stunden im Mittelpunkt des Geschehens, darunter viele Songs des aktuellen Albums „Auch“, das im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde. Der allseits beliebte Klamauk zwischen den Stücken durfte nicht fehlen, allerdings machte sich bei diesem vorletzten Auftritt eine gewisse Tour-Müdigkeit bemerkbar und die Bühnenblödelei von Farin, Bela und Rod geriet ein paar Mal leicht ins Stocken. Ganze zehn Stücke mussten die drei Musiker im Rahmen der Zugaben spielen, bis das Losheimer Publikum sie endlich in den Feierabend verabschiedete.