LUXEMBURG
JEAN HUSS

Seit dem 1. Juli darf Dentalamalgam EU-weit bei Kindern unter 15 Jahren, Schwangeren und Stillenden nur noch in medizinischen Ausnahmefällen verwendet werden; das sieht die 2017 vom Europaparlament angenommene „Verordnung über Quecksilber“ vor. Neben Quecksilberemissionen hat diese Verordnung nämlich auch das Dentalamalgam im Visier – ein wichtiger Faktor für die Aktionsgruppe für Umwelttoxikologie (AKUT), die in dem Quecksilber eine Ursache für chronische Leiden ausgemacht hat und hier auch in Luxemburg starken Nachholbedarf sieht, wie Jean Huss, Präsident von AKUT a.s.b.l. erklärt.

„Auch unsere Regierung muss sich zu diesem Signal bekennen; denn sowohl die Zahnbehandlung als auch andere wichtige Segmente unseres Alltags sind oft von Schwermetallen und Quecksilber belastet. Die Gesundheitsfaktoren dieser Belastungen sind einer der größten Risikoelemente bei einem chronischen Leiden. Solange diese Belastungen im Alltag weiter präsent bleiben, werden dadurch ausgelöste chronische Krankheiten auch weiter eine Last sein.

Das gilt auch für eine starke Innenbelastung in Wohnungen und Häusern, die durch eine zu dichte Bauhülle bei Passivhäusern verschlimmert werden können. Hier darf nicht auf Kosten der Gesundheit gebaut werden; die mechanische Lüftung kann nicht alle Schadstoffe ablüften. Hinzu kommen tausende Chemikalien, die sich negativ auf unser Hormonsystem auswirken; diese endokrinen Disruptoren (oder hormonaktive Substanzen) haben ebenfalls eine schädliche Wirkung.

Zu diesem Resultat kamen auch anerkannte Umweltmediziner bei ihrer Tagung im European Convention Center in Luxemburg, die vom 21. bis zum 23. September stattfand. Hier ging es maßgeblich um die Rolle, die Schadstoffe in unserer Umwelt bei der Schwangerschaft, der frühkindlichen Entwicklung und der Kindheit spielen. Die äußerst kritische und brisante Diagnose ist, dass viele der Ursachen der Verhaltensprobleme bei Kindern auch in den Schadstoffen zu finden sind.

Besonders ärgerlich ist deshalb, dass diesen Risikoelementen noch immer nicht genügend Rechnung getragen wird. Hier ist unsere Politik gefordert, damit sie sich vollständig zu den Problemen bekennt und die wirklichen Ursachen vieler Leiden bekämpft, statt nur auf die Erkrankungen und Leiden selbst zu blicken. Denn die beste Hilfsinfrastruktur nützt nichts, wenn die Ursache nicht gelöst wird – das Leiden bleibt dann trotzdem. Statt Symptome durch eine Behandlung lindern zu wollen, sollten die Maßnahmen an den Verursachern der Beschwerde ansetzen.

Zu diesem Zweck haben wir den Parteien auch einige Fragen zukommen lassen; die Antworten, die wir bislang erhielten – oder das Schweigen der Parteien – waren sehr aufschlussreich. Wir werden uns am kommenden Dienstag dazu äußern, aber soviel vorab: Manche Parteien nehmen das Problem wesentlich ernster als andere.“