LUXEMBURG
INGO ZWANK

Erste finanziellen Hilfen ausgezahlt: Politik zieht vorläufige Bilanz der schweren Unwetter

In der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni brach über Luxemburg eine Sintflut herein. Die Regierung aktivierte den nationalen Krisenstab, besonders im Osten des Landes war die Lage katastrophal. Hier brauchten viele Menschen Hilfe, weil sie vom Wasser eingeschlossen waren, resümierte die „Administration des services de secours“, alleine in 18 Fällen mussten die Rettungsschwimmer aktiv werden. Vor 2.30 hatten die Einsatzkräfte alle Hände voll zu tun, alleine im Müllerthal wurden bis um 8.00 über 100 Einsätze gezählt - wobei es glücklicherweise keine Verletzten gab. Müllerthal, Waldhof, Konsdorf und auch der Grundhof waren besonders getroffen. Grund hierfür waren Rekordniederschläge, die unter der Region runterkamen. Nach Auswertung der Niederschlagsdaten gab der Wetterdienst bekannt, dass in der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni 2018 101,3 l/m² an der Station Waldbillig gemessen wurden. Gleichzeitig wurde mit 72,1 l/m² zwischen 2.00 und 3.00 am 1. Juni ein neuer Stunden-Niederschlagsrekord festgehalten. Gestern luden die Minister Bausch und Dieschbourg in die betroffene Region ins Müllerthal ein, um die Betroffenen aus der Region, aber auch die Presse über die Folgen der Unwetter und den Stand der Aufarbeitung zu informieren. Rund 100 Leute waren vor Ort.

Bereits gestern Morgen präsentierte das Wirtschaftsministerium - vielleicht dem Wahlkampf geschuldet - seine Bilanz der gewährten finanziellen Hilfsmittel (siehe Infokasten). So freute sich Francine Closener, Staatssekretärin für Wirtschaft, dass viele Wanderwege schnell wieder begehbar gemacht werden konnten. Dies sei umso wichtiger, da in den Monaten Juni, Juli und August immer der größte Zustrom von Touristen herrsche, insbesondere auf dem „Mullerthal Trail“, der bis Anfang Juli vollständig restauriert werden soll. In Zusammenarbeit mit den Partnern setze das Wirtschaftsministerium weiterhin alle notwendigen Ressourcen ein. Das Arbeitsministerium war hier mit in die Hilfe vor Ort eingebunden. So wurden Arbeitskräfte abgestellt, 20 Mann, die die Wanderwege wieder begehbar machen sollen, denn die Region lebe nun einmal vom Tourismus, „und wenn nun noch die Touristen fehlen, dann wäre dies ein schlimmer Folgeschaden“, sagte Premier Bettel bei seiner Pressekonferenz zu den Unwettern.

Sportliche Herausforderung für7,8 Millionen Euro

Auf rund 40 Stätten im ganzen Land, so führte Bausch aus, gab es festgestellte Unwetter mit entsprechend schlimmen oder weniger schlimmen Schäden. „Wir werden alles machen, die Schäden, vor allem an den Straßen, so schnell wie möglich zu beheben.“ Doch machen Straßen seien einfach „weg“, sagte Bausch - wie im Bereich „Predigtstuhl“ oder „Vogelsmühle“. „Was ich aber nicht machen werden, dass sind abenteuerliche Aktion. Wir müssen sicher sein, dass keine Hänge rutschen oder ähnliches.“ Es würden immerhin Schulbusse hier passieren, so Bausch. „Die Sicherheit geht vor.“ Provisorische Sachen gibt es daher nicht. So bilanzierte Bausch, dass die Strecke CR 128 (Befort) oder auch CR364 (Berdorf) für wenigstens ein Jahr gesperrt sein würden. So soll für alle Baustellen angefragt werden, auch im Sommer zu arbeiten, „denn es besteht Handlungsbedarf, es ist ein Notfall“, sagte Bausch mit Blick auf die August-Arbeit. „Auch wenn wir noch Betriebe finden müssen, dies zu machen“. Eine Hauptstelle sei erwähnte Straße CR364 Echternach-Berdorf. Dabei sei die Hauptarbeit, überhaupt einmal alle Schäden zu erfassen. Kosten für die Instandsetzung der großen Straßenschäden: rund 7,8 Millionen Euro. „Wir werden sicherlich nachher bei über zehn Millionen liegen.“ Dieschbourg ging auf eine notwendige Risikominimierung wie Renaturierungen oder auch die Grundwassersicherung ein, damit das Wasser sich nicht mehr mit einer solchen Wucht präsentieren kann. „Die Sicherheit für die Bürger hat Priorität. Doch das geht natürlich nicht von heute auf morgen“, sagte Dieschbourg. So müssten Wasserleitungen vor allem im Bereich des Müllerthals noch instand gesetzt werden, „dies im Bereich Berdorf, Befort, Waldbillig und auch Consdorf.“ Teilweise seien ganze Bereiche freigespült worden, die nun auch wieder instand gesetzt werden, meinte die Wasserverwaltung.

15 Kilometer Wald- und 13 KilometerWanderwege betroffen

Was die Bachläufe anbelangt, so müssten rund 35 Kilometer in Augenschein genommen werden, „auch wenn nicht überall etwas gemacht werden muss“, sagte Dieschbourg. Mauern reparieren, die Säuberung der Läufe, „dies laufe bereits auf Hochtouren.“ Denn Bäche wie die „Bellegerbaach“, die im Sommer fast komplett trocken sind, hätten in Waldbillig große Schäden angerichtet. Bei anderen Bächen wie der „Lauterburerbaach“ laufen Überlegungen, dem Lauf mehr Platz einzuräumen. Erste Untersuchungen hierzu seien bereits im Auftrag. Hier habe man bereits Rechnungen in Höhe von 600.000 Euro vorliegen, aber auch da würden sicher noch ein paar Nullen beigefügt werden müssen, wie ausgeführt wurde. Was das Waldwegenetz anbelangt, so seien es hier rund 15 Kilometer, die von den Unwettern betroffen waren und einer Betrachtung bedürfen. Natürlich ist auch hier der Bereich Consdorf, Befort/Haller sehr stark betroffen. 60 Brücken seien renovierungsbedürftig, 13 Kilometer Wanderwege sind betroffen. Was hier die Kosten angehe, so könne man aktuell nur „von einigen Nullen sprechen“, so die Forstverwaltung.Bislang wurden Aufträge von rund 1,5 Millionen Euro vergeben.