MAINZ
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Landesausstellung in Mainz zeigt besondere Glanzstücke

Nach vielen Einschränkungen im Corona-Jahr 2020 will die am kommenden Mittwoch in Mainz beginnende Landesausstellung den Blick auf die Vergangenheit weiten. Mit selten gezeigten Schätzen aus zahlreichen Sammlungen und digitalen Präsentationen soll den Besuchern des Landesmuseums Mainz vor Augen geführt werden, dass die Region rund um Mainz, Ingelheim und Speyer vor gut 1.000 Jahren ein europäisches Machtzentrum war.
Die Ausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ will erstmals die Netzwerke der Entscheidungsgewalt im Früh- und Hochmittelalter beleuchten und auf „die dynamischen Beziehungsgeflechte von Herrschern und Beherrschten“ blicken. Dazu gehören Rittertum und höfische Kultur, Kathedralen und die allmählich erstarkenden Städte, aber auch die unter dem System der Grundherrschaft leidende Landbevölkerung. „Die Kaiser warten auf uns im Landesmuseum Mainz“, sagte der Generaldirektor der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE), Thomas Metz, mit Blick auf die jahrelange Vorbereitung.

Von Karl dem Grossen bis Barbarossa

Eingebettet in das große Projekt ist auch die mittelalterliche Glanzzeit der jüdischen Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz, die nach den hebräischen Anfangsbuchstaben als Schum-Städte bezeichnet werden. Im nächsten Jahr soll die Unesco über den Antrag für ihre Aufnahme ins Welterbe entscheiden. Das Ausstellungsprojekt erstreckt sich von der Herrschaft des im Jahr 800 gekrönten Kaisers Karl dem Großen bis zu dem 1190 gestorbenen Friedrich Barbarossa. Zu den Leihgaben für die Landesausstellung gehören etwa das Armreliquiar Karls des Großen aus dem Pariser Louvre, die Urkunde der Eheschließung von Kaiserin Theophanu mit Otto II. aus dem Jahr 972 und der Codex Manesse, die im 14. Jahrhundert entstandene Heidelberger Liederhandschrift.
„Die Kurierdienste, die viele einzigartige Exponate und Leihgaben international renommierter Museen ins Landesmuseum bringen, stehen seit Tagen buchstäblich Schlange bei uns im Innenhof des Landesmuseums“, sagte GDKE-Chef Metz der Deutschen Presse-Agentur. „Ganz sicher werden wir noch bis zur letzten Sekunde die Vitrinen bestücken und die Ausstellung so aufbauen, dass es für die Besucherinnen und Besucher eine hochinteressante, spannende und begeisternde Reise ins Mittelalter wird.“
Auch die in Fulda aufbewahrte Welfenchronik, die um 1170 entstanden ist und die Geschichte der schwäbischen Welfen wiedergibt, soll in Mainz gezeigt werden. Ihr entstammt die Darstellung von Kaiser Friedrich Barbarossa, an die sich die Gestaltung eines Motivwagens beim Mainzer Rosenmontagszug in diesem Jahr anlehnte. Zu einem späteren Zeitpunkt soll die Ausstellung auch digitale 3D-Modelle aufnehmen, die Mainz, Worms und Speyer in der Zeit um 800 und um 1200 darstellen.

Die goldene Pforte von Mainz

Ein besonderes Glanzstück der Ausstellung ist die über viele Jahrzehnte hinweg vergessene „Porta aurea“, die „goldene Pforte“ von Mainz. Die aus Bronze gegossene Tür schlummerte in einem Depot in Wiesbaden und wurde zur Restaurierung für die Ausstellung nach Mainz gebracht. Die Bronzetür befand sich einst im Kloster St. Alban im Süden der Stadt, das von Kaiser Karl dem Großen nach der Fertigstellung im Jahr 805 zu einem Zentrum des fränkischen Reichs gemacht worden war. Aufgrund der Verzierung wurde die Entstehungszeit der Tür auf 40 bis 70 n. Chr. datiert. Die Ausstellung dauert bis zum 18. April 2021.