Als sich bei der Städtebau-Simulation „Sim City“ bei der Veröffentlichung vor zwei Jahren neben anfänglichen technischen Startschwierigkeiten auch schnell die ernüchternde Tatsache einstellte, dass der Titel im Vergleich zu den Vorgängern wesentlich weniger zu bieten hatte, stieß das scheinbar auch zwei Damen, Karoliina Korppoo und Miska Fredman, sauer auf: Sie zeigen jetzt, wie es besser geht - und produzierten kurzerhand ihre eigene Vision der modernen Städtebau-Simulation. Ungelogen: Die beiden Entwicklerinnen gaben jüngst bei einem Interview zu verstehen, dass das durchaus schlechte Abschneiden des spirituellen Vorbildes erst zur Finanzierung des eigenen Projektes geführt habe. „Cities: Skylines“ hat sich dabei still und heimlich zu einem der positivsten Überraschungserfolge des noch jungen Jahres gemausert.
Aus gutem Grund, denn die Spielmechanismen „Skylines“ sind grundsolide, abwechslungsreich und machen Lust auf mehr. Dabei orientiert sich der Titel prinzipiell an den Genre-Normen: Der Spieler muss als Bürgermeister eines aufstrebenden Kleinstädtchens für Straßen und Infrastruktur sorgen, den Alltag organisieren die digitalen Bürger dann ganz von allein. Allerdings muss sich vom Arbeitsalltag abgesehen um praktisch alles gekümmert werden, angefangen bei der Müllabfuhr, der Bereitstellung von Krankenpflege, Unterhaltung und Erziehung, der Feuerwehr oder selbst den notdürftigsten Dingen wie frischem Wasser und der Anbindung an Strom und Kanalisation. Hierzu scheut der Spieler keine Mühen, baut emsig sein Strom- und Wassernetz aus, stampft Schulen und Krankenhäuser aus dem Boden - und wundert sich dann, dass der Straßenverkehr völlig in sich zusammen bricht.
Wachsende Begeisterung
Während nämlich die Einwohnerzahl stetig steigt, steigt auch das Verkehrsaufkommen. Nicht nur Privatfahrzeuge, auch schwere Lastzüge mit Waren verstopfen schon bald alle Arterien der aufstrebenden Kleinstadt. Regulationen wie ein Fahrverbot für Lastkraftwagen oder der Einsatz von öffentlichen Verkehrsmitteln helfen kurzfristig, bevor doch wieder alles in sich zusammen fällt. Da hilft oft nur noch eins: Umbauen, modifizieren, an die neuen Bedürfnisse anpassen - oder expandieren, mehr Baugelände dazu kaufen und das Problem geschickt mit weiteren Anbindungen an das Autobahnnetz zu umschiffen suchen.
Das heißt ganz klar: Durch das stete Wachstum und die immer komplexer werdenden Bedürfnisse gibt es immer etwas zu tun, auch bei bereits „vollendeten“ Städten. Für den nötigen Tiefgang sorgt dabei ein ausgeklügeltes Steuer- und Finanzsystem, das der Spieler ebenso im Auge behalten muss. Für Langlebigkeit sorgt der konsequente Einsatz des Steam-Workshops, der Spielmodifikationen auf Knopfdruck bereit hält und das Spiel für die Zukunft fit macht. Eine klare Empfehlung also: Wer schon immer der Meinung war, dass die Verkehrsproblematik Luxemburgs nur Kleinkram sei, findet hier sein Steckenpferd.




