LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Valérie Dubois-Chahmerian importiert seit langem für große Modekonzerne Kleidungund Accessoires - Vor kurzem hat sie sich an ihre eigene Marke gewagt

Valérie Dubois-Chahmerian liebt die Farbe Orange. „Sie ist so lebhaft und voller Energie“, meint die Unternehmerin aus Luxemburg. Das trifft für die Frau mit ihrem Unternehmen auf dem Limpertsberg auch zu. Seit über zwanzig Jahren führt sie Textilien für große europäische Konzerne ein - immerhin 650.000 Teile pro Jahr. Die Namen darf sie nicht nennen. Aber die Erfahrung, die sie mit ihrem Unternehmen PMC Agence Textile gesammelt hat, hat die zweifache Mutter nach langem Zögern zu ihrer eigenen Marke geführt.

„Diversity“ heißt sie. Das Logo ist natürlich orange und von einer Rosette geschmückt. Es steht in großen, geschwungenen Lettern auch an der Wand ihres Showrooms, in dem sich zahlreiche Schals um Ständer schlingen. „Ich biete lange Schals aus Naturmaterialien an“, erklärt Dubois-Chahmerian. Die Idee lag auf der Hand. „Ich reise viel zu meinen Produzenten in China und Indien. Da muss ich immer gut angezogen sein. Mit einem Blazer und einem Schal stimmt das Outfit.“

Ihre Werke heißen „Santorin“ oder „Sylt“, „Kyoto“ oder „Quarzazate“. Sie sind lange Träume aus Seide, Wolle, Kaschmir oder Baumwolle. Weil Dubois-Chahmerian Wert auf gute Materialien legt, kauft sie vor Ort ein. „Der Kaschmir kommt aus der Mongolei; aus den Bauernhöfen rund um Hohhot. Ich freue mich immer, wenn es dort kalt ist. Dann habe ich tolles Material.“ Wie und wo Dubois-Chahmerian produziert, ist ihr sehr wichtig.

Reisen als Inspiration

„Bei den Schals lasse ich mich von meinen Reisen inspirieren. Ich versuche die Farben einzufangen“, erzählt die Geschäftsfrau mit leuchtenden Augen. An Ideen mangelt es ihr nicht. Alle 15 Tage hat sie einen neuen Schal.

Dass sie einmal in Luxemburg ihre eigene Textilmarke haben würde, war gar nicht so offensichtlich. Dubois-Chahmerian hat nach einem Wirtschaftsabschluss zunächst für eine große Immobilienfiliale einer Bank gearbeitet. „Von dort wurde ich für den Textilimport und -export abgeworben. Immerhin waren 70 Prozent aller Geschäfte Einzelhändler, vor allem aus dem Textilbereich“, sagt sie. Dubois-Chahmerian stieg in den Textilhandel in Luxemburg ein. „Die beste Entscheidung meines Lebens“, findet sie noch heute.

Hier gibt es alles, was ihr wichtig ist: Ein multikulturelles Umfeld beispielsweise. Oder eine problemlose Abwicklung. „Wenn ich alles gut vorbereite, ist die Ware in einem halben Tag durch den hiesigen Zoll und im Zweifel auch schon weiter. Dadurch kann ich Zeit sparen und bleibe konkurrenzfähig. Das ist ein echter Vorteil.“

An eine eigene Marke hatte sie lange gedacht. „Aber das ist nicht so einfach“, meint die Geschäftsfrau. Ihre Produzenten in China und Indien bestärkten sie immer wieder. „Ich brauchte eine Nische“, erklärt Dubois-Chahmerian ihr Zögern. „Man muss realistisch sein.“ Die Realistin aber merkte mit der Zeit, wie sehr sie Schals als tägliches Accessoire schätzte. Fast ist es die Verwirklichung eines Kindheitstraums.

„Als ich acht Jahre alt war, habe ich mit meiner Großmutter Stoffreste gekauft und zusammen genäht. Dazu habe ich mir Geschichten ausgedacht. Und als ich größer wurde, wollte ich international arbeiten“, berichtet Dubois-Chahmerian. Heute reist sie und entwirft Schals. Der Kreis schließt sich.

Die Grafiken schickt die Diversity-Gründerin nach Kalkutta. Dann dauert es sechs bis acht Monate, bis ein Produkt fertig ist. Gerade sind die Skizzen für einen Schal nach marokkanischer Vorlage eingetroffen. „Sehen sie, er nimmt die wunderbaren Muster der Fliesen und kunstvoll geschmiedeten Fenstergitter wieder auf“, freut sich Dubois-Chahmerian. Sie schwärmt vom kühlen Blau und irisierendem Grün. Etwas Orange durfte natürlich auch nicht fehlen.

Auf den Dörfern gefertigt

„Alle Schals werden von Frauen in Indien gewebt, die dadurch in ihren Dörfern bleiben und ein Auskommen haben. Die Kinder können dort zur Schule gehen und die Familie bleibt intakt“, betont die Unternehmerin. Sie will ein Nischenprodukt. „Aber es soll auch eines sein, das den sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen Rechnung trägt.“ Dubois-Chahmerian ist froh, dass sie durch ihren Import und Export seit Jahren mit Prüfunternehmen zusammen arbeitet, die für soziale Standards sorgen. Das ist ihr nicht nur bei der Produktion wichtig. „Hier in Luxemburg haben wir gerade den Label als sozial verantwortliches Unternehmen erneuert“, sagt sie.

Dann zeigt Dubois-Chahmerian „Göteborg“ und „Sansibar“. Zu kaufen gibt es die Schals zunächst am Flughafen Findel. „Aber ich will das auf andere Flughäfen in Europa ausweiten“, sagt sie. Eine Expansion in Europa, den USA und dem Mittleren Osten ist schon geplant.

Wie viele Schals die Gründerin selbst hat, weiß sie nicht. „Aber der Schal bestimmt mein Tagesoutfit“, verrät sie. An besonders dynamischen Tagen kommt eine Farbe auf jeden Fall vor: Orange.