Hohe Transfer- und Besoldungssummen sind in den letzten Jahrzehnten zu einer gängigen, wenn auch nicht unbedingt wünschenswerten Begleiterscheinung im modernen Profisport geworden. Begründet bzw. gerechtfertigt werden die vergleichsweise horrenden Geldsummen mit dem wachsenden Publikumsinteresse an den mit entsprechendem Medienaufwand begleiteten sportlichen Großereignissen, die wiederum von interessierten Werbekunden finanziert oder gesponsert werden: Zahlen wird am Ende, so oder so, der Verbraucher, der von der Trikot- oder Bandenwerbung in der Sportstätte geködert werden soll. Grundsätzlich ist daran nichts auszusetzen, zumal ja u.a. auch die Verbände, die früher für den „geldlosen“ Sport eintraten, mittlerweile zu den erfolgreichsten Verkäufern von Übertragungs- und sonstigen Vermarktungsrechten gezählt werden können.

Aufhorchen ließ zum Wochenbeginn ein neuerlicher Transfer im europäischen Fußballzirkus, der alle bisherigen, und selbst die scheinbar wahnsinnigsten, Rekorde platzen ließ. Ganze 120 Millionen Euro soll sich der königliche Fußballclub aus der spanischen Hauptstadt Madrid die Dienste eines Kickers aus der britischen Provinz kosten lassen, der zuletzt seinem Verein und dessen Anhängern mit guten Leistungen den einen oder anderen Glücksmoment zu verschaffen vermochte, ohne dass es aber zum wirklich großen Coup gereicht hätte.

Nun ist der Real Madrid CF zwar der umsatzstärkste Verein auf der internationalen Fußballszene, der in den letzten Jahren des Öfteren mit spektakulären Transfersummen von sich reden machte. Gleichzeitig sitzt dieser Verein auf einem Schuldenberg von über 600 Millionen Euro und machte im vergangenen Jahr einen Gewinn in Höhe mittleren zweistelligen Millionenzahl, konnte seine Finanzlage offenbar aber nur dadurch stabilisieren, dass er der Stadt Madrid verschiedene Immobilien für einen ziemlich hohen dreistelligen Millionenbetrag übereignete, wobei zumindest die EU-Kommission jetzt angeblich prüfen lassen will, ob dieser Betrag nicht etwas hoch ausgefallen war und somit eine unzulässige öffentliche Spende darstellen könnte.

Spanien zählt derzeit zu den EU-Ländern mit der höchsten Arbeitslosigkeit, wobei vor allem Jugendliche betroffen sind. Die Bundesrepublik Deutschland, wo derzeit die Diskussionen über mangelnde oder überhöhte Solidaritätsaufwendungen mit den bedürftigen südlichen Partnerstaaten hochkochen, hatte vor einigen Monaten den Iberern angeboten, 5.000 jugendliche Arbeitslose dauerhaft zu beschäftigen. In Spanien scheint das Solidaritätsgefühl gegenüber der eigenen Bevölkerung nicht so weit gediehen zu sein. Dort übernimmt man für einen Kaufpreis in Höhe von - vorsichtig geschätzten - 10.000 Jahreseinkünften eines Arbeitslosen einen Arbeitnehmer aus Wales, dem man zusätzlich bis 2019 ein Jahresgehalt in Höhe von jeweils 1.000 jährlichen spanischen Arbeitslosenentschädigungen zu zahlen bereit ist.

Unterdessen vertröstet das offizielle Spanien seine Gläubiger und stellt Ansprüche auf Solidarität.

Was ist das für eine Welt?