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Warum der Winter „Prix Laurence“-Gewinnerin Roksan Maly zu ihrem Text „Sommer“ inspirierte

Im Rahmen des Literaturfestivals „LiteraTour“in Bettemburg wurde Ende April der „Prix Laurence“ an junge Schreibtalente überreicht. In der Alterskategorie der Zwölf- bis 17-Jährigen heißt die glückliche Gewinnerin Roksan Maly. Im Interview erzählt die junge Frau, woher ihre Leidenschaft für das Schreiben kommt und worum es in ihrem preisgekrönten Text „Sommer“ geht.

Erzähle uns doch bitte mal, wer Du bist.

Roksan Maly Ich bin Roksan Maly und 16 Jahre alt. Ich besuche das Lycée Ermesinde in Mersch. Nächstes Schuljahr werde ich mich schulisch entweder auf die Literatur konzentrieren oder auf das Allgemeinwissen. Hauptsache ist, dass ich wenig oder keine Mathe habe und mich viel mit den Sprachen und der Literatur beschäftigen kann. Ich liebe die Sprachen - vor allem die deutsche und englische, die mir gut liegen - und das Schreiben von Texten.

Du hast Dich mit Deinem Text „Sommer“ beim „Prix Laurence“ beworben. Warum?

Roksan An meiner Schule ist es so, dass jeder sich in Ateliers einschreiben muss, zum Beispiel Musik, Theater, Kochen, Sprachen oder halt das Schreibatelier. Ich nehme an letzterem teil, da ich mich sehr dafür interessiere. Unsere Professorin hat uns dann vom „Prix Laurence“ erzählt und uns geraten, uns doch mal zu bewerben. Das habe ich dann getan, jedoch nicht wirklich aus der Motivation heraus, um wirklich zu gewinnen, sondern eher aus Spaß an der Sache.

Woher kommt die Leidenschaft fürs Schreiben?

Roksan Ich habe schon immer sehr gerne gelesen und zusammen mit meinem Vater Geschichten erfunden. Zudem habe ich als kleines Kind viele Hörbücher gehört, zum Beispiel „Die Drei Fragezeichen“. Auch mit meinen Freundinnen habe ich viele Geschichten erfunden. Aus dieser Freizeitbeschäftigung hat sich dann die Leidenschaft zur Literatur entwickelt. Seitdem habe ich viele Texte gelesen, zum Beispiel von luxemburgischen Schriftstellern, aber auch Steven King oder anderes. In meinem Kopf schweben dann immer wieder komische Gedanken herum, die ich vertiefen, verarbeiten und aufschreiben möchte.

Woher nimmst Du Deine Inspiration?

Roksan Das ist unterschiedlich. Meistens habe ich keine Inspiration, sondern eine Schreibblockade. Mit einer solchen habe ich auch aktuell wieder zu kämpfen. Wenn ich jedoch im Schreiben drin bin, würde ich sagen, dass ich meine Ideen meistens aus dem Alltag nehme. Meine Inspiration für „Sommer“ kam mir spät abends, bevor ich zu Bett ging. Plötzlich schoss mir der Satz „Er mag Sommer nicht. Warum mag er Sommer nicht?“ durch den Kopf. Daraufhin habe ich diesen Text geschrieben. Dass dieses Thema mich im tiefsten Winter inspiriert, ist das eigentlich Komische daran und zeigt, dass meine Ideen meist wahllos sind. Oft kommen mir einfach Sätze in den Kopf, die ich entwickeln möchte. Wenn ich Glück habe, entsteht daraus eine Geschichte. Habe ich kein Glück, bleibt es einfach nur ein toller Satz.

Worum geht es in Deinem preisgekrönten „Sommer“?

Roksan Der Text ist in der Er-Perspektive geschrieben, und es geht um jemanden, der den Sommer nicht mag. Eigentlich hasst er ihn, und das obwohl der Sommer für das Leben und die Wärme steht. Die Person zieht sich lieber zurück, da sie das Lächeln des Sommers nicht ausstehen kann. Der Sommer ist dabei personifiziert, das fand ich interessant. Der Text ist ein Zusammenspiel zwischen der Wärme des Sommers und der Kälte dieser Person.

Wie würdest Du Deinen Schreibstil definieren?

Roksan Ich finde es schwierig, meinen Schreibstil zu beschreiben. Ich versuche eigentlich immer kurze Sätze zu machen. Diese langen Sätze und das Reden um den heißen Brei, diese Melancholie, die man bei bestimmten Autoren wiederfindet, finde ich ziemlich anstrengend. Ich möchte klar und deutlich schreiben. Ich bin auch als Person jemand, der ziemlich direkt ist und sagt, was mir durch den Kopf geht. Das mag natürlich nicht jeder, aber so bin ich nun mal. Das spiegelt sich dann auch in meinen Texten wider. Zudem möchte ich, dass die Leser die Möglichkeit haben, sich ihre eigenen Interpretationen zu machen.

Warum hast Du die deutsche Sprache für Deinen Text ausgewählt?

Roksan Zuhause spreche ich Deutsch, die Sprache liegt mir also gut. Deutsch ist für mich zudem eine große Inspirationsquelle, da ich den Großteil meiner Bücher in dieser Sprache gelesen habe. Zudem fallen mir die einzelnen Wörter, aber auch Sprichwörter und Redewendung schneller ein als in anderen Sprachen. Englisch finde ich zwar auch interessant, aber eher in einem anderen Bereich als für das Schreiben von Texten. Die luxemburgische Sprache finde ich leider nicht so schön, und ich finde es anstrengend, in dieser Sprache zu schreiben.

Wie sieht Deine Zukunft rund um das Schreiben aus?

Roksan Eine Zeitlang habe ich mit dem Gedanken gespielt, Schriftstellerin zu werden. Da ich jedoch immer wieder Schreibblockaden habe, finde ich das schwierig. Ich mag es einfach nicht, zu schreiben, weil man es von mir verlangt. Da ich zudem sehr perfektionistisch bin, möchte ich mir gerne die Zeit für die Texte nehmen, die ich brauche. Ich arbeite lieber ohne Druck und aus mir selbst heraus. Nichtsdestotrotz würde ich es super finden, mich weiterhin in dieser Leidenschaft zu verwirklichen. Auch fände ich es interessant, ein eigenes Buch zu schreiben, sei es aus Kurzgeschichten oder aus einem zusammenhängenden Text, das müsste ich mir dann noch überlegen.