LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

40 Künstler aus Luxemburg und der Großregion 2020 bei der „Triennale Jeune Création“

Geboren sind sie zwischen 1981 und 1996, aufgewachsen in einer Welt, in der das Internet zur Hauptinformationsquelle geworden ist, und in der sie mit den Konsequenzen der wirtschaftlichen, ökologischen und politischen Entscheidungen der Vorgängergenerationen leben müssen. Die „Millenials“ aus der Kunstszene Luxemburgs und der Großregion wurden dazu aufgerufen, ihre Ideen rund um das Thema „Brave New World Order“ einzureichen, um so mit etwas Glück als Teilnehmer der „Triennale Jeune Création“ zurückbehalten zu werden. Im Sommer 2020 wird die fünfte Auflage von den Rotondes, diesmal in Zusammenarbeit mit dem „Casino Luxembourg - Forum d’art contemporain“, organisiert. 113 Kandidaturen waren nach einem Künstleraufruf bei den Verantwortlichen eingegangen, 40 junge Künstler wurden zurückbehalten. Unter Federführung von Casino-Direktor Kevin Muhlen wird die Ausstellung „Brave New World Order“ entstehen, die an zwei verschiedenen Orten gezeigt wird. Erste Informationen gab es vor kurzem bei einer Pressekonferenz.

Startschuss im Kulturjahr 2007

2007 war die erste Auflage eines solchen „Salon jeune création“ in Rotunde 2 organisiert worden. „Es war eines der ersten Projekte, die seinerzeit in den Rotondes als neuem Kulturort organisiert wurden, dies als Luxemburg europäische Kulturhauptstadt war“, erinnert sich Direktor Steph Meyers. Wie bei so vielem, sei man damals jedoch davon ausgegangen, es würde sich um eine einzigartige Sache handeln. „Doch es funktionierte derart gut, dass wir drei Jahre später im CarréRotondes in die zweite Runde gingen. Weitere Auflagen folgten 2013 und 2017“, listet er auf.

Schnell sei Wert auf Synergien zwischen verschiedenen Häusern und Institutionen gelegt worden. Bei der nächsten Auflage wird, wie erwähnt, das „Casino Luxembourg“ eng eingebunden. „Solche Partnerschaften, auch innerhalb der Großregion, sind ein wichtiger Punkt, sie bringen jeder Triennale eine besondere Dynamik und einen deutlichen Mehrwert“, ist sich der Direktor der Rotondes sicher. Ziel sei es letztlich, die junge Kreation zu fördern und Künstlern, die noch nicht bekannt sind, zu einer gewissen Sichtbarkeit mit möglichst nachhaltigem Charakter zu verhelfen. „Wir setzen alles daran, dass das Potenzial dieser jungen Generation erkannt wird und die Teilnahme an der Triennale wirklich ein Sprungbrett für die Zukunft ist“, so Meyers. Die weitere Entwicklung der Künstler behalte man indes im Auge. Einige Teilnehmer vergangener Auflagen hätten bereits beachtliche Karrieren hingelegt und so etwa bei der Kunstbiennale in Venedig oder bei Lët’z Arles mitgewirkt. „Das sind die Zeichen, die verdeutlichen, dass die Triennale ihre Daseinsberechtigung hat“, meint Meyers.

Freiraum gelassen

Aufgabe von Kevin Muhlen, der die Rolle des Kurators übernommen hat, war es, ein passendes Thema als Ausgangspunkt für die große Ausstellung im Sommer zu finden. Zu sehr hätte er der Generation Y jedoch keinen Stempel aufdrücken wollen und deshalb mit dem Expo-Titel „Brave New World Order“ auch bewusst viel Freiraum gelassen. Etwas überrascht hätten ihn die Ideen der Künstler, die ihr Dossier einreichten, dann doch, wie er zugibt: „Die Thematiken, die ich erwartet hatte, waren kaum vertreten. Ich habe an politische Aspekte gedacht, an Verschwörungen, dystopische Ideen, Cyberborg... Es war interessant zu sehen, dass die ,Millenials‘ andere Referenzen mit dem Ausstellungsthema verknüpfen. Sehr präsent sind ökologische Aspekte. Dies macht deutlich, dass die Generation Y sich der ökologischen Einflüsse sehr bewusst ist und die Tatsache erkannt hat, dass wir die Dinge jetzt in die Hand nehmen müssen. Diese Thematik wird auf sehr verschiedene Arten angegangen. Auch die sozialen Netzwerke kehrten mehrfach als Ansatz wieder, insbesondere die Fragestellung, inwiefern das Internet die Art und Weise der Kommunikation und Informationszufuhr verändert hat, wie wir uns in den sozialen Medien selbst darstellen und inwiefern dies auch zum Verlust der Individualität führt“.

In die nächste Ausgabe werden übrigens doppelt so viele Künstler eingebunden wie sonst: 25 Frauen, 13 Männer, ein Duo und ein Kollektiv. 16 stammen aus Luxemburg, 18 aus Frankreich, drei aus Deutschland und drei aus Belgien. Der Altersdurchschnitt liegt bei 29 Jahren. „Alle kommen aus verschiedenen Kunstrichtungen, das gibt dem Ganzen eine besondere Dynamik“, bemerkt Marc Scozzai, zuständig für das Programm der darstellenden Künste in den Rotondes. 20 Künstler werden dort und 20 im Casino ausstellen. „Jetzt befinden wir uns in der Phase, wo wir mit den Künstlern in Dialog treten, um zu schauen, wie wir die Ausstellungen kohärent aufbauen können. Da warten noch einige Hausforderungen auf uns“, meint Muhlen.

Doppeltes Programm

Auch an vergangenen Triennalen beteiligte Künstler werden diesmal in das Programm eingebunden. „Sie werden erneut in den Fokus gerückt, indem wir ihnen eine Art ,Carte Blanche‘ geben. Sie können zeigen, wie sie sich in ihrer Arbeit weiterentwickelt haben. Wir arbeiten also ein doppeltes Programm aus, einerseits für die beiden großen Ausstellungen, die am 25. Juni 2020 in den Rotondes und im Casino eröffnen, und andererseits für Projekte mit weiteren Partnern, die bereits Mitte Februar starten“, erklärt Scozzai. So wird Marc Buchy in der Cecil’s Box ausstellen, Marie-Luce Theis im „Konschthaus Beim Engel“, in den Rotondes sind es Guillaume Barborini, Marina Smorodinova, Rémy Laporte und Paul Heintz, während Jérôme Knebusch für die visuelle Identität des Triennale-Programms verantwortlich zeichnet.

16 Künstler aus Luxemburg

113 Kandidaturen waren bei den Organisatoren der „Triennale Jeune Création“ eingegangen, 40 Künstler wurden zurückbehalten, davon 16 aus Luxemburg: Jessica Da Silva, Catherine Dauphin, Aurélie d’Incau, Krystyna Dul, João Freitas, Julien Hübsch, Lynn Klemmer, Aude Legrand, Suzan Noesen, Charles Rouleau, Sonic Invasion (Kollektiv), Bruno Oliveira, Tania Soubry, Vince Tillotson, Clio Van Aerde und Julie Wagener.