Heute wird über die Reform des Abtreibungsrechts im Parlament abgestimmt - ein schwarzer Tag für das Selbstwertgefühl der Frauen Luxemburgs. Man wünscht sich, die LSAP wäre 2009 standhaft geblieben und hätte schlichtweg gesagt, entweder Fristenlösung oder gar nichts - so wie sie es seit 40 Jahren angeblich vertritt und so wie es in ihrem Wahlprogramm stand. Ist es wirklich im 21. Jahrhundert noch notwendig, das Selbstbestimmungsrecht der Frau in einer Bittschrift an den Parlamentspräsidenten einfordern zu müssen? Dafür kämpfen zu müssen, dass Frauen nicht zu einer Beratung verpflichtet werden, um eine Entscheidung, die ihr Leben maßgeblich beeinflusst, selber treffen zu können? Welch eine Demütigung!

Auf die zwei Jahre währenden Diskussionen hätte man gut und gerne verzichten können. Genau wie auf die Steilvorlage für erzkatholische Kreise, einer aufgeklärten Gesellschaft die Mär von Schuld und lebenslanger Sühne für einen Tötungsakt erzählen zu können, obwohl doch die Gemeinschaft der Gläubigen sich so rührend um diese Kinder kümmern könnte. Wo bleibt denn die Hotline der Kirche für übermüdete Frauen, die die x-te Nacht mit einem schreienden Säugling verbracht haben? Darf man da den Erzbischof direkt anrufen? Und das Armutsrisiko für Alleinerziehende, die fast ausschließlich Mütter sind? Das wohlverdiente irdische Fegefeuer - für verantwortungsvolle Mutterschaft?

Da konnte gestern LSAP-Parteipräsident Alex Bodry noch so lange mit allen möglichen Tricks und juristischen Spitzfindigkeiten in einer im höchsten Maße peinlichen Pressekonferenz versuchen, eine Indikationslösung in eine Fristenlösung umzuinterpretieren: De facto bleibt der Schwangerschaftsabbruch im Strafrecht verankert und Straffreiheit gilt nur unter bestimmten Konditionen und Indikationen. Da ist absolut kein Raum für Interpretationsdivergenzen! Von der unsäglichen Beratungspflicht gar nicht zu reden, die nunmehr auch die Frauen trifft, die bis zur siebten Woche die Schwangerschaft medikamentös abbrechen wollen - und die machen mehr als 80 Prozent der Abbrüche aus.

So, die Sozialisten haben also mutig und unerschrocken für die Selbstbestimmung gekämpft: die Frau kann selber entscheiden, ob sie sich in einer Notlage befindet, das werde in der Beratung auch nicht in Frage gestellt. Die Beratungsstellen seien jetzt nicht mehr konfessionell gefärbt, seien aus dem familienpolitischen Kontext herausgenommen und in eine neutrale psycho-soziale Information, die am Ort des Abbruchs erteilt wird, abgewandelt. Und die Frau darf sich selber zertifizieren, dass sie diese Beratung gemacht hat. Und wenn sie dies tut, ohne in der Beratung gewesen zu sein? Dann hat sie sich einer eidesstattlichen Falschaussage und einer illegalen Abtreibung strafbar gemacht. Was übrig bleibt, ist also eine gesetzliche Farce, die Rechtsunsicherheit birgt.

Das Thema sei mit der heutigen Abstimmung nicht abgeschlossen, so Bodrys Fazit gestern. Na klasse! Es wird also ein Gesetz verabschiedet, das eigentlich reformbedürftig ist. Welch ein „Echec“.