LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Rue du Fort Neipperg-Schlägerei: Verteidigung fordert milde Strafe

Am 30. September 2012 kommt es gegen 4.35 in der Rue du Fort Neipperg zu einer Schlägerei unter drei jungen Männern. Es handelt sich dabei um einen 27-jährigen Kapverdianer, einem 27-jährigen Kosovaren und einem 25-jährigen Montenegriner. Mit einem Schlagstock aus Metall und einer Schere bewaffnet gingen sie aufeinander los und verletzten sich dabei gegenseitig so schwer, dass die handgreifliche Auseinandersetzung für den Beteiligten B. in der Klinik endete.

Ursache für Auseinandersetzung immer noch unklar

Im Prozess ging es gestern weiter mit der Zeugenaussage des Disco-Betreibers. Gleich nach der Begrüßung erinnert Richterin Conter den Betreiber der Discothek an seinen verpassten Gerichtstermin. „Sie sind am Dienstagmorgen nachgeladen worden, weil sie nicht präsent waren“, sagte die Richterin. Die Aussage des Betreibers brachte dann etwas mehr Licht in das Dunkel der Schlägerei.

„Draußen flogen die Fäuste, es ging alles sehr schnell“, sagt der Betreiber, er selbst hätte eingegriffen und sei dabei leicht verletzt worden. Er sah den Kapverdianer am Boden liegen - Ernad B. hätte den Kapverdianer mit einem Metallschlagstock auf den Kopf geschlagen. In Windeseile seien die Menschen aus der Disco auf die Straße geströmt. Der Betreiber gab weiter zu Protokoll, dass B. den Kapverdianer gewürgt, mit Füßen getreten und Fäusten geprügelt hätte. Mehrfach ist die Rede davon, dass auch der Freund des Kosovaren, der 27-jährige Montenegriner Salmedin S., dem Kapverdianer mit Schlägen und Tritten Richtung Kopf zugesetzt habe. Jedoch hätte sich der Kapverdianer verbissen gewehrt. Eine Schere und einen Schlagstock hat der Betreiber aber nicht gesehen. Ein Rausschmeißer der Disco gab dann zu Protokoll, dass B. blutüberströmt am Boden lag. Einen Schlagstock und eine Schere hatte auch er nicht gesehen.

Die Angreifer sollten kampfunfähig gemacht werden

Der Kapverdianer A. gab gestern zu Protokoll, dass er in der besagten Nacht zur Disco gehen wollte. Als er aus dem Wagen seines Freundes stieg, soll ein Wagen mit zwei Insassen durch Blinkzeichen und Gehupe hinter dem Jeep auf sich aufmerksam gemacht haben.

Er, A., wäre zu dem Wagen gegangen, wobei sich zunächst ein Disput per Handzeichen zwischen den drei Männern entwickelt hätte, der sich dann verbal fortsetzte. Dabei soll der Ausdruck „fils de pute“ gefallen sein. Als er dann in die Discothek gehen wollte, hätten die beiden Ex-Jugoslawen ihn attackiert. B. hätte einen Schlagstock gehabt, mit dem er ihn auf den Kopf schlug.

Der Dritte, S., soll ihn mit einem Riemen geschlagen haben. Er hätte Angst gehabt und sprach von einer Notwehrsituation, sagte A., der betont , dass er zwar die Stiche mit der Schere gesetzt hätte, um die Schläger kampfunfähig zu machen, aber keinen Tötungsvorsatz gehabt.

Was wirklich geschah, versuchten die beiden Ex-Jugoslawen gestern zu erklären. Der Kapverdianer hätte mit dem Streit angefangen und wäre sehr aggressiv gewesen, betonten die beiden Angeklagten. Der Verteidiger von A., Pim Knaff, schloss sich in weiten Teilen der Anklageschrift an. Allerdings wies er daraufhin, dass ein versuchter Totschlag nicht gegeben sei. Sein Mandant hätte in Notwehr gehandelt. Er beantragt eine Haftstrafe auf Bewährung wegen Körperverletzung.
Der Prozess wird heute fortgesetzt