CLAUDE KARGER

Das war’s also für 2016, ein Jahr, das sicher nicht als freudenreiches in die Annalen eingehen wird. Krieg, Terror und Zerstörung haben die Welt weiterhin fest im Griff. Lügen und Hetze scheinen Auftrieb zu haben, während Menschlichkeit und Solidarität in den vergangenen zwölf Monaten harte Dämpfer erleben mussten. Die Diplomatie ebenfalls, die besonders im Fall Syrien blutig versagte. Wäre das schön, wenn man die Zeit zurück drehen könnte, um es, mit dem Wissen aus den begangenen Fehlern, neu versuchen zu können, nicht ?

Wunschdenken, das uns um die an Rückblicken reiche Jahreswende stets beschleicht, genau wie das Gefühl, dass morgen um eine Minute nach Mitternacht eine neue Ära der Hoffnung anbricht, in die wir mit voller Energie und Tatendrang hinein rutschen würden... Hoffnung und Optimismus sind schön und wichtig, die Lösung der Probleme - die 2017 zumindest die gleichen sein werden wie 2016 oder die Jahre zuvor - braucht aber mehr als das, nämlich konsequentes Handeln im Interesse des Zusammenhalts der Gesellschaften.

Dabei werden übrigens nicht die in der ersten Reihe stehen, die auf allen Kanälen gegen „Gutmenschen“ wettern, sich selbst aber für nichts einsetzen außer für sich selbst und lieber auf allen Ebenen Sündenböcke suchen, statt mit anzupacken, damit es jedem besser geht. Sie vergessen natürlich geflissentlich, dass es „Gutmenschen“ mit Idealen waren, die für die Errungenschaften gekämpft haben, die uns allen heute so selbstverständlich vorkommen: Frieden, Sicherheit, Wohlstand, eine starke Demokratie, eine großzügige soziale Absicherung, eine konkurrenzfähige Wirtschaft... Viele vergessen auch, was Hass und Diskriminierung anrichten können. Dabei können wir die Auswirkungen doch täglich in den Reportagen über die Krisenherde dieser Welt beobachten. Und es schadet auch nicht, sich mal die eine oder andere Dokumentation über die Hassprediger des 20. Jahrhunderts anzusehen, besonders über die, die Europa in Schutt und Asche legten.

Man vergleiche ihre Diskurse mit jenen, die manche Politiker heute führen und erschaudere ob der Gemeinsamkeiten! Leider aber scheinen solche Leute mit ihren vermeintlich simplen Antworten auf schwierige Fragen in einer zunehmend komplexeren Welt Konjunktur zu haben.

Im kommenden Jahr wird unter anderem in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland gewählt, vielleicht auch in Italien. Überall geht die Angst um, dass die Populisten an die Macht kommen könnten. Statt selbst in Angst-Wahlkämpfe zu verfallen und sich von Rechts treiben zu lassen, sollten die demokratischen Kräfte lieber fundierte und realistische Programme vorlegen, die echte Perspektiven schaffen und Probleme lösen - das haben die Populisten nämlich nicht zu bieten.

A propos Programm: Die Welt wartet mit Spannung auf jenes von Donald Trump, der nach einer angsteinflößenden Kampagne am 20. Januar als 45. Präsident der USA vereidigt wird. Man kann nur hoffen, dass er sich seiner Verantwortung an der Spitze dieser Weltmacht bewusst ist und sich ihr auch wirklich stellt.

In diesem Sinne - der Hoffnung - wünschen wir Ihnen, liebe Leser, ein frohes und erfolgreiches Jahr 2017, und vor allem eine gute Gesundheit.