LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Neue Sonderausstellung „Art déco in Luxemburg“ im MNHA vom 27. April bis 4. November

Mit Art déco, dem Stil der in den 1920er und 1930er Jahren aufkam, dessen Namen sich aber erst in den 1960ern einbürgerte, verbinden viele in erster Linie Luxus und Eleganz. Damals war der Stil Ausdruck von Modernität. Die Formen waren in vielen Bereichen des Kunsthandwerks und Industriedesigns klarer geworden. Wie sich dies in Luxemburg widerspiegelte, wird ab morgen in einer neuen Sonderausstellung im „Musée national d’histoire et d’art“ (MNHA) gezeigt.

Es ist indes das erste Mal, dass diesem Stil und dieser Periode zwischen zwei Weltkriegen in Luxemburg - aus künstlerischer Sicht - eine umfangreiche Ausstellung gewidmet wird. Mit entsprechend viel Aufwand war demnach die Recherchearbeit der zuständigen Ausstellungskuratorin Ulrike Degen verbunden. Knapp die Hälfte der Exponate stammt aus der Museumssammlung, der übrige Teil wurde bei Privatsammlern „aufgetrieben“ oder aus den Beständen anderer Institutionen zur Verfügung gestellt.

Eine Zeit, die begeisterte

„Die 1920er und 1930er Jahre waren eine ganz spannende Zeit in politischer, wirtschaftlicher und auch künstlerischer Hinsicht. Es war eine Zeit, die begeistert hat, und es herrschte eine gewisse Aufbruchsstimmung“, bemerkte Degen gestern während einer Presse-Besichtigung. „Art déco ist ein Stil, der auf dem basiert, was während der Weltausstellung 1925 in Paris gezeigt wurde. Diese konzentrierte sich damals auf das Kunsthandwerk und trug den Namen ,exposition internationale des Arts décoratifs et industriels modernes‘. Der Titel wurde später die Basis für die Stilbezeichnung ,Art déco‘. Der Begriff setzte sich allerdings erst in den 1960er Jahren durch. Vorher sprach man vom Modernen, von Zick-Zack-Stil und so weiter. Tatsächlich gab es ganz variantenreiche Namen“, wusste die zuständige Kuratorin zu berichten.

Möbel, Keramik, Schmuck und Architektur

Die Sonderausstellung „Art déco in Luxemburg“ widmet sich indes den unterschiedlichsten Bereichen dieser schillernden Stilrichtung: Möbel und Keramik, Mode und Schmuck, Architektur und Grafikkunst. Der erste Raum widmet sich eben diesen grafischen Künsten. Ein Hauptvertreter, der oft als Pionier der modernen Grafikkunst in Luxemburg bezeichnet wird, war Raymond Mehlen, der von der Ausbildung her eigentlich Typograf war, sich dann aber der Werbegrafik zuwendete. „Die Reduktion auf das Wesentliche, durch eine klare Schrift etwa, zeigt sich bereits früh in seinen Filmplakaten“, erläuterte Degen. Deutliche Farbkontraste, eine klare Flächenaufteilung, die Reduktion der Schrift und die Vereinfachung der Abbildungen sind die Elemente, die Plakate, Werbeblätter und die Covergestaltung dieser Zeit zu prägen begannen.

Neues Selbstbewusstsein der Frau

Die Rolle der Frau in der Gesellschaft änderte sich nach dem Ersten Weltkrieg ebenfalls in vielerlei Hinsicht. Während der Kriegsjahre hatte sie die Familie ernährt, war in kriegswichtigen Industrien tätig und musste ihren Mann stehen. „Dieses neu erlangte Selbstbewusstsein spiegelte sich nach dem Krieg auch in der Mode wider“, erklärte die Kuratorin. Die Rocklänge war kürzer geworden, die Taille tiefer, und es wurde auf das einengende Korsett verzichtet. „Eine wichtige Vertreterin war Großherzogin Charlotte, eine junge Frau von 22 Jahren, die das wichtigste Amt im Land übernommen und damit auch eine gewisse Vorbildfunktion für die Damenwelt eingenommen hatte“, so Degen. 1926 ließ die Großherzogin den Familienschmuck von dem renommierten Pariser Juwelier Chaumet umarbeiten. Im MNHA ist ihr Diadem zu sehen, das die typischen Formen des Art déco, (Zick-Zack-Motiv) aufweist, mit zahlreichen Diamanten versehen ist und in dessen Mitte ein riesiger Smaragd prangt. Es wurde zum Lieblingsstück der Großherzogin.

Tourismus als neuer Wirtschaftszweig

Nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 begann sich der Luxemburger Staat mehr und mehr im touristischen Bereich zu engagieren. „Man hatte die Wichtigkeit dieses Wirtschaftszweiges erkannt. In den 20er und 30er Jahren wurden Hotels wie das ,Palace‘ oder das ,Alfa‘ errichtet. Die Inneneinrichtung war im luxuriösen Art déco-Stil“, erklärte die Kuratorin. Einige der edlen Möbelstücke sind in der Ausstellung zu sehen, genau wie Plakate, die Werbung für Luxemburg als Tourismusort machen.

Verschiedenste Einflüsse

In einem weiteren Expo-Raum lässt eine große Auswahl an Möbelstücken die verschiedensten Einflüsse erkennen. Die Innenraumgestaltung war durch neue Ideen geprägt. Schlichtheit, Schachbrettmuster und interessante Maserungen zeichnen die Exponate in diesem Raum aus. „Das Kunstschmiedehandwerk wurde zu jener Zeit in Luxemburg neu belebt. Michel Haagen war ein wichtiger Vertreter und einer der Vorreiter dieses Stils im Kunstschmiedebereich“, erzählte die Kuratorin. Der Ingenieur und Architekt Antoine Hirsch (1868-1934), der 1897 zum ersten Direktor der neugegründeten „École d’Artisans de l‘État“ ernannt worden war, setzte sich seinerseits stark für die Abkehr vom Jugendstil zugunsten der Moderne mit klaren Formen und heimischen Hölzern ein.

In der Keramik-Abteilung wird der Willen der Luxemburger Manufaktur „Villeroy&Boch“ deutlich, sich in der Produktion zu erneuern. Lange auf einfachste Gebrauchsware ausgerichtet, wollte man seine Produktpalette damals erweitern. Es entstanden Zusammenarbeiten mit dem französischen Keramikkünstler Jean Luce sowie dem Pariser Verlagshaus Robj, durch dessen Aufträge in Luxemburg die Produktion von dekorativen Figuren und Skulpturen begann.

In Luxemburg begeisterte man sich ab dem Ende der 20er Jahre immer mehr fürs Kino. Prächtige Lichtspielhäuser im Art déco-Stil eröffneten, so etwa das „Marivaux“, das „Ecran“ oder das „Capitole“. Fotos, Plakate, Pläne und Filmmaterial lassen beim Betrachten nostalgische Gefühle aufkommen. Auch die Kirchenarchitektur folgte dem damaligen Geschmack der Zeit. Diesem Sujet ist der letzte Ausstellungssaal gewidmet.

Weitere Infos unter www.mnha.lu