LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Eine größere Gruppen-Prügelei vor einer Diskothek landet vor Gericht

Am Montagnachmittag standen drei Polizisten, ein Ex-Soldat der großherzoglichen Armee und drei junge Männer vor der 7. Strafkammer am Bezirksgericht Luxemburg. Ihnen wird vorsätzliche und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Alle hatten sich nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft an einer Schlägerei beteiligt.

Zu der Schlägerei ist es am 15. Februar 2016 vor einer Diskothek in der Rue de Bouillon in Luxemburg/Stadt gekommen. Die Polizisten und der Ex-Soldat waren dort privat unterwegs und gerieten mit anderen Partygästen aneinander, wobei auch Tritte gegen am Boden liegende Personen stattfanden. Die Diskothek hatte an jenem Morgen bereits geschlossen, als es gegen 7.00 Uhr vor dem Lokal zu der Schlägerei kam.

Mutmaßliche Beleidigung undProvokation als Auslöser

Das Problem, dass sich bei einer Schlägerei ergibt, ist die Schwierigkeit der Zuweisung einzelner Verletzungen an konkreten Täter. Laut Ermittler sei es nur draußen vor der Diskothek zum Streit gekommen. Laut Zeugenaussage waren die Auslöser offensichtlich Beleidigungen und Provokationen wie „Dat do si Flikke vun Déiferdeng“ oder „Sale flic on va vous niquer“ oder „Fils de pute, ech fëcken deng Mam.“ Eine Zeugin meinte gehört zu haben „Neger géi zréck an déi Land.“

Laut Ermittler verursachte die Gruppenbildung im Video eine große Unübersichtlichkeit.

Gegen 7.30 Uhr wurden die Polizei-Beamten in Luxemburg dann darüber in Kenntnis gesetzt, dass vor einer Diskothek eine Massenschlägerei im Gange sei. Verschiedene Funkstreifen aus Luxemburg waren daraufhin im Einsatz. Als die ersten Streifenwagen an der Disco eintrafen, waren nach Polizeiangaben mehrere Personen in die Prügelei verwickelt. Die Ordnungshüter, die noch durch Beamte umliegender Dienststellen verstärkt wurden, gelang es, einige Namen aufzuschreiben. Darunter auch den Namen eines Polizisten. Ein zweiter Polizist der involviert war, sei erheblich alkoholisiert gewesen.

Die Ausgangssituation ist eher noch undurchsichtig. Kameraaufzeichnungen konnten das Geschehen nicht aufklären. Was sich am Valentinstag 2016 vor der Diskothek genau zugetragen hat wurde von einem Taxifahrer gefilmt. Das Video zeigt aber nur den ersten Teil der Schlägerei. Das Video wurde gestern im Gerichtssaal gezeigt. Vieles blieb allerdings unklar, auch, wer wie in die Schlägerei verwickelt war.

Nach der Video-Analyse hatten die Ermittler viele Fragen. Zwei Angeklagte gaben bei der Polizei zu Protokoll, dass es sich bei einigen Schlägern um Mitglieder der „Diff-Side-Bande“ handle. Die hätten beschlossen, die Polizisten anzugreifen und sie vor der Diskothek zu verprügeln.

Ein zweiter Polizist hatte bei der Polizei zu Protokoll gegeben, erst dazu gestoßen zu sein, als bereits eine Rangelei im Gange war. Die Polizisten blieben immer bei ihrer ersten Aussage und wollten auch keine Anzeige gegen die mutmaßlichen Schläger erstatten.

Anstatt Klarheit zu schaffen, sorgte die Geschichte für immer mehr Verwirrung vor Gericht. Der Taxifahrer gab zu Protokoll, dass zwei oder drei Personen umzingelt gewesen waren. Ein Mann hätte sich mit einem Axt -Stiel verteidigt, den er allerdings fallen ließ, als er merkte, dass der Taxifahrer ihn beobachtete.

Das Gericht hat noch sechs von acht Zeugen auf der Liste, die in den nächsten Tagen gehört werden sollen. Der Gerichtsprozess ist auf sechs Gerichtsverhandlungen anberaumt.

Der Prozess wird heute fortgesetzt.