FISCHBACH/MERSCH
NORA SCHLEICH

Erik Stein etablierte sich als professioneller Musiker - und eröffnete sein eigenes Schlagzeug-Geschäft

Erik Stein (27) lebt seine Passion. In Rotterdam absolvierte er den Bachelor of Music mit der Spezialisierung in Schlagzeug, baut nun dort seine Karriere als unabhängiger Schlagzeuger auf und betreibt mit der „Stone Drum Company“ (SDC) seit drei Jahren hier in Luxemburg sein eigenes Geschäft mit allem rund ums Schlagzeug. Dem „Journal“ erzählt der junge Musiker, der zu alldem auch noch mit den Bands „Golden Caves“, „Kid Harlequin“ und „Birdbones“ auf der Bühne steht, wie sich sein Leben als professioneller Schlagzeuger und Salesman gestaltet.

Wie ist die Idee entstanden, einen Drumshop in Luxemburg aufzumachen?

ERIK STEIN Während meiner Schlagzeug-Studien habe ich ein paar Importeure für Cymbals aus Holland angeschrieben, die ich um Sponsoring beten wollte. Schlagzeugzubehör ist echt teuer, und wenn es zum Beruf werden soll, wo man halt auch viel davon kaputt haut, ist es ab einem gewissen Punkt sehr interessant, die Sachen etwas billiger kaufen zu können. Ein Vertreiber für Cymbals, Cympads und Sticks aus Eindhoven hat mir dann geantwortet und mir eine Unterstützung angeboten. Anfangs habe ich noch gar nicht daran gedacht, selbst einen Shop aufzumachen. Da er das Exklusivrecht für Benelux hat, selbst aber nicht in Luxemburg verkauft, habe ich ihm den Vorschlag gemacht, dass ich seine Produkte auch hier im Land anbieten könnte, zumal ich ja in der Musikszene hier etwas bekannt bin und auch Ahnung von der Materie habe. So hat das angefangen. Das war auch zu dem Zeitpunkt, an dem Al Ginter sein Geschäft aufgegeben hat. Er war hier in Luxemburg ja immer der Hauptvertreter für Schlagzeuge und Cymbals. So habe ich vor drei Jahren die Produkte zu mir nach Hause geholt und im Keller einen kleinen Shop aufgemacht.

Welchen Schwierigkeiten mussten Sie sich anfangs stellen?

STEIN Die Zielgruppe ist eigentlich sehr klein, und es herrscht recht viel Konkurrenz durch Online-Shops. Quasi alles, was man zum Schlagzeugspielen braucht, kann man mittlerweile online für einen sehr niedrigen Preis besorgen. Das ist eigentlich das größte Problem. Ich will mit meinem Geschäft aber keine Millionen verdienen, die Idee dahinter ist viel eher, dass ich etwas Kleines, Lokales aufrichten kann, um gute Produkte an den Mann zu bringen. Die Verbindung zwischen Verkäufer und Kunde soll im Vordergrund stehen. Geschäftstermine laufen bei mir nur nach Vereinbarung, sodass ich mir für jeden Kunden und dessen Beratung ausreichend Zeit nehmen kann, um ihm genau das Richtige anzubieten.

Wie in vielen jungen Betrieben ist es zu Beginn schwierig, Kontakt zu den Kunden herzustellen. Mein größtes Problem - und dies auch heute noch - ist es allerdings, dass meine Karriere als Musiker in Holland läuft, ich aber als Verkäufer hier in Luxemburg tätig bin. Also muss ich dauernd hin und her pendeln und meine Zeit für beides genau aufteilen. Innerhalb der letzten drei Jahre habe ich mir einen großen Vorrat von Cymbals angeschafft, welches anfangs ein recht großes Investment bedeutete. Mittlerweile habe ich die Schulden aber tilgen können, sodass ich durch den Shop neben meiner Tätigkeit als Musiker inzwischen ein kleines Einkommen habe.

Wie erreichen Sie denn Ihre Kunden?

STEIN Ich habe sehr viele Kontakte hier in Luxemburg, da sind unter anderem Lehrer dabei, die mich früher während meiner Ausbildung zum Schlagzeuger begleitet haben. Im Echternacher Konservatorium ersetze ich auch ab und an Kollegen, sodass ich mich hier direkt mit meiner potentiellen Kundschaft in Verbindung setzen kann. Wenn ich dann in Luxemburg bin, schreibe ich die Leute an, oder wir vereinbaren Termine, damit sie zu mir in den Shop kommen können. Oft besucht man auch gegenseitig Konzerte, sodass der Kontakt kontinuierlich bestehen bleiben kann.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

STEIN Eigentlich sitze ich ziemlich viel am Laptop. Für die „Stonedrumcompany“ muss viel Promotion online gemacht, Termine vereinbart und abgehalten werden. Es ist zudem wichtig, immer mit den Kunden in Kontakt zu bleiben und neue Bekanntschaften zu knüpfen. Da ich die Idee verfolge, nur europäische Produkte zu verkaufen, informiere ich mich auch stets über den gängigen Markt. Die Cymbals, die ich verkaufe, kommen aus der Türkei, die Stöcke aus Tschechien und die Pads für die Cymbals werden in der Schweiz gefertigt. Momentan suche ich nach Schlagzeugen, die in Europa produziert werden, um auch diese ins Angebot aufnehmen zu können. Das Leitmotiv des Shops besteht darin, eine hohe Qualität zu einem moderaten Preis anbieten zu können. Im Moment beschäftigen wir uns auch mit Prototypen, um selbst Schlagzeuge, also die Kessel und alles, was aus Holz besteht, bauen zu können.

Welche Zukunftspläne hegt die Stonedrumcompany?

STEIN Zum einen soll der Betrieb noch wachsen, sodass ich auch Leute einstellen kann. Zum anderen besteht wirklich die Hoffnung, dass wir - ich zusammen mit meinem Vater, der gelernter Zimmermann ist - es fertigbringen, ein luxemburgisches „homemade“ Schlagzeug auf den Markt zu bringen. Das Schlagzeug soll ganz hier in Luxemburg gefertigt werden, ökonomische und ökologische Vorsätze berücksichtigen und qualitativ hochwertig dem europäischen und amerikanischen Standard entsprechen. Das ist eine Traumvorstellung und es wäre wirklich super. Ob uns das gelingt? Ich denke schon, aber es wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Dazu gehören nämlich auch viele Tests an vielen verschiedenen Prototypen. Der erste Prototyp müsste in einigen Monaten fertig sein. Der wird zunächst einmal von mir ein Jahr lang ausprobiert werden, im Alltag, sowie auf Konzerten, um sicherzugehen, dass das Ganze überhaupt robust genug ist. Nicht, dass alles auf der Bühne zusammenbricht, das wäre ja das Schlimmste.

Hier tut sich aber auch ein weiterer großer Vorteil meines Shops auf: Alle Produkte, die ich verkaufe, sind die gleichen, die ich in meiner professionellen Karriere auch selbst verwende. Der Kunde erhält also stets etwas, das ich selbst schon jahrelang nutze. Ansonsten würde ich es nicht vertreten können, es muss schon „Erik-Proved“ sein!

Wann war es eigentlich klar, dass das Schlagzeug „Ihr Instrument“ sein wird?

STEIN Oh, das hat sich schon sehr früh gezeigt. Angefangen habe ich mit den klassischen Schlaginstrumenten. Mit elf oder zwölf Jahren konnte ich mit einem Metal-Gitarristen zusammen jammen - das war für mich echt ein Schlüsselmoment, bei dem mir bewusst wurde, dass das genau das ist, was ich machen will!

www.stonedrumcompany.com