PRAG
MICHAEL HEITMANN (DPA)/LJ

Seit Ewigkeiten auf der Bühne: Karel Gott wird 80

Kaum ein Sänger steht schon so lange auf der Bühne wie er. Am Sonntag wird Karel Gott 80 Jahre alt: Ganze Generationen verbinden den Künstler, auch bekannt als „goldene Stimme aus Prag“ und „Sinatra des Ostens“, mit einem Lied: Die „kleine, freche, schlaue Biene Maja“ schwirrte vor vier Jahrzehnten erstmals über die deutschen Fernsehschirme. Vor kurzem sagte Karel Gott bei einer Preisverleihung: „Ich habe mich mein ganzes Leben um Erfolg bei Kindern bemüht, denn Kinder sind ein aufrichtiges Publikum - sie sagen, was sie denken.“

Was macht ein Lied wie dieses zum Ohrwurm? Das sei das Ergebnis eines „glücklichen, aber äußerst komplexen Zusammentreffens sehr verschiedener Faktoren“, sagt der Musikwissenschaftler Peter Wicke. Entscheidend sei eine unkalkulierbare Balance aus erfüllter Hörerwartung und musikalischer Innovation. Wie Barbra Streisand oder einst Frank Sinatra steht Karel Gott seit Jahrzehnten auf der Bühne. „Kurzlebig ist nur das aktuelle Popmusikgeschäft, das sich um den Verkaufserfolg bemühen muss“, erklärt Wicke.

„Anpassungsfähiges Talent“

Der Tscheche sei zweifellos „eine nationale Ikone mit allem, was diese Nation auszeichnet“, sagt Petr Bilek, Chefredakteur der Prager Kulturzeitschrift „Literarni noviny“. Er spricht von einem „anpassungsfähigen Talent mit einem beharrlichen Verlangen, sich Träume zu erfüllen“. Die Stimme Karel Gotts habe für ganze Nachkriegsgenerationen die Zeit der ersten Liebe begleitet.

Dabei hatte Karel Gott Glück, dass seine stimmlichen Qualitäten nicht unentdeckt blieben. Denn erst machte der gebürtige Pilsener eine Ausbildung zum Elektroinstallateur beim Kombinat CKD Stalingrad in Prag, trat nur nebenbei in Kaffeehäusern auf. Der Durchbruch kam 1963 mit dem Sieg im tschechoslowakischen Musikwettbewerb „Goldene Nachtigall“ - die Auszeichnung sollte Karel Gott im Laufe seiner Karriere noch 41 weitere Male gewinnen. Zuletzt war das 2017, kurz nachdem er eine schwere Krebserkrankung überstanden hatte. Heute sagt er: „Als ich damals die Diagnose bekam, wusste ich nur eines: Es ist die schwerste Zeit, die schwerste Herausforderung deines Lebens, aber du musst es schaffen, du musst da durch.“

Ruhestand nicht in Sicht

Nach einer mühsamen Therapie geht es dem Sänger inzwischen wieder besser. An Ruhestand denkt Karel Gott, der im Laufe seiner Karriere mehr als 30 Millionen Tonträger verkauft hat, nicht. „Auf der Stelle stehen konnte ich noch nie“, sagt er. Für seine neueste Studioaufnahme kooperierte er mit dem tschechischen Popsänger Richard Krajco. Und er ging mit der Zeit, denn das Lied wurde zuerst bei Youtube veröffentlicht. Entstanden ist ein bewegender Dialog zwischen Karel Gott und seiner 13-jährigen Tochter Charlotte mit dem übersetzten Titel „Herzen erlöschen nicht“.

Die Zeilen wirken poetisch, aber auch melancholisch: „Wenn mich der Strom fortreißt, musst du schwimmen“, heißt es da. Oder: „Ich werde dir auf all deinen Wegen als Stern vom Himmel scheinen.“ Der Videoclip hat bereits mehr als 8 Millionen Klicks bekommen. Nach den guten alten Zeiten des Musikgeschäfts scheint sich Karel Gott dennoch ein bisschen zu sehnen: „Für eine Schallplatte musste man anstehen, das kann man sich heute nur noch schwer vorstellen.“

Manchmal steht der klassisch ausgebildete Tenor auch noch live vor dem Mikrofon, wenngleich öffentliche Auftritte seltener geworden sind. Es gebe kein besseres Rezept gegen das Älterwerden als die Bühne - und das Publikum, sagt er selbst.