LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

1988 immigrierte Schlagzeuger David Gawlik aus Polen nach Luxemburg

Schlagzeuger brauchen immer mehr als eine Trommel, auf die sie hauen können. Ob sie aber mehr als eine Band brauchen, um glücklich zu sein, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Drummer David Gawlik sitzt zurzeit bei mehreren Projekten hinter der Schießbude. Der gebürtige Pole, der im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern aus Polen nach Luxemburg immigrierte, wo er bis zum Abitur die Schulbank drückte, lernte ab dem dritten Schuljahr Perkussion in der Bonneweger Musikschule.

Unterricht bei Ginter und Kind

Als junger Teenager wechselte er ins hauptstädtische Konservatorium, wo er Kurse bei Al Ginter und Rainer Kind, einem langjährigen Weggefährten von Gast Waltzing, belegte. Das Schlagzeug entwickelte sich schnell zu Gawliks Lieblingsinstrument, so dass er sich von der Ausbildung an den Perkussioninstrumenten verabschiedete. Nach dem bestandenen Abitur hatte David Gawlik keine konkrete Idee, wie es schulisch weitergehen sollte. Als die Uhr in den Sommerferien gegen ihn tickte und die Anmeldefristen für die meisten Universitäten und Hochschulen bereits abgelaufen waren, schrieb er sich am Brüsseler Konservatorium ein. Technisch war er in der Lage in Brüssel mit seinen Kommilitonen mitzuhalten, die Nebenfächer wie z.B. Harmonie oder Ear-Training bereiteten dem Drummer aber Kopfzerbrechen, da das Niveau des zu bewältigenden Lernstoffs stetig anstieg: „Die Nebenfächer waren schon heavy“, erinnert sich David Gawlik. Nach einigen Semestern entschied sich der Musiker, eine andere Studienrichtung einzuschlagen und begann ein Jurastudium. Allerdings hörte er nicht am Konservatorium auf, so dass er eine Zeit lang zwei Studiengänge belegte. Nach fünf Jahren schloss er sein Jurastudium erfolgreich ab und arbeitet heute als Jurist im Ministerium für Infrastruktur.

Neue berufliche Ziele

Ab April 2015 möchte er sich beruflich neu orientieren und sich während vier Jahren komplett auf seine Musikerkarriere konzentrieren. Seine Energie wird er dann in das Projekt „Inclusion“ stecken - sein „erstes Hauptprojekt“ wie David Gawlik es formuliert. Seines Erachtens stecke in „Inclusion“ das meiste Potenzial, um es professionell weiter zu entwickeln, erklärt der Schlagzeuger, der keine intellektuelle Musik spielen möchte und es mag, wenn der Aufbau eines Songs ziemlich einfach gehalten ist.

Es sei oft eine Frage der mentalen Einstellungen, ob man als Profimusiker den Durchbruch schaffe oder nicht, so die Meinung des gebürtigen Polen. Seine weiteren „Hauptprojekte“ sind zurzeit die Hardrock-Combo PassKey und die Band Cabolux, in der er mit kapverdianischen Musikern zusammen spielt. Das Projekt „Polonia Rocks“, mit dem er am vergangenen Wochenende im Rahmen der Escher „Kulturnacht“ in der Kulturfabrik aufgetreten ist, möchte er weiter am Leben halten, obwohl es anfangs nur als „Eintagsfliege“ geplant war. Gawlik interpretiert mit seinen Bandkollegen bekannte polnische Songs, die in Mitteleuropa wohl nur Insidern ein Begriff sind. Vielleicht, so Gawlik, werde man mit „Polonia Rocks“ auch irgendwann eigene Stücke mit polnischen Texten spielen.


www.davidgawlik. com