Ein wenig hatte der Intendant des Mosel Musikfestivals, Hermann Lewen, noch gezittert vor dem ersten Open-Air Konzert der Spielzeit 2014 am Donnerstagabend. Petrus ist nun mal auch in Trier kein unbedingt zuverlässiger Partner. Aber dann war doch alles in Ordnung. Die Sonne lachte, die Temperaturen waren angenehm und das Publikum bester Laune. Top-Voraussetzungen für einen erfolgreichen Abend, der es auch werden sollte.
Stammgäste
Das Blechbläserensemble Rennquintett ist schon seit vielen Jahren immer wieder zu Gast beim moselanischen Festival. Allerdings bisher immer in der Klosterruine Stuben bei Bremm an der Mittelmosel. Es war also nicht wirklich erstaunlich, als Lewen bei der Begrüßung das Publikum fragte, wer denn Rennquintett das erste Mal hören werde, dass sich viele Finger in die Höhe reckten. Erfreulich war die Antwort auf die Frage, wer denn zum ersten Mal das MMF besuche. Auch hier gingen ziemlich viele Arme in die Höhe. Ein deutliches Zeichen dafür, dass Lewen und seine Mannschaft es auch im 29. Jahr immer noch neues Publikum generieren kann. Es ist der gesunde Mix im Programm, der das Festival immer wieder ein anderes Publikum anzieht.
Das Rennquintett ist mit 27 Jahren fast genauso alt wie das Festival, bei dem es jetzt wieder zu Gast war. Hervorgegangen ist das Ensemble aus dem SWF-Rundfunkorchester. Das Programm, das die Trompeter Uwe Zaiser und Peter Leiner, der Hornist Uwe Tessmann, Jochen Scheerer (Posaune) und Ralf Rudolph (Tuba) mitgebracht hatten, war nicht wirklich neu. Vieles kannte man schon, wenn man regelmäßiger Konzerte mit Brass-Ensemble besucht. Die berühmte Toccata d-Moll von Johann Sebastian Bach (BWV 565) oder den Radetzky-Marsch und den Hummelflug, das hat man alles schon einmal gehört.
Darauf aber kam es auch nicht an. Wichtig war die Qualität, mit der die Werke ausgeführt wurden und der Mix aus Ernstem und Unterhaltsamem, sowie die Präsentation. Etwa, wenn über die musikalischen Anfangszeiten der einzelnen Musiker berichtet wurde und gleich auch Klangbeispiele aus dieser Zeit erklangen. Dazu gehörte eine grauselig-schöne Posaunenchorfassung des Chorals „Lobe den Herrn“ und auch die Blasorchesterfraktion war mit der „Teufelszunge“, eine Bravourpolka für Solotrompete und Orchester von Hugo Schmidt. Unterhaltung war gefragt, an diesem lauen Sommerabend.
Bach oder Beatles
So gab es „Chattanooga cho cho“, die berühmte Swing-Komposition von Harry Warren und Yesterday von den Beatles. Rennquintett kombinierte Bachs Orgelpräludium D-Dur, BWV 532, mit einer Fuge im Bebop-Stil von Friedrich Gulda und zeigte humorvoll auf, mit welchen Werken sich Blechbläser bei einem Orchestervorspiel zu profilieren suchen. So der Fachmann für die „Bachtrompete“, Uwe Zaiser, dessen Instrument der Thomaskantor gar nicht gekannt hat.Er spielte als Solist ein Rondeau vom Bach-Zeitgenossen Jean-Joseph Mouret gleich zweimal.
Einmal auf einer „normalen“ Trompete und einmal auf einem Stück Schlauch, den er mit einem Küchentrichter und einem Mundstück versehen hatte. Die so genannte „Hornbach-Trompete“. Auch dieser Gag war nicht neu, aber sorgte für Lacher, für entspannte Gesichter und, wie übrigens das ganze Konzert, immer wieder für viel Applaus.


