Keymitt verbindet jedes Türschloss mit dem Smartphone

Vlad Gherciu ist Software-Ingenieur und kam vor fünf Jahren nach Luxemburg, um hier für Amazon zu arbeiten. Der Moldawier hatte zuvor in Italien studiert und dort seinen Master in „Economics and Management of Innovation and Technology“ gemacht. Nach fünfeinhalb Jahren in Luxemburg gab er seine Stelle beim US-Onlinehändler auf, um sein eigenes Unternehmen zu gründen: Keymitt.

Was ist Keymitt?

Vlad Gherciu Keymitt ist der Name unseres Produkts und des Unternehmens. Der Name setzt sich zusammen aus dem Englischen Key für Schlüssel plus Mitt für Fausthandschuh. Es handelt sich dabei um eine Vorrichtung, die den Türschlüssel im Schloss dreht und einem ermöglicht, mithilfe des Smartphones die Tür aufzuschließen. Für den Nutzer bedeutet das, er behält weiter sein klassisches Türschloss, steckt auf der Rauminnenseite den Schlüssel ins Schloss, und steckt darauf Keymitt. Das Gerät ist durch eine App mit dem Smartphone verbunden, so dass damit die Tür auf- und zugeschlossen werden kann. Man kann aber auch nach wie vor den normalen Schlüssel benutzen, wenn man damit die Tür aufschließen möchte. Der Vorteil gegenüber anderen kostenintensiven „smart“-Vorrichtungen: Bei Keymitt müssen weder Türen noch Schlösser ausgetauscht werden.

Wie kamen Sie auf die Idee dazu?

Gherciu Es war etwa vor einem Jahr, als ich Erfahrungen mit dem Vermietungsservice AirBNB machte. Dabei stellte ich fest wie kompliziert es sein kann, den Wohnungsschlüssel zu übergeben, wenn beispielsweise Gäste sehr spät anreisen. Wie aber den Schlüssel übergeben? Ihn irgendwo deponieren, was sehr unsicher ist? Ich überlegte mir, welche Lösung es geben könnte. Zuerst schaute ich mir an, ob es nicht schon irgendetwas gäbe, was helfen würde, aber was es gab, kostete alles tausend oder sogar ein paar tausend Euro. Es gibt zwar elektronische Türsysteme, aber sie sind erstens teuer, und auch nur ein Fachmann kann sie montieren. So kam ich auf die Idee, Keymitt zu entwickeln.

Und inzwischen gibt es einen Prototyp?

Gherciu Ja, nach sieben Monaten Tüfteln haben wir jetzt einen Prototyp, der alle nötigen Funktionen erfüllt, und im November wollen wir mit dem Fundraising beginnen, also Investoren finden, mit denen wir das nötige Startkapital bekommen. Mit dem Verkauf wollen wir dann Anfang nächstes Jahr beginnen.

Wie finanziert sich Ihr Unternehmen bislang?

Gherciu Bislang finanziere ich den Geschäftsbetrieb mit eigenem Kapital, mit Erspartem, aber im November wollen wir auf dem Web Summit in Lissabon, dem weltgrößten Tech Event, mit dem Crowdfunding beginnen. Dazu haben wir mit den Vorbereitungen begonnen, den Prototyp nach vielem Probieren und Versuchen fertiggestellt, den wir dann im Crowdfunding-Prozess für 99 US-Dollar verkaufen. Wir denken, dass der Markt dafür sehr groß ist, denn die meisten Haushalte habe kein „Smart Lock“-Türverriegelung, viele scheuen auch die Kosten oder misstrauen solchen Systemen, die man auch nicht selbst einbauen kann. Keymitt kann jeder selbst ganz leicht mit drei Handgriffen anbringen, das dauert keine Minute.

Abgesehen vom Fundraising, haben Sie noch weitere Pläne?

Gherciu Zusätzlich zu unserem System entwickeln wir derzeit noch eine „Wifi-Bridge“ als Zubehör. Wir nennen es „Hub“. Dieses verbindet Keymitt mit der Cloud. Damit kann der Besitzer das Türschloss auch von weit weg kontrollieren. Er kann also, auch wenn er sich irgendwo weit entfernt aufhält, beispielsweise Passwörter vergeben, mithilfe der bestimmte Personen auf das Türschloss zugreifen können. Darüber hinaus könnten mit dem „Hub“ später aber auch noch andere Hausgeräte verbunden werden. Auch da möchten wir dann vorhandene Dinge und Einrichtungen mit „smarten“ Möglichkeiten ausstatten.

Hat Keymitt schon Mitarbeiter?

Gherciu Insgesamt sind wir zu fünft, wobei nicht alle Vollzeit für Keymitt arbeiten. Aber wir sind ein Team mit breitgefächerten Kompetenzen. Ich selbst bin Managing Director und kümmere mich gemeinsam mit einem anderen Programmierer um die Softwareentwickelung, zwei andere sind Industrie-Designer und Mechanik-Ingenieure, einer ist Telekommunikations-Ingenieur.

So haben wir die nötigen Kompetenzen in unserem Team und mussten keine Spezialisten von außen beauftragen, sondern konnten tatsächlich alles selbst machen.

www.keymitt.com