LUXEMBURG
CORDELIA CHATON MIT DPA

Zahlreiche Konzerne verzeichnen historisch schlechte Ergebnisse

Die Coronakrise sorgt für Milliardenausfälle. Das wird bei der Präsentation der Zahlen für das zweite Quartal schnell klar. Betroffen sind alle Branchen, von der Luftfahrt über den Automobilbereich bis hin zum Klinikbetreiber Fresenius.

Da ist beispielsweise der Stahlhersteller ArcelorMittal, einst das Vorzeigeunternehmen Luxemburgs, wo es noch immer seinen Sitz hat und auch noch rund 3.600 Mitarbeiter beschäftigt. Das größte Stahlunternehmen der Welt verzeichnete einen Nettoverlust von 559 Millionen Dollar im zweiten Quartal, 25 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das sind keine guten Zeichen für ein Unternehmen, das die Tendenz für andere vorgibt. Der Lichtblick: Es ist nur halb so viel wie am Ende des ersten Quartals 2020, als die Gesundheitsmaßnahmen nur einen Teil des Monats März belastet hatten. Der Umsatz hingegen ging drastisch zurück, um 43 Prozent in zwölf Monaten und um 26 Prozent in drei Monaten, und erreichte 10,97 Milliarden Dollar. „Die ersten sechs Monate des Jahres und insbesondere das zweite Quartal waren eine der schwierigsten Perioden in der Geschichte des Unternehmens, da die Nachfrage nach Stahl durch die Covid-19-Pandemie erheblich gestört wurde“, kommentierte Lakshmi Mittal, Präsident und CEO von ArcelorMittal, in einer Pressemitteilung.

Die Corona-Krise hat auch den Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus tief in die roten Zahlen gerissen. Weil die Zahl der Flugzeugauslieferungen einbrach, stand im zweiten Quartal unterm Strich ein Verlust von mehr als 1,4 Milliarden Euro, wie Airbus am Donnerstag in Toulouse mitteilte. Der Flugzeugbauer drosselt zudem die Produktion seines erfolgreichen Langstreckenjets A350 weiter. Der Airbus-Erzrivale Boeing hat erst am Mittwoch nach einem Quartal mit tiefroten Zahlen weitere Personaleinschnitte signalisiert. Der Verlust im zweiten Quartal liegt bei 2,4 Milliarden Dollar.

In den USA, wo Boeing seinen Sitzt hat, sieht es nicht gut aus. Denn die Wirtschaftsleistung in den USA ist im zweiten Quartal wegen der Coronavirus-Pandemie trotz gewaltiger Konjunkturpakete dramatisch eingebrochen. Von April bis einschließlich Juni schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aufs Jahr hochgerechnet um 32,9 Prozent ein, wie die US-Regierung am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Das war der tiefste Einbruch in einem Vierteljahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Nach der in Europa gebräuchlichen Berichtsweise im Quartalsvergleich entspräche das umgerechnet etwa einem Minus von fast 10 Prozent. Notenbankchef Jerome Powell hält die Zukunft für höchst unsicher, sie hänge von einer Eindämmung des Coronavirus ab. Doch da sieht es nicht nach Erholung aus. In den USA werden derzeit täglich rund 60.000 Corona-Neuinfektionen gemeldet.

Aus Frankreich kommen ebenfalls schlechte Nachrichten. Bei Renault schrillen die Alarmglocken: Wegen der Corona-Krise und tiefroten Zahlen beim Partner Nissan schreibt der Hersteller im ersten Halbjahr einen Milliardenverlust. Der den Konzern entfallene Rekord-Nettoverlust beträgt 7,29 Milliarden Euro, im Vorjahreszeitraum gab es noch einen Gewinn von 970 Millionen Euro. Rote Zahlen dieser Größenordnung sind nach Informationen aus dem Konzern beispiellos. „Wir haben einen Tiefpunkt erreicht“, resümierte Vize-Generaldirektorin Clotilde Delbos am Donnerstag.

Bei Volkswagen sieht es ähnlich aus: Zwischen April und Juni fuhr VW einen auf die Aktionäre entfallenden Nettoverlust von 1,6 Milliarden Euro ein, nachdem der Konzern hier im Vorjahreszeitraum noch knapp vier Milliarden Gewinn gemacht hatte.