CORDELIA CHATON

Erstens kommt es schlimmer - und zweitens als man denkt. Das trifft derzeit vor allem auf die wirtschaftliche Entwicklung zu. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet als Folge der Corona-Krise eine noch ausgeprägtere Rezession. Dadurch dürften sich Armut und Arbeitslosigkeit verschärfen. In einer am Mittwoch vorgestellten Konjunkturprognose rechnet der IWF für 2020 mit einem Einbruch der Weltwirtschaftsleistung um 4,9 Prozent. Das ist bedeutend schlechter als die Prognose von April, als das Washingtoner Institut noch von drei Prozent ausging. Dies werde die „schlimmste Rezession seit der Weltwirtschaftskrise“ vor rund 90 Jahren sein, warnte IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath. Vor Corona hatte der IWF sogar noch ein Wachstum von 3,3 Prozent erwartet.

Luxemburg ist nicht extra aufgeführt, doch es ist interessant zu sehen, wie es den Nachbarländern läuft. Die Industrieländer wird es laut IWF besonders hart erwischen, -10,2 Prozent sind im Schnitt avisiert. Die wichtigsten Handelspartner Luxemburgs sind Deutschland und Frankreich. In Deutschland soll die Schrumpfung mit -7,8 Prozent zu Buche schlagen, in Frankreich gar mit -12 Prozent.

Das wird Folgen haben. Erst kommen die Insolvenzen, dann die Schwemme auf dem Arbeitsmarkt. Und obenauf droht noch eine Schuldenkrise, wenn es eng wird, beispielsweise durch eine zweite Welle. Wie schnell es dazu kommen kann, zeigt ein Blick nach Gütersloh in Deutschland, wo ein ganzer Landkreis mit tausenden von Menschen unter Quarantäne steht.

Doch auch in Luxemburg selbst sind die ersten Auswirkungen spürbar. Ladurée, Chaussures Vedette oder „À la soupe“ haben es nicht geschafft und Insolvenz angemeldet. Andere werden folgen. Mit den wirtschaftlichen Folgen wird die Bereitschaft sinken, eventuelle harte Auflagen bei einer zweiten Welle zu befolgen. Die wiederum ist jedoch sehr wahrscheinlich, denn viele Faktoren sprechen dafür; von Reisen über unbedarfte Versammlungen bis hin zu einer Menge Menschen, die aus Krisenländern nach Luxemburg kommen.

Der Zwiespalt zwischen Wirtschaft und Erhalt des Gesundheitssystems wird Populisten die Türen weit öffnen. Es wird ein harter Herbst. Er wird von der Politik weiter ein Krisenmanagement erfordern. Das verlangt einen starken Charakter. Wie leicht es ist, einen Schuldigen zu suchen, zeigt David Cameron. Der damalige britische Premierminister hatte 2016 das Referendum über einen Austritt Großbritanniens aus der EU angesetzt. Damit hatte er nur politisches Kapital für sich herausschlagen wollen. Aus dem politischen Ego-Trip wird nun ein wirtschaftlicher Alptraum für seine Heimat. Aber auch ausgenudelte Begriffe wie Solidarität müssten mit neuen Inhalten gefüllt werden - gerade in Luxemburg, wo die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht. Immerhin: Im kommenden Jahr soll es besser werden. Laut IWF soll die globale Wirtschaft dann um 5,4 Prozent zulegen. Wenn alles gut geht. Davon wird dann ein Teil gespart werden müssen. Denn was die Staaten jetzt ausgeben, um die Wirtschaft zu erhalten, wird noch in Jahrzehnten abzutragen sein.