Frankreich, seine Luxusgüter und seine Lebensart üben eine Faszination auf Genießer auf der ganzen Welt aus. Insbesondere die einzelnen Weingegenden und allen voran die Jahrgangsweine aus Burgund sind für viele ein Sinnbild der französischen Lebensart.
Eine nicht selten kostspielige Lebensart, die die Franzosen fleißig auf alle fünf Kontinente exportieren, zahlungskräftige Kunden sterben nie aus.
Dies wird um so deutlicher, wenn man sich den Dokumentarfilm „A Year in Burgundy“ auf Netflix reinzieht, der erste Teil einer Trilogie, die bald eine Fortsetzung mit „A Year in Champagne“ erhält. Regisseur Kevin Kennard begleitet die französische Expat Martine Saunier, die in den Vereinigten Staaten einen Weinhandel betreibt, zu sieben Winzerfamilien in die Bourgogne, um diesen bei ihrer Arbeit während den vier Jahreszeiten über die Schulter zu schauen.
Wirklich hinter die Kulissen der Weinproduktion blickt der Dokumentarfilm allerdings nicht: Die Macher - einschließlich Saunier, die als Produzentin fungiert - werfen einen romantisierenden Blick auf eine Weinregion und stillen somit den Hunger der US-amerikanischen Zuschauer - das ursprüngliche Netflix-Publikum - nach einem idealisierten Frankreichbild, das sich aus Klischeeteilchen zusammensetzt. Dazu gehört natürlich, dass Weinhändlerin Saunier in einer alten Citroën 2CV ihre Kunden besucht.
Keine harten Fakten
Winzer und Kellermeister sind in den Interviews, die Saunier mit ihnen führt sehr auskunftsfreudig. Die Informationen, die sie preisgegeben, sind für einen US-amerikanischen Städter, der noch nie ein Weingut von innen gesehen hat, von Relevanz.
Für einen Europäer, der sich auch nur ein bisschen für die Herkunft seiner Weine und die Produktionschritte interessiert, sind die Gespräche der Winzer mit der französischen Weinhändlerin purer Smalltalk, von dem man sich irgendwann nur noch berieseln lässt. Harte Fakten zur Preispolitik der Bourgogne-Winzer oder zur Konkurrenzsituation zwischen den Weingebieten weltweit enthält der Film nicht.
Kurzum, „A year in Burgundy“ kombiniert schöne Landschaftsbilder mit einer Überdosis oberflächlichem Wissen zum Wein und zur Weinproduktion.
Spätestens dann, wenn Saunier am Ende des Films auf einem Landgut in den Vereinigten Staaten im Rahmen eines Gourmetdiners die Vorzüge der Burgunder preist und drei ihrer Bourgogne-Winzer wie Souvenirs herumreicht, tun sich Parallelen zu Werbevideos auf, wie sie gerne von Innungen oder Industrieverbänden angefertigt werden, um ihre Produkte an den Kunden zu bringen. Die Dokumentation ist absolut kein Jahrhundertjahrgang und macht wenig Lust auf die Fortsetzung, die in der Champagne spielt.
„A Year in Burgundy“ ist im Netflix-Angebot - Die Fortsetzung „A Year in Champagne“ kommt im März 2015 in die Kinos


