LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Wieder erschüttert ein rassistisch motiviertes Attentat Deutschland und die Welt. In der Nacht zum Donnerstag erschoss ein 43-Jähriger im hessischen Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln. Die Umstände sind noch unklar, der Täter soll auch seine Mutter umgebracht haben und dann sich selbst.

Nun sind Videos aufgetaucht, in denen der wohl psychisch Kranke abstruseste Verschwörungstheorien von sich gibt, die in seinen Augen notwendige Vernichtung ganzer Völker ankündigt. Wie sich nun herausstellt, scheint der Mann gar nicht so unauffällig gewesen zu sein, hat seinen Hass seit langem offen zur Schau getragen. Weshalb stoppte ihn niemand? Weshalb darf so einer Waffen besitzen? Immer die gleichen Fragen nach solch schrecklichen Taten, von denen Deutschland in den letzten Monaten leider einige erleben musste.

Erst gab es im Juni 2019 den Mord am Kasseler Regierungschef Lübcke, dann im Oktober den mörderischen Anschlag auf eine Synagoge in Halle. KZ-Gedenkstätten werden verunstaltet und es tauchen sogar Sprengsätze an den Zugangsstraßen auf, wie nun in Mittelbau-Dora. Netzwerke, die Anschläge auf Moscheen planen, werden ausgehoben.

Es gibt unzählige Gruppen und Grüppchen, die einst unter sich und unlängst viel offener ihr „völkisches“ Weltbild pflegen. Durch die digitalen Kanäle fließt immer mehr braunes Gedankengut, ohne dass die Autoren viel riskieren. Nazi-Ausdrücke sind sogar in den höchsten Sphären der Politik wieder „salonfähig“. Nach kurzer Empörung folgt die nächste Salve. Der Rechtsextremismus sei, so Innenminister Horst Seehofer, die „höchste Sicherheitsbedrohung für Deutschland“. Was ist da bloß los, 75 Jahre nach der „Stunde Null“, in die ein Regime des unmenschlichen Wahns das Land stürzte, nachdem des mithilfe von Verschwörungstheorien, Hass auf Minoritäten und äußerster Brutalität an die Macht kam?

Auch im 21. Jahrhundert ist leider nicht ausgeschlossen, dass das nochmal passiert, weder in Deutschland, noch in anderen Ländern. Geistige Brandstifter wie die AfD in Deutschland setzen auf genau die Mechanismen wie die Nazis, um die Gesellschaft zu spalten und setzt beständig Öffnung in einer immer globalisierteren - und komplizierteren - Welt mit Bedrohung gleich.

Damit favorisiert sie Hass und Angst, die Bildung von Parallelwelten, aus denen Radikale zum vermeintlichen „Eigenschutz“ sogar zur Waffe greifen können. Das staats- und gesellschaftszersetzende Gift, es wird auch in vielen anderen Ländern gemischt und die auf Abgrenzung setzenden Giftbrauer nutzen ironischerweise die globalisierten digitalen Kommunikationswege, um es um die Welt zu jagen.

Dagegenhalten kann man nur, im Verbund mit den Betreibern der genannten Datenautobahnen nur, indem man den Hass besser rausfiltert und die Hetzer verbannt, Verschwörungstheorien entzaubert und „Fake News“ entlarvt. Vor allem aber gilt es immer und immer wieder zu zeigen - mit Blick in die Geschichtsbücher - was Hass alles anrichten kann. Und für die Politik, besonders für die deutsche gilt: Lösungen für die vielen konkreten Probleme der Bürger finden, statt dauerndes politisches Klein-Klein. Und kein Verhandeln oder Verbandeln mit Nazis!