LUXEMBURG
MONIQUE MATHIEU

Verkauf von Treibstoff fällt hinter dem Lebensmittelverkauf zurück

Eine Branche, die während der „Bleif doheem“-Periode als Energieversorger ihre Tätigkeit aufrechterhalten muss, sind die Tankstellen. Allerdings ist die Stimmung unter den Tankstellenbetreibern eher morose. Wir sprachen mit Illya Kurek, Leiter einer Tankstelle im Zentrum von Rodange.

Wie viele Kunden zählt die Tankstelle in Normalzeiten? Wie sieht es aktuell aus?

Illya Kurek Wir haben rund 1.200 Kunden am Tag und verkaufen an die 10.000 Liter Treibstoff. Durch die Pandemie-Eindämmungsmaßnahmen ist es in Bezug auf das Tankgeschäft zu großen Ausfällen gekommen, unser Verkauf ist um circa 80 Prozent geschrumpft. Das Fahrverbot - es ist ja nur noch erlaubt, ins Lebensmittelgeschäft und in Ausnahmefällen zur Arbeit oder zum Arzt zu fahren - hat dazu geführt, dass uns quasi die gesamte lokale Kundschaft weggebrochen ist; wir verkaufen fast nur noch an Grenzgänger, die in Luxemburg arbeiten.

Glücklicherweise verfügt unsere Tankstelle über einen 400 Quadratmeter großen Lebensmittelshop. In diesem Bereich hat die Zahl der Kunden stark zugenommen, pro Tag kommen um die 1400-1500 Leute zum Einkaufen. Vor allem die Einwohner von Rodange schätzen es, dass wir die Lebensmittelversorgung in ihrer Nähe gewährleisten und ihnen einen „Commerce de proximité“ bieten. Ihr Dank und ihre Ermutigungen freuen uns und lassen die Arbeit etwas leichter von Hand gehen.

Haben die niedrigen Spritpreise nicht zu einer Verbesserung der Lage geführt?

Kurek Nein, in keiner Hinsicht.

Gibt es Schwierigkeiten in punkto Versorgung oder wird Ihnen problemlos die benötigte Menge an Treibstoff geliefert?

Kurek Bei den Lieferungen gibt es bislang keine Probleme.

Wie sieht es mit Ihrer Personaldecke aus?

Kurek Unsere Tankstelle hat 14 Mitarbeiter, sechs sind aktuell im Dienst. Die anderen sind aufgrund von Kranken- oder Kinderbetreuungsurlauben ausgefallen. Glücklicherweise sind uns einige junge, dynamische Mitarbeiter verblieben, die sowohl physisch als auch psychisch belastbar sind. In dieser Notzeit kann ich auch auf die wertvolle Unterstützung meiner Familie zurückgreifen. Anders wäre die Arbeit nicht zu stemmen. Darüber hinaus haben wir unsere Öffnungszeiten von vorher 6 bis 22 Uhr auf 6 bis 20 Uhr zurückgeschraubt, sonntags bleibt geschlossen. Dies u.a., weil die Supermarktkette Cactus beschlossen hat, ihre Geschäfte sonntags nicht mehr zu öffnen, und wir den daraus resultierenden Ansturm im Lebensmittelbereich nicht bewältigen könnten. Es erlaubt uns zudem, sonntags eine kleine Pause einzulegen.

Wie schützen Sie Kunden und Mitarbeiter?

Kurek Indem wir unsere Caddys, die Kasse, die Kreditkartenleser usw. im Zehnminutentakt mit Gel desinfizieren, und uns die Hände in kurzen Abständen gründlich waschen. Vor der Kasse haben wir Plexiglaswände aufgestellt, die Mitarbeiter benutzen Handschuhe. Mundschutzmasken wurden uns leider keine zur Verfügung gestellt, bzw. können wir nicht erwerben, obwohl wir in direktem Kontakt mit den Kunden sind. Aufgrund der Größe unseres Shops bleibt den Kunden zudem genügend Platz, um die vorgeschriebene Distanz von zwei Metern zum Nächsten einzuhalten. Wir können bis zu 40 Kunden gleichzeitig empfangen - so viele sind es aber für gewöhnlich nicht.

Hat die Tankstelle keinen „Chômage partiel“ beantragt?

Kurek Uns wird kein „Chômage partiel“ zugestanden.

Können Sie auf andere Regierungsmaßnahmen zurückgreifen?

Kurek Nein. Die Tankstellen sind von den Hilfen ausgeschlossen. Dies wurde mir unmissverständlich mitgeteilt.

Wie ist die Stimmung allgemein im Tankstellengewerbe?

Kurek Ich würde sie als „très lourde“, also bedrückend, bezeichnen. Wir haben keine Wahl, wir müssen unsere Arbeit machen und können nicht einfach schließen. Das lässt der Staat nicht zu.

Wie lange, schätzen Sie, können Sie die Tankstelle auf dem aktuellen Niveau weiterbetreiben?

Kurek Dank des Lebensmittelhandels kommen wir gerade so über die Runden. Aber wirklich lange können wir in diesem Rhythmus nicht mehr arbeiten. Wir hoffen demnach, wie alle, auf eine Besserung der Lage und eine baldige Lockerung der Maßnahmen.