FUNCHAL/MADEIRA
INGO ZWANK

Da, wo sich schon Kaiserin Sissi erholte: Zu Besuch auf der Insel Madeira

Funchal ist seit vielen Jahren ein wichtiger Anlaufhafen für Kreuzfahrtschiffe. Die Einfahrt in den Hafen gilt bei passionierten Kreuzfahrern als eine der spektakulärsten der Welt, ja, sie wird auf einer Stufe mit Rio de Janeiro gehandelt. So erblickt man beim Einlaufen die ganze Dimension der Stadt, die quasi eingebettet ist in einen großen natürlichen Kessel am Atlantik, mit spektakulärem Bergpanorama an der sonnigen Küste - durchzogen von Bananenplantagen und einzelnen -bäumen, die hier quasi jeder im Garten stehen hat und einem sofort ins Auge fallen.

Sie zählt mit zu Europas schönsten Reisezielen, bietet nicht nur ein ganzjährig sommerlich-angenehmes Klima und eine wunderschöne Fauna und Flora, sondern ist auch so gut wie frei von Kriminalität und damit eins der sichersten Reiseziele der Welt: Die vor der Nordwestküste Afrikas gelegene Insel Madeira, die zu Portugal gehört, mit ihrer Hauptstadt Funchal.

Vom Fenchelanbau und Piraten

„Funchal hat sich seit den früheren Zeiten, die geprägt waren von Fenchelanbau und Piraten, doch schon sehr verändert“, erzählt Juan schmunzelnd. Der 55-Jährige ist als Reiseführer unterwegs, wie er in einem kurzen Gespräch erzählt, als er gerade einen Wanderausflug mit rund 30 Touristen vom Kreuzfahrtschiff macht - in Richtung Monte, einem kleinen Dorf, das sich ein paar Kilometer oberhalb von Funchal befindet.

Die Geschichte von Funchal reiche über fünf Jahrhunderte zurück, als frühe portugiesische Siedler die Küste „an einer hellen und sonnigen Bucht besiedelten, in der Unmengen an Fenchel, ‚funcho‘, wuchs, was der Stadt Funchal ihren Namen gab“, berichtete Juan weiter.

Rasante Abfahrt, recht verkehrsreich

Gesehen haben muss man dieses Örtchen Monte in den Bergen oberhalb der Hauptstadt auf jeden Fall. Und wer ganz wagemutig ist, der kann sich hier einem besonderen Erlebnis hingeben: Einer Fahrt mit den berühmten „Carros de Cesto“, den rasanten Korbschlitten, die unterhalb der Wallfahrtskirche „Nossa Senhora do Monte“ in Reih und Glied für die Touristen bereitstehen. Der Ursprung dieser Gefährte geht auf Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, als die Schlitten als schnelles Transportmittel für die Bewohner Montes dienten - „sie waren die ersten öffentlichen Verkehrsmittel auf Madeira“, wie stolz berichtet wird. Gesteuert von zwei traditionell in Weiß gekleideten Männern mit Strohhüten, den „Carreiros“, geht es mit den 70 Kilo schweren Korbschlitten mit annähernd 50 km/h Richtung Tal. Knapp zwei Kilometer kann man die Fahrt genießen - samt Adrenalin-Kick, kreuzt man doch bereits nach wenigen Metern eine öffentliche Straße mit entsprechendem Verkehr. „Da passiert nichts“, versichern die „Carreiros“, die stets mit einem Fuß auf den Kufen bleiben. Der andere wird zum Lenken, Beschleunigen oder Abbremsen genutzt. Nach etwa zehn Minuten endet die Fahrt in Funchal.

Natürlich kann man die Wege auch entspannt mit der Seilbahn über den Dächern von Funchal zurücklegen. Doch einmal oben auf dem Berg, lohnt ein Besuch in der Wallfahrtskirche, ist doch Karl I., der letzte österreichische Kaiser, hier beerdigt.

Auf den Spuren von Elisabeth

Erkundet man den Rest der Hauptstadt - am besten mit einem Hop on/Hop off-Bus - lassen Verkehrslärm, Staus und auch Abgase die Urlaubslaune etwas schwinden. Denn Funchal platzt quasi aus allen Nähten. Die Stadt wächst, so gut sie eben aufgrund ihrer geografischen Lage kann, in alle Richtungen. Fährt man mit dem Sightseeing-Bus durch Funchal hindurch, erlebt man sie als eine einzige Baustelle. Überall entstehen neue Bürogebäude, Wohnhäuser und natürlich jede Menge neue Hotels. Es wird den Touristen vermittelt, dass Straßen oft schneller entstehen als sie in Karten eingezeichnet werden können. Von dem Flair Madeiras als reiner Blumeninsel, der auch über Filme wie „Kaiserin Sissi“ vermittelt wird, wo die Kaiserin von Österreich auf Kururlaub ist, bekommt man in den Parks und vor allem in den Bergen dann doch noch einen Hauch mit. Ursprünglich war fast die ganze Insel mit Lorbeerwäldern bedeckt. Madeira heißt übersetzt Holz. Doch auf Madeira gedeiht quasi alles. Das gleichmäßig-warme Klima und die großen Höhenunterschiede, die unterschiedliche Temperaturen und Niederschläge bieten Lebensraum für eine extrem große Pflanzenvielfalt.