LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Seit dreißig Jahren organisieren die „D’Frënn vum Bierger Schlass“ Kammermusikkonzerte

Kleine Musikfestivals sehen sich selbstverständlich keineswegs in der Lage mit der Philharmonie, dem Über-Konzerthaus der Großregion, zu konkurrieren. Nur jene Konzertveranstalter, die sich rechtzeitig in einer Nische festgekrallt und auf Anhieb erkannt haben, dass man das Publikum nur dann halten kann, wenn man sich thematisch vom Konzerthausprogramm deutlich abhebt, blicken heute noch relativ entspannt in die Zukunft.

Die Philharmonie sei kein Konkurrent, sondern vielmehr ein Sog, der das Publikum kleinerer Klassikveranstaltungen ansauge, stellt Theo Weiler, der Präsident der „D’Frënn vum Bierger Schlass asbl“ fest. Die von ihm präsidierte Vereinigung wurde offiziell im Jahre 1984 aus der Taufe gehoben, seit 1982 organisieren ihre Gründer Kammermusik-Konzerte in den Gemäuern von Schloss Bourg-linster. In diesem Monat, genau am 29. September, stürzt sich die Vereinigung und ihr treues Publikum in die neue Spielzeit.

Bis Anfang Juli finden zwölf Konzerte sowie ein literarischer Abend im 180-Zuschauer fassenden Rittersaal des Schlosses statt. Das 30. Wiegenfest der „D’Frënn vum Bierger Schlass“ wird mit einem Konzert der Militärmusik und dem Solisten Walter Civitareale am Klavier am 20. Dezember im Centre Polyvalent Gaston Stein in Junglinster begangen. Ein Pluspunkt der gesamten Konzertreihe ist die Tageszeit, an denen namhafte Kammermusiker und Ensembles im pittoresken Dorf auftreten: Die Konzerte beginnen stets um 17.00, nicht selten, so der Präsident der Schlossfreunde, würden die Zuhörer nach dem Konzert weiterziehen nach Luxemburg-Kirchberg, um dem Abendkonzert der Philharmonie beizuwohnen.

Etliche Werke, die im aktuellen Programmheft der Schlossfreunde aufgelistet sind, wurden speziell für die Aufführung in den Gemächern eines Schlosses komponiert. Musikpuristen, die kammermusikalische Werke lieber in historischen Gemäuern, als in modernen Konzerthäusern verzehren möchten, scheuen demnach nicht die Fahrt nach Bourglinster.

Im Schnitt finden 100 Musikbegeisterte den Weg zu den Konzerten, 2012 konnten die Schlossfreunde deutlich mehr Besucher begrüßen als 2011.

Ausgezeichnete Akustik

Die Schlossfreunde bleiben auch weiterhin ihrer Linie treu, erfüllen ihre kulturelle Mission, indem sie mit ihren Kammerkonzerten aktiv zur Belebung des staatlichen Gutes im Osten Luxemburgs beitragen. Der Komfort im Rittersaal des Schlosses ist, vergleicht man ihn mit den für einen modernen Kammermusiksaal üblichen Komfortstandards, rudimentär. In puncto Akustik erfüllt der Saal allerdings höchste Ansprüche.

Auch weiterhin versuche man, so Theo Weiler, luxemburgische und europäische Künstler nach Bourglinster zu lotsen. Anaïs Lorentz oder Philippe Koch sind nur zwei Musiker aus Luxemburg, die im Laufe der Saison einen Abstecher nach Bourglinster unternehmen werden. Die Vereinigung, die zurzeit knapp 450 Mitglieder zählt, verfügt über ein jährliches Budget, das zwischen 100.000 und 150.000 Euro schwankt.

Alle Details zur aktuellen Spielzeit unter
www.bourglinsterfestival.lu