DÜDELINGEN
CLAUDE KARGER

Direktor Friedrich Mühlschlegel über die Strategie, das LNS zu einem Exzellenzzentrum zu machen

Ein Meeting jagt das nächste an diesem geschäftigen Mittwoch. Prof. Dr. Friedrich Mühlschlegel, seit Februar 2017 Leiter des „Laboratoire national de la santé“, hat gerade einmal Zeit für ein paar kurze Fragen bei einem Sandwich. Kein Wunder, der Facharzt für Mikrobiologie steht an der Spitze eines Großbetriebs mit fast 300 meist hoch spezialisierten Mitarbeitern. Allerdings ist das für den 55-jährigen keine ungewohnte Herausforderung: bevor er zum LNS kam, führte der Deutsche, der auch einen britischen Pass besitzt, die gesamte Laborabteilung des „East Kent Hospitals University NHS Foundation Trust“, einer der größten Klinikgruppen in Großbritannien.

Im internationalen Wettbewerb

Die Zeit fehlt ein wenig, aber zweimal im Jahr zieht es Prof. Mühlschlegel doch noch an die Universität Kent, wo er im Kontext einer Professur unterrichtet. Bildung und Weiterbildung der Mitarbeiter sind für ihn der zentrale Schlüssel auf dem Weg zum Erfolg. Derzeit arbeitet das Gesundheitslaboratorium deshalb an einer Strategie für die kontinuierliche Fortbildung der Mitarbeiter.

Ganz konkret muss aber auch die Ausbildung zum Beispiel von klinischen Fachrichtungen eingeführt werden. Diese sind nicht so einfach zu finden, sagt der LNS-Direktor. Die meisten Profile sind hochspezialisiert und man stehe mit anderen Institutionen im internationalen Wettbewerb, um sie anzuziehen. Teil der Strategie des LNS ist auch die großregionale Zusammenarbeit. Verbindungen mit dem Saarland sind bereits geknüpft - es gibt hier sogar schon einen Austausch -, das LNS will seine Fühler aber auch nach Rheinland-Pfalz, nach Lothringen und nach Wallonien ausstrecken.

Forschung im direkten Interesse des Patienten

Auch geforscht werden soll gemeinsam über die Grenzen hinaus. Das LNS betreibt bereits Forschung mit den Schwerpunkten Neuropathologie und Mikrobiologie und arbeitet in diesen Bereichen mit dem „Luxembourg Institute of Health“ (LIH) im Bereich der Sequenzierung von Genen, sowie der Uni Luxemburg (LCSB) und internationalen Institutionen zusammen. Das bringt nicht nur Perspektiven für die Mitarbeiter: „Diese Forschung kommt den Patienten direkt zugute“, unterstreicht Prof. Mühlschlegel. Viele Bürger haben täglich direkt oder indirekt mit dem Gesundheitslaboratorium zu tun. Sei es, weil sie etwa auf Analyseresultate von Biopsien warten. Hier konnte die Wartezeit übrigens seit Ende 2015 von 10,9 auf 6,5 Arbeitstage reduziert werden bei gleichzeitiger Reduktion der Untersuchungen, die ins Ausland geschickt wurden von 48 Prozent auf 0,4 Prozent - oder weil im LNS die Lebensmittel, die sie konsumieren, oder Geräte, die sie benutzen, auf Schadstoffe überprüft werden.

„Unsere sechs Abteilungen bieten eine Riesenbandbreite von Dienstleistungen, die in den alltäglichen Bereich einfließen“, sagt Prof. Mühlschlegel. Täglich gebe es eine Fülle von Interaktionen zwischen dem Laboratorium, Krankenhäusern, Verwaltungen und anderen Institutionen.

Auf die Frage, wie nah das LNS dem anvisierten Ziel des „Exzellenzzentrums“ ist, entgegnet der Direktor: „es gibt bereits viele Bereiche, wo wir Exzellenz zeigen. Wir sind ein anerkanntes Referenzlabor und möchten das natürlich auch über die nächsten Jahre bleiben“. Aber: „Es wurde viel getan, jedoch es bliebt noch viel zu tun“. Derzeit arbeitet die öffentliche Einrichtung LNS an seinem zweiten strategischen Plan, der in kürze fertiggestellt werden soll. Und ist natürlich gespannt, mit welcher Ministerin oder welchem Minister sie ihn durchdiskutieren wird.