LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Thomas Schoos, Editorial Director bei „éditions guy binsfeld“, über die Sprachen der Bücher

Zehn bis zwölf Bücher bringen „éditions guy binsfeld“ jedes Jahr auf den Markt. „Das sind reine Verlagsprodukte. Hinzu kommt aber noch das eine oder andere Auftragsbuch“, erklärt Thomas Schoos, seit April 2014 Editorial Director bei binsfeld. Arbeitsintensive Stunden gehen den Veröffentlichungen allerdings stets voraus, an Manuskripten mangelt es nämlich nicht.

„Es werden immer mehr. Wir werden regelrecht überrannt, und es ist nicht so, als wäre der Großteil davon Quatsch, ganz im Gegenteil. Wir können natürlich nicht alles realisieren“, gibt Schoos zu bedenken.

Arbeitsintensive Schritte

„Während einer genauen Manuskriptanalyse wird objektiv abgewägt, wie viel Arbeit wir noch in ein Projekt stecken müssen, wenn wir also eine Geschichte an sich gut finden, uns die Form aber nicht gefällt. Erste Voraussetzung ist aber ganz klar, eine starke Geschichte, die uns bewegt. Natürlich gilt es, darauf zu achten, was die Anfangsinvestition ist, und dann abzuschätzen, ob sich das Ganze am Ende während des Verkaufs auch rechnet. Ein gewisses Risiko spielt immer mit“, erklärt der inhaltsverantwortliche Textchef. „Uns liegt viel daran, die verschiedenen Sprachen, die ein Buch sprechen kann - die textliche und die visuelle Sprache - in Einklang zu bringen“, verdeutlicht Schoos.

Kinderliteratur und Luxemburgisch boomen

Kinderbücher, insbesondere in luxemburgischer Sprache, würden sich momentan sehr gut verkaufen. Ohnehin seien Veröffentlichungen auf Luxemburgisch derzeit außerordentlich gefragt. Auch der Bezug zu Luxemburg in den Werken sei ein Schlüsselelement.

„Das kommt immer gut an, ist also meist ein Erfolgsgarant. Letztendlich heben wir uns dadurch ja auch von den internationalen Buchmärkten um uns herum ab. Die Menschen haben - möglicherweise unbewusst - ein starkes Bedürfnis nach einem Heimatgefühl, nach einer Verortung in diesem ganzen globalisierten Kontext. Die luxemburgische Sprache spielt dabei eine gewisse Schlüsselrolle. Trotzdem setzen wir natürlich auch weiterhin auf die Mehrsprachigkeit in unseren Veröffentlichungen“, führt Schoos weiter aus.

„Kochbücher ziehen auch immer, genau wie Bildbände. Die grafische Gestaltung ist uns besonders wichtig, folglich die Schönheit des Buches. Gut gemachte Geschenkbücher - großformatig, schöner Druck, Qualitätspapier, große Fotos - erfreuen sich starker Beliebtheit“, weiß der Medienfachmann zu berichten.

Konkurrenzfreie Zone

In einem kleinen Land wie Luxemburg ist es natürlich umso wichtiger, sich als Verlag von anderen klar abzugrenzen, könnte man zumindest annehmen. Schoos sieht das etwas nuancierter: „Ich sehe uns eigentlich nicht wirklich als Konkurrenten. Bücher verlegen, macht man eher aus Leidenschaft, als dass ein reiner Gewinngedanken dahinter stecken würde. In Luxemburg wäre das sowieso nicht realistisch. Ich sehe das nationale Verlagswesen deshalb in gewisser Weise als solidarische Gemeinschaft. Jeder Verleger profitiert davon, dass der andere stark bleibt. Natürlich kommt es vor, dass ein anderer Verlag ein gutes Buch herausbringt und man sich dann etwas ärgert, weil man die Idee nicht selbst hatte. Ausschlaggebend ist meines Erachtens, dass wir einen gesunden Level an veröffentlichten Büchern erreichen. Aus diesem Grund ist es auch wichtig, dass Luxemburg nicht verarmt, was die Verlagslandschaft anbelangt“, betont Schoos abschließend.