NIC. DICKEN

Wenn uns das ausklingende Jahr 2014 etwas gezeigt hat, dann war das doch wohl die Tatsache, dass Luxemburg in Zukunft kaum noch auf bislang erfolgreiche Nischen wird zählen können und stattdessen nur noch stärker auf Erneuerung, Diversifizierung und Erweiterung der Wirtschaftsaktivitäten wird setzen müssen. Allein die LuxLeaks-Affäre hat gezeigt, dass wir uns dabei nicht nur auf den eigenen Einfallsreichtum verlassen können, sondern zudem sehr genau darauf achten müssen, neue Initiativen und Vorstöße an Vorstellungen und Einwände von Nachbar- und Partnerstaaten zu konformieren. Einfacher als bisher werden die entsprechenden Bemühungen damit sicherlich nicht werden, ob uns das jetzt in den selbstgefälligen Kram passt oder nicht.

Recht naiv wäre es denn auch anzunehmen, die Regierung habe mit ihrer Forderung nach drastischer Umgestaltung von Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik zu hoch gegriffen und habe übermäßig für Unruhe und Verärgerung in der Bevölkerung gesorgt, weil es doch so schlimm nicht kommen werde. Luxemburgischer Zweckoptimismus vom feinsten.

Genährt wird dieser Trugschluss auch noch von einer auf Situationsopportunismus bedachten Opposition, die es zu eigenen Regierungszeiten sträflich vernachlässigt hatte, deutlich früher schon die erforderlichen und sich regelrecht aufdrängenden neuen Weichenstellungen vorzunehmen und damit den fälligen Wandel einzuleiten, ohne den unser Land und seine Bevölkerung den künftigen Herausforderungen quasi chancenlos gegenübertreten müsste.

Gerade das unverantwortlich lange Verharren in einer Situation, von der alle sich bewusst waren, dass sie eine Veränderung erfahren müsste, hat nicht nur den zeitlichen Handlungsdruck erhöht, sie hat darüber hinaus auch noch Geldmittel in Anspruch genommen, die eigentlich nicht vorhanden waren. Dieses Zögern auf Pump hat den Schwierigkeitsgrad für die längerfristige Umgestaltung nur noch zusätzlich erhöht und vor allem auch völlig falsche Eindrücke und Erwartungen in der Bevölkerung geschürt, die jetzt eine Umkehr über das eigentlich erforderliche hinaus erschweren.

Niemand geringerer als der frühere Staatsminister selbst hatte schon vor einigen Jahren angemerkt, Luxemburg müsse sich verändern, wenn wir bleiben sollen, was wir sind. Der Handlungsbedarf war also durchaus erkannt worden, auch wenn den zutreffenden Worten keine wirklichen Taten gefolgt sind. Dementsprechend hätte man jetzt auch von den Gefolgsleuten des ehemaligen Staatsministers erwarten müssen, dass sie sich trotz ihrer Oppositionsrolle den Erneuerungsbestrebungen in konstruktivem Geiste angeschlossen hätten, statt weiterhin in der Schmollecke zu verweilen.

Das Jahr 2014 war insofern ein Schlüsseljahr, als die Diagnose der Probleme erstellt und der erforderliche Maßnahmenkatalog in Angriff genommen wurden. Die Auswirkungen werden wir erst ab dem neuen Jahr zu spüren bekommen, das die gleiche Bezeichnung verdient und zu dem wir Ihnen bereits jetzt unsere besten Wünsche mit auf den Weg geben wollen.