LUC SPADA

Wir beginnen die Kolumne nostalgisch, Schobermesseanekdote. Wird es das Wort Schobermesseanekdote durch die Korrektur schaffen? Gibt es überhaupt eine Korrektur beim „Lëtzebuerger Journal“?
Ich schweife ab.

Ich schlenderte locker über die Schobermesse, alles wie immer („Mir wëlle bleiwe wat mir sinn“), und ich war fünf Jahre nicht mehr. Ich begegnete Ex-Schulfreunden, Ex-Freunden, Ex-Arbeitskollegen, Ferienjob und so, von RTL (Welche Daseinsberechtigung hätte RTL eigentlich, wenn es keine Schobermesse im August/September gäbe?) und anderen Ex-Irgendwas, wie das eben so ist. Man kann die Schobermesse jedoch auch mit den Todesanzeigen beim Luxemburger Wort vergleichen, nur umgekehrt. Wer anwesend ist, lebt. Zumindest physisch.

Dann, die ersten Smalltalkgespräche (Korrektur?).

JÉRÔME „Ich kann nicht klagen, bin halt beim Staat. Langweilig, wollte eigentlich etwas anderes machen, aber ich weiß nicht … das Geld stimmt.“

JANG „Meine Frau erwartet. Ist bald Schluss mit lustig.“

Wie die aussahen, heilige Sparkasse ey! Schmierige Haare, Doppelkinn, T-Shirt und Hose: Müssen es denn wirklich die Klamotten aus dem Cactus-Supermarkt sein, gleich neben Milch und Eiern? Darf man ab 30 nicht mehr attraktiv sein? Und dann natürlich die Steuern, Geld, Zinsen, die Frau, sie nervt, er will aber jetzt nicht mehr neu suchen. Er ist es so satt, diese ewige Suche immer.
ICH „Hä, warum?“

STEVE „Du willst einfach nicht erwachsen werden.“

ICH „Was? Ich zahle Steuern, Miete, Krankenkasse, verdiene mein Geld, wie erwachsen denn bitte noch?“

STEVE „Du verstehst das nicht. Du bist Künstler.“

ICH „Du sagst mir, dass du in einer unglücklichen Beziehung bist. Mach halt Schluss und guck, was so kommt. Was verstehe ich da nicht?“

STEVE „Ach Luc, ich bin es satt. Auch wenn ich ein bisschen klage …

ICH „… Bisschen? Du klagst die …“

STEVE „… Ich habe mich jetzt arrangiert. Hauptsache Ruhe. Bitte keine Veränderung mehr.“

ICH „Scheiße ey, du bist 31. Du hast doch Zeit. Schlimmstenfalls werden wir alle 90. Und du redest von Arrangieren?“

POL „So, ich muss dann aber auch mal nach Hause.“

Und ich, ich betrank mich. Wie früher.
Früher war wirklich alles viel besser.
Willkommen bei Vollrausch und Erholung.

Der Autor

Luc Spada

Er schreibt Theaterstücke und Bücher, ist Schauspieler vor der Kamera und im gesamten deutschsprachigen Raum mit seinen literarischen Soloshows und Performances unterwegs. Mit seiner wöchentlichen Kolumne „Vollrausch und Erholung“ kommentiert und erzählt Luc Spada jeden Dienstag an dieser Stelle Aktuelles, weniger Aktuelles, Lustiges, Trauriges, alles, was mit Leben und Erleben zu tun hat.