LUXEMBURG
MARCO MENG

Netto blieb bei Cargolux im letzten Jahr fast 90 Prozent weniger übrig als 2015

Im Geschäftsjahr 2016 machte Luxemburgs Frachtcarrier Cargolux einen Mini-Gewinn von 5,5 Millionen US-Dollar (rund fünf Millionen Euro). Das gab das Unternehmen am gestrigen Mittwoch auf seiner Bilanzpressekonferenz bekannt. 2015 verbuchte die Luftfrachtgesellschaft noch einen Nettogewinn von 49,5 Millionen Dollar.

Wie Cargolux-Chef Richard Forson betonte, sei 2015 allerdings auch ein extrem gutes und außergewöhnliches Jahr gewesen. 2016 belasteten Kosten für die Flotte von 26 Flugzeugen inklusive Cargolux Italia, wovon 19 Cargolux selbst gehören, das Geschäftsergebnis, zudem wurde der Schuldenstand abgebaut. Er verwies darauf, dass 2014 der Gewinn nur 2,8 Millionen Dollar betragen hatte.

Paul Helminger, Cargolux-Verwaltungsratspräsident, meinte, dass 2016 ein Jahr mit vielen Veränderungen gewesen sei - unter anderem verließ Geschäftsführer Dirk Reich aus persönlichen Gründen das Unternehmen -, und ließ dabei zwischen den Zeilen durchblicken, dass er denke, die Turbulenzen, die Cargolux lange beschäftigten, seien vorbei. Neu im Verwaltungsrat von Cargolux ist seit kurzem der Chef des Flughafens Zhengzhou als Vertreter des Cargolux-Aktionärs HNCA. Das sei sehr positiv, so Helminger, bringe er doch professionelle Erfahrung mit ins Unternehmen. Zudem unterstreiche es die Ambition der Chinesen, die den Cargolux-Hub in China zum führenden Frachtumschlagplatz in China machen wollen.

Das Gute sei, so Cargolux, dass die Nachfragekurve in diesem Jahr nach oben zeige, vor allem in Asien zieht das Geschäft wieder an. Bei den transportierten Tonnen pro Kilometer kletterte Cargolux im letzten Jahr von Platz 8 auf Platz 6 mit einem Wachstum von zehn Prozent. Nur Qatar Airways erzielte letztes Jahr mit mehr als 20 Prozent ein noch größeres Volumenwachstum.

Im vergangenen Jahr, wie Forson betonte, sei die Nachfrage global über die ersten neun Monate sehr schwach gewesen; erst die letzten drei Monate hatten das Unternehmen in die Gewinnzone gebracht, wozu die Pleite einer großen Reederei ebenso beitrug wie das anziehende E-Commerce-Geschäft, besonders in den USA. Dadurch wurde der Flughafen Hong Kong viel öfter als vorher angeflogen; der Frachtumschlag des Cargolux-Hub in China (Zhengzhou) erhöhte sich letztes Jahr von 67.000 auf 105.000 Tonnen. Insgesamt wurden letztes Jahr 8,4 Prozent mehr Frachttonnen verkauft, sagte Cargolux-Finanzchef Maxim Strauss, auch die Auslastung der Maschinen habe sich auf 66,8 Prozent verbessert.

Zuversichtlich mit neuer Strategie

Cargolux-Chef Forson sieht die Luftfrachtgesellschaft auf gutem Weg, die Strategie, die sich das Unternehmen bis 2025 gegeben hat, umzusetzen. „Wir wollen auch Jobs schaffen und einen wichtigen Beitrag für Luxemburgs Wirtschaft leisten“, sagte der Südafrikaner gestern. Zum Plan gehört, die Einnahmequellen zu diversifizieren, die Flottenflexibilität zu erhöhen, zum Beispiel durch mehr Angebote für andere Airlines, sei es im Bereich Wartung oder Charter, und die Kosten unter Kontrolle zu behalten. Höchster Kostenposten ist der Treibstoff; Personalkosten machen nur rund 14 Prozent der Gesamtkosten von insgesamt 1,7 Milliarden Euro aus. 2019 startet Cargolux ein Programm zur Effizienzsteigerung und Kostenminimierung, das dem Unternehmen Erleichterungen um die 18 Millionen Dollar bringen könnte, so Forson. Die (alte) EU-Kartellstrafe über neun Millionen Euro, die vor kurzem von Brüssel erneuert wurde, will Cargolux anfechten.