LUXEMBURGNATASCHA EWERT

Studentin Lena erzählt über Heimweh zu Beginn des Studiums

Brüssel, Freiburg, Paris oder doch lieber München? Das richtige Studium in der richtigen Stadt zu finden, ist für jeden Abiturienten eine große Herausforderung. Die angehenden Studenten freuen sich auf ihr neues Leben und haben gewisse Erwartungen. Aber nicht für jeden verläuft die erste Zeit harmonisch. Denn sich gut in der neuen Heimat einzuleben, braucht eine gewisse Zeit. Heimweh ist sehr oft ein Problem, da durchleben viele sehr schwierige Phasen. Lena, Psychologiestudentin, erzählt dem „Journal“ mehr von ihren Anlaufschwierigkeiten. Da die junge Frau anonym bleiben möchte, wurde ihr Name geändert.

Wie hast Du Dich in der neuen Stadt in den ersten Monaten gefühlt?

Lena Ich begann mein Studium in einer kleinen Stadt in Frankreich. Dort waren außer mir fast keine ausländischen Studenten. Da es keine kosmopolitische Unistadt war, wussten die einheimischen Studenten nicht, wie sie mit ihren ausländischen Kommilitonen umgehen sollten. Die Professoren sind einfach davon ausgegangen, dass ich Französin sei und konnten nicht nachvollziehen, dass ich bei verschiedenen Sachen nachfragen musste. Bis ich ihnen erklärte, dass ich Luxemburgerin sei. Ein Problem war genau das Französisch: Am Anfang ging mir alles viel zu schnell. Ich bin bei keinem Gespräch nachgekommen, es war deshalb schwierig, Anschluss zu finden. Allerdings war die Sprache nicht das größte Problem, es war eher die Mentalität der Studenten. Als ich anfing, mit Leuten zu reden, aber mich in der Sprache nicht sicher fühlte, lachten sie oft über mich, weil mir ein Wort nicht einfiel oder ich etwas Falsches sagte. Es kam oft vor, dass ich ihnen etwas erzählt habe und sie dann mit Lachen anfingen. Im Kurs erfuhren sie dann, dass ich Ausländerin bin. Die Kommilitonen sagten mir sofort, dass sie keine Arbeit mit mir zusammen machen wollten. Es war eine sehr schwierige Zeit für mich, weil ich mich sehr einsam fühlte und keinen sozialen Kontakt hatte. Ich konzentrierte mich nur auf das Lernen und bestand die Examen dann ohne Probleme, das war das einzig Positive in dieser Zeit. Niemand wollte mit mir befreundet sein. Ich war einsam und vermisste meine Familie und Freunde sehr.

Wie konntest Du Dein Heimweh überwinden?

Lena Mein Glück im Unglück war, dass ich in der Nähe von meinem Zuhause studierte und somit am Wochenende nach Hause fahren konnte. Außerdem war ich den ganzen Tag lang online auf Facebook, damit ich allen Freunden schreiben konnte. Ich habe jeden Abend mit meiner Familie geskypt. Wenn man Kontakt mit den Leuten hält, die einen verstehen, macht es die Situation erträglicher. Ich wusste, wenn ich mein Handy einschalte, dann kann ich jederzeit mit wahren Freunden in Kontakt sein.

Wie geht es Dir jetzt?

Lena Mir geht es viel besser, weil ich die Uni gewechselt habe und jetzt in einer Stadt bin, wo verschiedene Nationalitäten studieren: In Straßburg. Mein Studium gefällt mir noch immer super gut, aber was mich wirklich glücklich macht ist, dass ich endlich Freunde gefunden habe. Hier war es auch ganz einfach, weil die Leute auf mich zukamen und mit mir redeten. Hier sind sie auch daran gewöhnt, dass verschiedene Studenten mit einem Akzent reden oder verschiedene Sätze im Französischen nicht richtig aufbauen, deshalb ist alles viel einfacher. Außerdem kann ich rückblickend sagen, dass mich die Erfahrung viel stärker gemacht hat, weil ich nun wirklich weiß, wie es ist, alleine zu sein.

Was würdest Du anderen Studenten raten, die die gleichen Schwierigkeiten haben?

Lena Soviel wie möglich in Kontakt mit Familie und Freunden zu bleiben, weil heutzutage alles mit sozialen Netzwerken funktioniert. Außerdem sollen sie immer versuchen, optimistisch zu bleiben und die Situation als vorübergehend oder als Kapitel im Großen und Ganzen zu sehen. Aber eines ist vor allem wichtig: Wenn dir deine Lebenssituation nicht gefällt, die Möglichkeit aber besteht, die Uni zu wechseln, dann tu es. Denn man muss das nicht durchmachen.

Bist Du nun zufrieden mit Deinem Studenten-leben?

Lena Jetzt bin ich es. Ich habe Freunde an der Uni und nebenbei immer jemanden, bei dem ich abends Spaghetti essen oder mit dem ich ins Café gehen kann.

Das Studentenleben ist einfach besser, wenn du in deinem Umfeld Menschen hast, die dich gerne haben.