LAUTZENHAUSEN/LUXEMBURG
MARCO MENG

Ryanair reduziert Flüge ab Hahn - „vorübergehend“

Vor kurzem bekräftigte man noch, „zum Flughafen Hahn“ zu stehen, jetzt sorgt Ryanair für einen schmerzliche Dämpfer für den Hunsrück-Airport.

„Wir haben keine Pläne, uns vom Hahn zurückzuziehen“, sagte Ryanair-Sprecherin Henrike Schmidt Anfang des Monats; die derzeitige Zahl von neun dort stationierten Flugzeugen könne sich sogar erhöhen. Wie der Flughafen Hahn nun gestern bekannt gab, wird die irische Billigfluggesellschaft Ryanair aber ihren Sommerflugplan (ab März) drastisch abspecken. Folge davon: Die Flüge ab dem Flughafen Hahn werden in dieser Zeit um bis zu 25% reduziert werden. Ein herber Verlust - auch wenn er tatsächlich nur vorübergehend wäre - für den einstigen Militärflugplatz im Hunsrück. Der schreibt nach wie vor rote Zahlen, und das jüngst verkündete Sanierungskonzept, in dem die ursprünglich ab 2017 anvisierten schwarzen Zahlen auf 2023 verschoben wurden, wird durch die Ausdünstung der Ryanair-Flüge, die wichtigste Fluggesellschaft für den Hahn, zusätzlich erschwert.

Mangel an Flugzeugen

„Viele Ryanair Standorte sind betroffen - die einen mehr, die anderen weniger“, teilt der Flughafen mit. „Wir kommen im Vergleich zu anderen Standorten noch ganz gut weg, aber die Veränderungen werden sich in den Verkehrszahlen natürlich bemerkbar machen“, kommentiert Co-Geschäftsführer Markus Bunk die Entwicklung. Der Flughafenexperte lenkt seit November neben Heinz Rethage den Hahn.

Klassische Urlaubsstrecken, die ursprünglich ab Hahn angeflogenen wurden, zum Beispiel nach Korfu, Kos oder Gran Canaria, sind bereits nicht mehr online buchbar.

Ryanair-Pressesprecherin Henrike Schmidt bestätigt uns, „dass Ryanair aufgrund eines Flugzeugengpasses Frequenzen und Strecken reduziert.“ Neue Maschinen sollen ab September 2014 geliefert werden und man hoffe, damit „dann auch in Deutschland wieder weiter zu wachsen.“

Erst im Juni hat Ryanair bei Boeing 175 neue Maschinen des Typs 737-800 bestellt, was damals Ryanair-Chef Michael O’Leary auf der Unternehmenswebseite mit den Worten kommentierte, das werde 3.000 neue Jobs schaffen und das angestrebte Wachstum um 5% jährlich unterstützen. Etwa 75 von den neuen Maschinen sollten alte Flugzeuge ersetzen. Bis 2019 zähle die Ryanair-Flotte damit insgesamt 405 Maschinen vom Typ Boeing 737-800. Gegenwärtig sind es 303.

Durch die Reduzierung der Flüge werden nun auf dem Hahn im Sommer statt bisher neun nur noch sechs Maschinen stationiert sein. Im laufenden Jahr wird das Passagieraufkommen damit knapp 300.000 Personen weniger als 2012 sein, der niedrigste Stand seit zehn Jahren.

Manche munkeln, es sei Ryanairs Antwort auf die deutsche Luftverkehrsabgabe, die die Airline seit ihrer Einführung kritisiert. Das bekräftigte man auch wieder jüngst, weil die beiden neuen Regierungsparteien in Deutschland nicht von ihr abgerückt sind. Ohne die würde Ryanair pro Jahr mit einer Million Passagiere zusätzlich in Deutschland rechnen.

Nun wird zum Beispiel der Flughafen Cochstedt bei Magdeburg, seit 2011 im Plan von Ryanair, ab nächstes Jahr nicht mehr angeflogen, wie man vor kurzem bekannt gegeben hatte. Dass aber nicht allein die deutsche Luftverkehrsabgabe maßgeblich ist sieht man am Flughafen Maastricht, den man zwar erst vor knapp einem Jahre ins Netz aufgenommen hatte, verschiedenen Medienberichten nach ab kommenden Jahr aber ebenfalls nicht mehr anfliegen wird.

Hahn kommt nicht auf die Beine

„Ziel muss es sein, nach den Flughafen-Leitlinien die schwarze Null 2023 zu erreichen“, hatte man laut Presseagentur dpa am Hahn kürzlich das neue Sanierungskonzept begründet. Ab diesem Jahr müssen dann Regionalflughäfen wie der Hahn nach Willen der EU ohne Beihilfen auskommen. Der Flughafen, der zu 82,5 Prozent dem Land Rheinland-Pfalz und zu 17,5 Prozent dem Land Hessen gehört, schreibt seit Jahren rote Zahlen, Passagier- und Frachtzahlen sind rückläufig. Viele Probleme, die auf der heute anstehenden Sitzung des Aufsichtsrats der „Flughafen Frankfurt Hahn AG“ diskutiert werden dürften.