BRÜSSEL
LJ MIT DPA/EU-KOMMISSION

Europas Zöllner beschlagnahmen Fälschungen im Wert von 740 Millionen Euro

Europas Zöllner haben im vergangenen Jahr gefälschte Waren im Wert von gut 740 Millionen Euro beschlagnahmt. Die Summe nahm dabei im Vergleich zum Vorjahr zu, wie die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel mitteilte. 2017 hatte sie sich noch auf etwa 580 Millionen Euro belaufen.

„Zollbeamte in der EU haben gefälschte Waren, die für die Verbraucher häufig gefährlich sind, erfolgreich aufgespürt und beschlagnahmt. Ihre Aufgabe wird dadurch erschwert, dass immer mehr kleine Pakete im Wege von Online-Verkäufen in die EU kommen. Zu unseren anderen Prioritäten zählen die Integrität des Binnenmarkts und der Zollunion sowie die wirksame Durchsetzung der Rechte des geistigen Eigentums innerhalb der internationalen Lieferkette. Wir müssen die Anstrengungen zur Bekämpfung von Nachahmungen und Produktpiraterie weiter intensivieren“, erklärte Pierre Moscovici, EU-Kommissar für Wirtschafts- und Finanzangelegenheiten, Steuern und Zoll.

Hauptsächlich aus China

Zigaretten stellen mit 15 Prozent der Gesamtmenge an beschlagnahmten Waren die wichtigste Warenkategorie dar. Es folgen Spielwaren (14 Prozent), Verpackungsmaterial (9 Prozent), Labels, Etiketten und Aufkleber (9 Prozent) sowie Kleidung (8 Prozent). Produkte für den täglichen persönlichen Gebrauch, wie Körperpflegeprodukte, Medikamente, Spielwaren und elektrische Haushaltsgeräte, machten fast 37 Prozent der beschlagnahmten Artikel aus. Waren, die Rechte des geistigen Eigentums verletzen, kamen nach wie vor hauptsächlich aus China. Gefälschte alkoholische Getränke stammten vorwiegend aus Nordmazedonien. Die Türkei war das wichtigste Herkunftsland für andere Getränke, Parfüme und Kosmetikprodukte. Die EU-Zollbehörden entdeckten eine große Zahl von gefälschten Uhren, Mobiltelefonen und Zubehör, Tintenpatronen und Tonern, CDs/DVDs, Labels, Etiketten und Aufklebern aus Hongkong (China). Computerausrüstung stammte hauptsächlich aus Indien, Zigaretten aus Kambodscha und Verpackungsmaterial aus Bosnien und Herzegowina. Im November 2017 verabschiedete die Kommission ein umfassendes Maßnahmenpaket, um die Anwendung und Durchsetzung der Rechte des geistigen Eigentums weiter zu verbessern und die Anstrengungen zur Bekämpfung von Nachahmungen und Produktpiraterie zu intensivieren. 2018 folgte ein neuer EU-Aktionsplan im Zollbereich zur Bekämpfung von Verletzungen der Rechte des geistigen Eigentums für den Zeitraum 2018-2022. Eine Studie zeigt, dass sich die unmittelbaren Umsatzverluste, die EU-Unternehmen durch nachgeahmte Waren entstehen, auf 56 Milliarden Euro jährlich belaufen, was einem Verlust von nahezu 468.000 Arbeitsplätzen entspricht. Berücksichtigt man die Folgewirkungen für andere Wirtschaftszweige, betragen die Umsatzverluste insgesamt bis zu 92 Milliarden Euro.