LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Schiefergas und Ölschiefer stehen für Energieautarkie – zu einem hohen Preis

Schiefer ist hierzulande eine Sache, die aufs Dach, an die Wand oder auf den Fußboden gehört. Schiefer ist aber auch ein Energieträger und wird als solcher immer wichtiger. Die Energie, die aus Schiefer gewonnen werden kann ist mit einem großen Aber versehen. Zumindest im ökologisch sensiblen Europa ist sie umstritten. Auch in Luxemburg gab es schon Streit um das Thema.

Man könnte schon nach Schiefergas unter dem heimischen Boden suchen – vermutlich erfolgreich. Allerdings würde es dann das umstrittene Fracking nach sich ziehen – was in Luxemburg (fast) niemand will. Andererseits hat Schiefergas die USA unabhängig vom Ölmarkt gemacht.

In dem tief unter der Erde liegenden Schiefer ist Gas gebunden. Um es zu gewinnen, wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien mit hohem Druck in die Gesteinsformation gepumpt. Das Gestein wird durch plötzliche Druckreduzierung so aufgebrochen, dass kleine Spalten entstehen, durch die Gas bis zum Bohrloch fließen kann. Im sogenannten „Flowback“, dem Bohrgemisch aus Wasser, Sand, Chemikalien-Gemisch lauern Schadstoff, die aufwändig entsorgt werden müssen. Ein Teil bleibt dennoch unter der Erde. Neben der Chemie wird auch der exorbitante Wasserverbrauch bei der Gewinnung von Schiefergas kritisiert.

Ölschiefer ist genau genommen eine Vorstufe des „richtigen“ Schiefers. In diesem Sedimentgestein sind – sehr einfach ausgedrückt -  organische Vorstufen des Erdöls gebunden, sogenannte Kerogene. Schon Nazi-Deutschland versuchte, daraus Triebstoffe zu gewinnen. Der Aufwand ist gewaltig und galt noch vor wenigen Jahren als sinnlos, weil zu teuer. Der Anstieg der weltweiten Energiepreise hat den Ölschiefer, ebenso wie den Ölsand, zu einer realen Energiereserve werden lassen. Allerdings sind die Umweltfolgen durch unkontrollierten Tagebau, vor allem in Nordamerika, erheblich.