PASCAL STEINWACHS

Eigentlich würde man sich ja von einem Berufspolitiker erwarten, dass er sich zu beherrschen weiß, und dass er - wenn er nicht gerade von einem akuten Ischiasanfall betroffen ist - die Öffentlichkeit nicht an seinen Gemütszuständen teilhaben lässt, aber Politiker sind bekanntlich auch nur Menschen, und wo Menschen sind, da menschelt es.

Serge Wilmes, der bis dato eher als freundlicher, für sein Alter allerdings etwas zu sehr angepasster Nachwuchspolitiker in bester Claude-Wiseler-Schwiegermutters-Liebling-Tradition galt, gingen dieser Tage jedenfalls gehörig die Gäule durch, als er sich im morgendlichen Gespräch mit RTL Radio seinen Frust über Frank Engel von der Seele redete, der vergangenen Monat bekanntlich das Rennen um den CSV-Präsidentenposten gewonnen hatte. Zwar nur knapp, aber, und das dürfte auch Wilmes wissen: gewonnen ist gewonnen. Dem neuen CSV-Präsidenten warf Wilmes nun vor, dass dieser - im Gegensatz zu ihm - keinen Plan habe („ech waarden nach op de Projet vum Frank Engel“), und jetzt schon - im Gegensatz zu ihm - die Spitzenkandidatur für die Parlamentswahlen von 2023 vor Augen habe. Kritik gab es aber auch am Führungsstil des neuen Präsidenten, der eine knallharte Opposition anstrebe, derweil er, Wilmes, auf eine intelligente Oppositionspolitik setze.

Dass Wilmes seine schmutzige Wäsche im Radio wäscht, macht nicht nur deutlich, dass der unterlegene Präsidentschaftskandidat ein schlechter Verlierer ist, sondern zeugt auch von schlechtem Stil, schadet er doch damit vornehmlich seiner Partei, um deren Wohl es ihm ja angeblich geht. So ist wohl kaum davon auszugehen, dass sich die CSV jetzt noch einmal einen neuen Präsidenten sucht, nur weil der neu gewählte Vorsitzende einer Reihe von CSV-Mandatären nicht genehm ist. Hätte Serge Wilmes sich auch im Rennen um den Präsidentenposten derart kämpferisch und angriffslustig gezeigt, wie er das diese Woche tat, so wäre er vielleicht gewählt worden, aber dazu ist es jetzt zu spät. Die politische Konkurrenz lacht sich jedenfalls ins Fäustchen, kann sie doch in aller Ruhe zusehen, wie die einst so stolze Partei dabei ist, sich zu spalten.

Engel fiel ob der Wilmes‘schen Vorwürfe denn auch aus allen Wolken, gab sich jedoch - ebenfalls auf RTL - beherrscht und tat das, was man in so einem Fall tun muss, nämlich zu behaupten, dass Wilmes Wilmes sei, und in der Partei sehr wohl eine große Bereitschaft bestehe, nach vorne zu schauen. Dass die Grabenkämpfe innerhalb der Partei, bei der sich so manch einer schon als Minister gesehen hatte, seit dem erneuten Gang in die Opposition zugenommen haben, wird aber auch Engel nicht ignorieren können. Früher, als die CSV noch Regierungspartei war, konnte man derartige Probleme durch die richtige Postenverteilung aus der Welt schaffen, aber das geht ja nun nicht mehr.

Die erste große Bewährungsprobe werden für Engel indes die Europawahlen werden, wo dieser sich eine Liste mit jungen und unverbrauchten Kandidaten wünscht. Sollte die CSV auch hier Stimmen einbüßen, dann wird dies natürlich in erster Linie dem Präsidenten angekreidet, wobei man sich aber anscheinend schon mal darauf eingestellt hat, in Zukunft nur noch zwei Abgeordnete ins Europaparlament zu schicken...