PATRICK WELTER

Würde man die Sache mit einem hämischen Verweis auf Belgien erzählen, würden alle herzlich lachen. Es ist nicht zum Lachen, es ist nur lächerlich. In Zeiten von Telefon, E-Mail, WhatsApp und Messenger kommt die eine Verwaltung zwei Jahre lang nicht auf die Idee, der anderen Verwaltung eine kleine Nachricht zu schicken. Selbst ein mit Gänsekiel und Tinte auf Büttenpapier geschriebener Brief wäre in dieser Zeit angekommen. Ein einfacher Satz, wie „Sorry, aber Ihr müsst da noch was nachliefern!“ hätte gereicht.

Wie es sich jetzt darstellt haben Beamte des Umweltministeriums die Straßenbauer aus dem Transport- und Bauministerium kühl lächelnd gegen die Wand laufen lassen. Bei „Ponts et Chaussées“ wird man sich zwar darüber ärgern, aber Leidtragende sind die Einwohner von Dippach, die seit Jahren auf eine Umgehung warten. 10.000 Autos pro Tag, die an den Häusern vorbeifahren oder stundenlang vor der Schranke stehen - eine Situation, die schon längst Geschichte sein sollte. Seit mindestens 2013 sind die Pläne für eine Umgehungsstraße fertig. Erst kamen die NIMBYs, die sich mit allen Mitteln dagegen wehrten, ein Grundstück zu verkaufen und das Verfahren bremsten, bis sie in allen Gerichtsinstanzen verloren haben. Dann glaubt die eine Verwaltung, alles richtig gemacht zu haben, und die andere ist sich zu fein, etwas über eine noch ausstehende Studie zu sagen. Es stand in den letzten Jahren ja auch nichts in der Zeitung, dass es demnächst, bald, jetzt losgeht mit der Ortsumfahrung Dippach-Gare. Auf den letzten Drücker, kurz bevor die Ausschreibung endlich rausgehen sollte - kommt ein „Stopp!“ aus der Kulisse. „Erst müssen wir Vögel zählen!“

Das Image der beamteten Naturschützer ist sowieso nicht das Beste, jetzt leisten sie sich ein echtes Imagedesaster. Ich übertreibe? Fragen sie mal einen Landwirt oder Winzer, der ein Bauvorhaben im Außenbereich plant, der erzählt wahre Horrorgeschichten über das Genehmigungsverfahren.

Erinnern sie sich noch, als „de Verband“, Luxemburgs größte landwirtschaftliche Genossenschaft, beschloss, ihr zentrales Silo auf die deutsche Seite der Mosel zu verlegen. Da war der nationale Aufschrei groß. Die Macher sahen nach 20 Jahren Standortsuche in Luxemburg keine Chance mehr. Doch, selbst als die damalige schwarz-rote Regierung in ihrer Verzweiflung einen Silo-Standort im Merterter Hafen anbot, hieß es aus dem Umweltministerium lapidar, man könne keine Betriebsgenehmigung garantieren. Wer baut denn dann?

Es ist richtig, dass die beamteten Naturschützer in einem so dicht besiedelten Land wie Luxemburg um jeden Quadratmeter kämpfen müssen, aber die alte Geschichte von der Verhältnismäßigkeit oder vom noch älteren Augenmaß sollte man nicht vergessen. Es macht einen Unterschied aus, ob man in einem Wasserschutzgebiet ein - vernünftiges - Pestizidverbot verhängt oder den Bau einer Straße, die Menschen nützen soll, blockiert. Es gibt Momente, wo man den Eingriff in die Natur mit dem Wohlergehen von Bürgern abwägen muss. Wie wär’s zugunsten der Dippacher?

Noch eine Bemerkung: Ich wäre froh, wenn man sich in diesem Land nur einmal so energisch für den Denkmalschutz einsetzen würde, wie für den Naturschutz.