PATRICK WELTER

Neben vielen Zwergen gibt es in dieser Horrorgeschichte nur ein Schneewittchen - Hillary Clinton. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass am Ende alle Zwerge von Hillary gefressen werden. Vorausgesetzt die US-Demokraten befällt nicht dieselbe Todessehnsucht wie die britische Labour-Party und sie wählen den - ehrenwerten - erklärten Linksaußen Bernie Sanders zu ihrem Präsidentschaftskandidaten. Das letzte Experiment mit einem nach US-Maßstäben dezidiert linken Kandidaten, Georg McGovern gegen Richard Nixon, hat den Demokraten 1972 eine der übelsten Niederlagen in der US-Geschichte eingebracht.

Voll in die Todesspirale eingestiegen sind die US-Republikaner. Die Grand Old Party (GOP), die Partei Lincolns, Nixons und Reagans ist dabei politisch Selbstmord zu begehen - so sah es in der letzten Woche ein Analyst der „Welt“.

Der GOP laufen die Führungskräfte davon, weil eine weit rechts stehende Minderheit, die bigotten Waffenfetischisten der „Tea Party“, entschlossen ist die Partei auf absolute Blockade gegen den Antichristen und Kommunisten im Weißen Haus - Barack Obama - zu trimmen. Kein Abkommen mit dem Iran, keine Zustimmung zum Budget. Kein Rütteln an den Waffengesetzen. Die so genannten gemäßigten Kräfte gehen auf Tauchstation, um von den Radikalen nicht erpresst und verheizt zu werden. Hier wedelt der Schwanz nicht mit dem Hund, der Schwanz erwürgt ihn gleich.

Wie verrückt deren Weltsicht ist, zeigte der Besuch des Papstes in den USA. Die Kommentare konservativer Medien und aus der Ecke der Tea-Party zum Besuch von Franziskus waren unterirdisch. Motto: In Rom sitzt ein Kommunist auf dem Stuhl Petri. Da fallen die Knallchargen, die sich um eine republikanische Präsidentschaftskandidatur bemühen, schon gar nicht mehr ins Gewicht. Das überaus beliebte Großmaul Donald Trump liegt immer noch weit vorn in den Umfragen unter seinen Parteifreunden, da kann er so viel Müll reden wie er will. Einwanderer waren in den USA schon immer ein Problem, fragen sie mal die Indianer. Der nächste Möchtegern-Präsident stellt die steile These auf, dass eine Bewaffnung der deutschen Bevölkerung den Holocaust verhindert hätte.

Die anderer Seite der Medaille ist, dass ernst zu nehmende Kandidaten der GOP wie Jeb Bush, Chris Christie oder Carly Fiorina bei der vernagelten Parteibasis die sich vor dem Untergang des weißen Mannes fürchtet, überhaupt nicht ankommen.

Hillary Clinton ist im Grunde eine langweilige Kandidatin. Jeder kennt sie, sie gehört zum Establishment, ihre Karriere findet seit Jahren im Schaufenster statt und jeder hat eine Meinung zu ihr. Was ihr 2008 im internen Kampf gegen den strahlenden Obama geschadet hat, hilft ihr heute. Obama kocht auch nur mit Wasser. Mit viel Routine und Sachkenntnis hat sie die erste Debatte der Kandidaten für die demokratische Präsidentschaftskandidatur bestimmt und gewonnen. Ganz davon abgesehen, dass der Umgang der Demokraten untereinander deutlich zivilisierter ist, als die Runde um verbalen Catcher Donald Trump.

Wenn sie nicht einen mächtigen Bock schießt, dürfte der ehemaligen Außenministerin das Wunder gelingen. FLOTUS ins Oval-Office.