LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Der Wirtschaftsminister nutzte den FEDIL-Empfang für ein Resümee seiner Tätigkeit

Nicht einmal mehr zwei Wochen, dann geht der dienstälteste Wirtschaftsminister der Europäischen Union. Wohin, will er offiziell noch nicht sagen. Doch gestern nutzte Etienne Schneider den Moment, um vor dem Saal voller Industrieller, Banker und Unternehmer auf dem Neujahrsempfang der FEDIL eine Bilanz seiner Amtszeit zu ziehen, die seit Februar 2012 andauert. Zuvor hatte ihn FEDIL-Präsidentin Michèle Detaille als steten Verkäufer seines Landes gepriesen, als einen, dem sie es auch zutraut, Unternehmer zu werden. Als Start-up, sagte sie augenzwinkernd in Richtung Schneider, erhielte er sogar eine Unterstützung der FEDIL.

Solches Lob, das weiß Schneider nur zu gut, erhält man erst zum Abschied. „Ich habe euch immer unterstützt. Das ist Teil meiner Jobbeschreibung - auch, wenn die Nähe zum Patronat politisch nicht immer Vorteile hatte“, sagte das LSAP-Mitglied.

In Luxemburg gibt es eine lange Tradition, das Wirtschaftsministerium mit einem Sozialisten zu besetzen. Und es gibt eine ebensolche Tradition, dass diese Kandidaten sich dann so wirtschaftsfreundlich wie möglich verhalten, zu Unternehmen kommen, Reden halten, Investoren von den Vorzügen Luxemburgs zu überzeugen suchen und Rahmenbedingungen anpassen. Schneider hatte in diesem Kontext agiert - nicht immer ohne Schwierigkeiten.

Doppelte Herausforderung

„Es gibt eine doppelte Herausforderung: Die Wettbewerbsfähigkeit soll gesteigert und die Arbeitsbedingungen verbessert werden“, fasste der studierte Ökonom zusammen. „Wenn keiner einverstanden ist, dann ist es ein guter Kompromiss.“

Klar machte Schneider auch, dass „Décroissance“, das Nullwachstum, für ihn keine Alternative ist und er es für unbegründet hält, wenn sich in letzter Zeit immer mehr Stimmen gegen die Industrie erheben. „Die Herausforderung liegt darin, den Reichtum besser aufzuteilen“, sagte Schneider. Mancher im Saal lächelte, denn es ist weithin bekannt, dass Schneider gern Oldtimer sammelt und vermögend ist.

Hoffnung machte er der Industrie beim Thema Talentsuche, die nicht nur im Fachbereich, sondern auch bei unqualifizierten Tätigkeiten zunehmend zum Problem wird. „Eine interministerielle Arbeitsgruppe hat einen Plan ausgearbeitet“, verriet er.

Dann kam er, der selbst im Wirtschaftsministerium gearbeitet hatte, bevor er dessen Minister wurde, auf seine Verdienste zu sprechen. Die Space-Ressources-Initiative etwa, oder die Digitalisierung samt High Performance-Computing oder der Rifkin-Plan, den er lang vor der Klimadiskussion eingeführt habe. Ein AAA-Rating und eine Verschuldungsrate von 19 Prozent geben Raum, sagte Schneider mit Blick auf Finanzierungsmöglichkeiten. „Doch unser Erfolg zieht auch Neider an“, warnte der Mann, der sich selbst als Unternehmer-Funktionär betitelte.

Bis zuletzt war Schneider aktiv. „Ich habe mich bei der EU für CO2-Werte eingesetzt“, sagte er mit Blick auf ausländische Konkurrenten, die daheim keine Auflagen haben. Und der Wirtschaftsminister hat an der Gründung der Gruppe „friends of the industry“ mitgewirkt, die die Interessen der Unternehmen vertritt.

Jetzt geht Schneider. Nicht frustriert, wie er betont, nicht amtsmüde und ohne Zwang oder Skandal. Und mit einem klaren Schnitt. „Ich war acht Jahre in der Regierung, sechs Jahre Vizepremier, das reicht. Man braucht neue Köpfe für neue Ideen.“ Auf alte Pfade will er nicht zurück. „Die Leute haben mich immer gefragt: „Fehlt Ihnen die Politik dann nicht?“ - Nein, sagt er. Auch, wenn er sich daran gewöhnen muss, dann keinen Fahrer mehr zu haben- und ab dem 4. Februar auch keinen Dienstwagen mehr.

Am Ende dankte er der Industrie für ihre Freundschaft - „selbst wenn sie nur so lang dauert wie ein Mandat“. Die Anwesenden erhoben sich und applaudierten Schneider stehend. Diese Ovation war die Anerkennung für seine Bereitschaft, in jeden Betrieb zu kommen, stets spontan Reden über die Qualität der Produkte und die Vorteile Luxemburgs zu halten und auch zu später Stunde ausländische Unternehmer aufzusuchen, um für Luxemburg zu werben.