LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Peintures Robin produziert jetzt Desinfektionsmittel für Hände

Als die Coronavirus-Krise kam, traf es Peintures Robin hart. Das Luxemburger Traditionsunternehmen, das bereits seit 1927 existiert und in Useldingen Farbe herstellt, die auch in den eigenen Geschäften in Leudelingen und seit kurzem Bissen, verkauft wird, musste einen harten Schnitt hinnehmen.

„Von einem Tag auf den anderen waren zwei Drittel des Umsatzes weg“, erinnert sich Geschäftsführer Gérard Zoller. „Für viele unserer 105 Mitarbeiter mussten wir Kurzarbeit anmelden.“ Andere nahmen Familienurlaub, einige waren krank oder wurden vom Chef nach Hause geschickt, weil sie beispielsweise mit gefährdeten Personen zusammenleben. „Ich bin froh, dass ich auf meine Mitarbeiter zählen kann“, resümiert der Chef. Das Unternehmen, das immer viel in umweltfreundliche Forschung und Entwicklung investiert hat und eng mit Malerbetrieben zusammenarbeitet, hatte jedoch gut geplant.

Schon Anfang März kaufte Zoller Isopropyl und Ethylalkohol auf. Das braucht das Unternehmen auch sonst für die Farbproduktion. Viel wichtiger jedoch: Damit lässt sich Handdesinfektionsmittel herstellen. Zoller schickte Angebote an das Mittelstands- und das Gesundheitsministerium. „Ich habe gesagt, dass es für einen guten Zweck nutzbar ist, wenn gewünscht“, erzählt er. „Sie waren sehr froh und aus dem Gesundheitsministerium erhielten wir eine große Bestellung.“

Peintures Robin legte los, baute Produktionslinien um und fertigte für das Gesundheitsministerium. „Das ist nicht ganz ohne, es gibt Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation. Unter anderem muss das Desinfektionsgel 72 Stunden ruhen, bevor man es nutzen kann“, sagt er. Auch korrekte Etiketten und Sicherheitsblätter wurden gedruckt. „Das ist eine Sache, die nicht jeder im Hobbykeller machen kann“, versichert der Chef des Farbenherstellers.

Peintures Robin konnte alle Auflagen erfüllen. „Unsere Tageskapazität beträgt 20.000 Litern“, sagt Zoller nicht ohne Stolz. Er hofft auf Folgebestellungen aus dem Ministerium. Leider werden im Moment Bestellungen aufgebraucht, welche vorher sicherheitshalber bereits in China geordert worden waren.

Immerhin: Menschen in Luxemburg, die an COVID-19 erkrankt sind, erhalten eine kleine Flasche mit Desinfektionsgel für die Hände. Diese Flasche ist laut Zoller ein gutes Beispiel für Zusammenarbeit. „Die Flasche stammt von Rosport, wurde von der Brasserie de Luxembourg abgefüllt und der Inhalt ist von uns.“

Das sind kleine Lichtblicke, aber sie retten nicht alles. „Mein größtes Problem ist im Moment die Liquidität“, sagt Zoller. Er will keine Staatshilfe in Anspruch nehmen und versucht, so über die Runden zu kommen. Seine große Angst: „Im Herbst werden wir massiv viele Konkurse haben. Viele Betriebe waren schon vor der Krise nicht stark, die werden es nicht schaffen. Das wird auch Kunden und Zulieferer treffen. Das wird dann langfristige Auswirkungen haben. Es kann gar nicht jeder gerettet werden“, führt er aus. Danach stellen sich all jene praktischen Fragen, die mit einem Ende des Shutdown verbunden sind - dazu gehört auch der Schutz von Mitarbeitern und Kunden. „Das wird ein praktisches Problem.“

Als erste Reaktion will Peintures Robin vermehrt mit Telemeetings arbeiten und Konferenzcalls abhalten. Die Mannschaften sollen in Schichten aufgeteilt werden und regelmäßige Desinfektionen sind geplant.

Mit den bisherigen Entscheidungen der Regierung ist der Unternehmens-Chef einverstanden: „Ich glaube schon, dass sie gut handelt.“ Doch Geld und Geschäft sind für ihn nicht alles: „Ich hoffe, dass wir durch das Innehalten Zeit hatten, zur Besinnung zu kommen, dass der frenetische Konsumwahn nicht mehr lebenswichtig ist, dass wir sehen, dass wir vieles nicht brauchen. Ich hoffe auch, dass wir den Wert einer Ware erkennen, auch einer Ware, die in Europa produziert wird. Natürlich müssen die Konsumenten das dann auch bezahlen“, schließt er.

Farben gibt es unter letzshop.lu und www.robin.lu