LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Tessy Huberty singt in Trierer Unichor mit und tritt am Sonntag im römischen Amphitheater auf

Mit 200 Sängern und Musikern auf der Bühne zu stehen und vor Publikum zu singen, darauf kann man stolz sein. Steht die Bühne dann noch in einem römischen Amphitheater unter freiem Himmel, wird für Musikbegeisterte ein Traum wahr. Das wird am Sonntag in Trier der Fall sein. Und wenn auf diese Bühne Chor und Orchester des Collegium Musicum der Uni Trier treten, ist auch Tessy Huberty mit dabei. Die Luxemburgerin studiert in Trier Sozial- und Organisationspädagogik und singt im Chor als Sopran mit. Mit dem Konzert feiert das Collegium Musicum sein 40-jähriges Bestehen. Das Collegium wurde 1977 als Orchester gegründet, 1983 folgte der Chor. Heute zählt der Chor etwa 150 Mitglieder, das Orchester rund 70. Gemeinsam musizieren hier Studenten, Uni-Mitarbeiter und Musikbegeisterte aus der Region. Die 33-jährige Tessy Huberty erzählt, was für sie das Schönste am Singen ist und warum jeder jederzeit einsteigen kann.

Wie bist Du zu dem Trierer Chor gekommen?

TESSY HUBERTY Ich habe vorher in Köln gelebt und dort auch in einem Chor gesungen, als ich nach Trier gezogen bin, habe ich hier sofort einen Chor gesucht und wurde ganz unkompliziert in den Unichor mit Orchester aufgenommen.

Wie lange bist Du schon dabei?

TESSY Seit dem Wintersemester 2014. Ich war als Jugendliche schon in einem kleinen Kirchenchor, habe dort gemerkt, dass mit das sehr viel Freude bereitet. Dazwischen habe ich aber Jahre ausgesetzt.

Was ist für dich das Schöne am Singen im Chor?

TESSY Es tut mir einfach gut, es ist eine der wenigen Sachen, zu denen ich mich niemals überreden muss und ich komme immer glücklich aus den Proben raus. Es kann auch schon mal emotional werden, wenn man sich auf die Musik einlässt, dabei kann es sowohl traurig als auch sehr freudig und lebendig sein. Ich finde es auch toll, dass man ganz schnell eine Entwicklung feststellen kann, man traut sich lauter zu singen, oder Passagen, die einem anfangs noch Schwierigkeiten bereitet haben, fallen plötzlich ganz leicht. Es ist auch cool, dass am Ende der Proben der Auftritt vor Publikum steht. Und der soziale Aspekt spielt auch eine Rolle, es entstehen Freundschaften und nette soziale Kontakte.

Kann man singen auch später noch
lernen?

TESSY Ich denke es gibt dafür keine Altersgrenze, das zeigt sich immer wieder. Natürlich ist es von Vorteil, wenn man als Kind schon musiziert oder gesungen hat, aber ich bin auch als Erwachsene in einen Chor eingestiegen und wir haben bei uns Leute jeden Alters, die zum Teil auch quer einsteigen und das klappt in den meisten Fällen gut. Man kann vieles lernen und auch das Gehör lässt sich trainieren, die Grundfähigkeiten sind meistens da und müssen nur genutzt werden.

Ihr habt am Sonntag ein anspruchsvolles Programm, welche Stücke magst Du besonders?

TESSY Ich liebe das Requiem von Mozart und werde nicht müde, es zu hören und zu singen. Es ist kein Stück dabei, das mir überhaupt keine Freude bereitet. Es sind alles tolle Werke, die auch beim Publikum gut ankommen.

Wie bereitest Du dich stimmlich und mental auf ein Konzert vor?

TESSY Am Anfang des Semesters höre ich mir die Stücke mehrmals an, damit ich eine Vorstellung davon habe, wie es am Ende klingen kann. Dann setze ich mich ab und zu hin, um Stellen, die mir nicht ganz klar sind, zu wiederholen und nehme mich schon mal auf, um zu hören, wo ich Fehler mache. Es macht Sinn die Werke weitestgehend auswendig zu lernen, um beim Auftritt nicht die ganze Zeit in die Noten schauen zu müssen und den Blickkontakt mit dem Dirigenten zu halten.

Warum ist das so wichtig?

TESSY Er gibt uns die Einsätze vor, das Tempo, die Dynamik und auch die Emotionen, die wir auf das Publikum übertragen wollen, zumal es bei dem Konzert anders ablaufen kann als bei den Proben, denn es bleibt immer ein Rest Spontaneität. Der Dirigent hält alles zusammen. Außerdem kann der Blickkontakt bei Aufregung Sicherheit geben und man schaut automatisch in Richtung Publikum.

Ihr seid 150 Leute im Chor: Wie probt man in so einer großen Gruppe?

TESSY Genau, 150 im Chor, mit Orchester kommen noch 70 Leute dazu, sodass es mittlerweile über 200 Mitglieder sind. Das ist das größte Ensemble, welches das Collegium bis jetzt hier hatte. Beim Proben haben wir das Glück, dass wir im größten Hörsaal in der Uni proben dürfen. Meistens proben wir im Chor zusammen, dann werden bestimmte Passagen in den einzelnen Stimmen geübt. Ansonsten proben Männer und Frauen zeitweise getrennt.

Was hat es mit dem Einsingen auf sich?

TESSY Es geht darum, seine Stimme, also die Stimmbänder und den Körper erstmal aufzuwärmen, ähnlich wie bei Sportlern, dann wird sich um die Töne in den Stimmlagen gekümmert, um die benötigten Höhen und Tiefen erreichen zu können. Im Grunde wird das Gehör dabei auch trainiert. Es gibt dafür viele unterschiedliche Übungen, die der Dirigent, Chorassistent oder Stimmbildner mit uns machen. Dann erst können die Proben oder der Auftritt beginnen.

Welches Ziel hast Du dir als Chorsängerin gesteckt?

TESSY Ich habe schon gemerkt, dass ich das Singen gerne erweitern und auch gerne Gesangsunterricht nehmen möchte. Und ich würde mich gerne mehr um Musiktheorie kümmern und das Notenlesen besser lernen. Zudem hat mich der unmittelbare Kontakt mit dem Orchester dazu motiviert, Geigenunterricht zu nehmen.