LINTGEN
PATRICK WELTER

Innenministerin Bofferding und das CGDIS haben die siebte Generation von SAMU-Fahrzeugen in Dienst gestellt

Eigentlich ist es unvorstellbar, dass es eine Zeit ohne SAMU – die frankophone Variante - oder Notarztwagen – das gleiche im deutschen Sprachraum - gab. Aber der SAMU (Service d’aide médicale urgente) erhielt in Luxemburg erst 1986 eine gesetzliche Grundlage. Auch in den Nachbarländern ist der notfallmedizinische Dienst vor Ort nicht viel älter.

Gestern wurden im Rahmen einer – Corona-bedingten – kleinen Feier in der Logistikbasis des großherzoglichen Rettungskorps CGDIS in Lintgen die siebte Generation von SAMU/Notarzt-Fahrzeugen von Innenministerin Taina Bofferding und CGDIS Generaldirektor Paul Schroeder in Dienst gestellt.

Einhellig war man der Meinung, dass die Einsätze der SAMU-Fahrzeuge und ihrer Besatzungen in 35 Jahren zehntausende Leben gerettet haben. In dieser Zeit habe sich nicht nur die luxemburgische Bevölkerung nahezu verdoppelt, auch die Notarzteinsätze steigen Jahr für Jahr an – egal ob es sich um internistische Eingriffe oder unfallbedingte Einsätze handelt. Trotz eines Rückgangs der Einsätze um 15 Prozent in  den Wochen des Lockdowns, rechnet man beim CGDIS damit, in diesem Jahr erstmals die Zahl von 8.000 Einsätzen zu überschreiten. In den ersten sechseinhalb Monaten des Jahres 2020  waren es schon 4.600 Einsatzfahrten.

Fünf SAMU-Basen decken das ganze Land ab

Schon im letzten Jahr waren die traditionellen drei SAMU-Stationen an den Kliniken in Luxemburg, Esch und Ettelbrück um eine Basis in Hesperingen erweitert worden. Zum ersten Mal wurde damit ein Notarztwagen nicht an einer Klinik, sondern in einer Feuerwache, dem Einsatzzentrum Hesperingen, stationiert, wodurch eine bessere Abdeckung des Südosten erreicht wurde.

Innenministerin Taina Bofferding wies genauso wie Paul Schroeder vorher darauf hin, dass das CGDIS seit April über eine fünfte SAMU-Basis verfügt, die bei der „Luxembourg Air Rescue“ (LAR) auf dem Flughafen angesiedelt ist. Nach vielen Jahren der Zusammenarbeit zwischen den Rettungsdiensten und der LAR, wurde die Arbeit auf eine neue vertragliche Grundlage gestellt und ein SAMU-Team des CGDIS direkt bei der LAR stationiert. Von dort aus kann in Zukunft aber nicht nur der Notarzt per Rettungshelikopter in den Einsatz gehen, dort steht auch ein weiterer Notarztwagen zur Versorgung des ländlichen Raums im Osten und für die Fälle wo die Wetterbedingungen einen Hubschrauberstart unmöglich machen, bereit.

Die Innenministerin betonte zweierlei: Erstens, dass den Rettungskräften das technisch beste und modernste Material zur Verfügung stehen muss, daher würden die SAMU-Einsatzfahrzeuge turnusmäßig alle fünf Jahre ausgetauscht – die Wagen haben dann etwa 200.000 Kilometer im Einsatzbetrieb zurückgelegt. Zweitens ist die Notarztabdeckung landesweit mit der Steigerung von drei auf fünf Stationen deutlich verbessert worden. Früher sei es zwei bis drei Mal pro Tag (bei mehr als 20 vollzogenen Einsätzen pro Tag) vorgekommen, dass kein Notarztwagen zur Verfügung stand, weil er anderweitig im Einsatz war. Seit der Einrichtung der beiden neuen Stationen kommt es statistisch weniger als einmal pro Tag vor, dass kein SAMU verfügbar ist.

Die Kosten für die zehn neuen Fahrzeuge auf Mercedes-Basis belaufen sich auf 2,2 Millionen Euro, die voll und ganz vom Staat getragen werden. Die ausgemusterten SAMU kommen zum Teil in die Reserve oder werden signaltechnisch und medizinisch abgerüstet, um sie dann  zu versteigern. Die alten Notarztwagen werden aber gelegentlich auch für humanitäre Einsätze in der Dritten Welt abgegeben.