MUNSBACH
CORDELIA CHATON

Stärken-Schwächen-Analyse für Mittelständler

Mittelständler können schnell feststellen, wo ihre Stärken und Schwächen sind - dank eines neuen Werkzeugs, das das Wirtschaftsministerium ihnen zur Verfügung stellt. Es wurde eigens entwickelt, damit sie die Leistungsfähigkeit ihres Unternehmens mit einem nachhaltigen Geschäftsmodell verbessern können. Falls ein Unternehmen sich beraten lassen möchte, um die Verbesserungen umzusetzen, kann es bis zu 50 Prozent Subventionen in Anspruch nehmen.

Steht die Strategie eines Unternehmens im Einklang mit der Nachfrage, den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und den finanziellen Möglichkeiten? Das können Unternehmer jetzt durch ein Werkzeug selbst testen. Die Selbstbeurteilung setzt lediglich voraus, dass der oder die Durchführende ehrlich mit sich selbst ist. Der Vorteil: Nach nur rund zwei Stunden haben sie eine sehr genaue Übersicht über Stärken und Schwächen ihres Unternehmens. Das Werkzeug wurde vom Wirtschaftsministerium eigens in Auftrag gegeben. „Es ist eine Investition in die Unternehmer und ihre Kompetenz, nicht in Betriebsmittel“, betont Staatssekretärin Francine Closener.

Der so genannte „Business Check“ wurde entwickelt, um den Mittelstand in Luxemburg aktiv zu unterstützen die Nachhaltigkeit Ihres Geschäftsmodells verbessern. Denn weit über 90 Prozent der Luxemburgischen Unternehmen sind Mittelständler. In diesen Unternehmen arbeiten die meisten Menschen in Luxemburg. Als Mittelstand werden hierzulande Unternehmen bezeichnet die zwischen zehn und 250 Mitarbeiter beschäftigen und weniger als 50 Millionen Euro Umsatz generieren.

Geschäftsmodelle ändern sich ständig

Mittelständler stehen allerdings vor riesigen Herausforderungen. Vor zehn Jahren noch war in einem Familienunternehmen klar, dass es so weiter gehen würde wie bisher und dass ein Geschäftsmodell ein ganzes Leben Gültigkeit behält. „Heute sehen wir, dass ein solches Geschäftsmodell sich in rund vierzig Jahren drei bis fünf Mal verändert“, stellt Pierre Mangers fest. Er ist Principal bei EY und zählt selbst viele Mittelständler zu seinen Kunden. Die Herausforderung besteht laut dem Betriebswirt und Chemieingenieur darin, profitables Wachstum zu erzeugen und zu finanzieren. „Wir erleben oft, dass es bei großen Anschaffungen oder außergewöhnlichen Ausgaben schwierig wird.“ Andere Unternehmen haben Probleme mit der Nachfolgeregelung“, beobachtet Mangers‘ Kollege Yves Even, der als Wirtschaftsprüfer auch Mittelständler zu seinen Kunden zählt.

Beim Personal ist ebenfalls nicht alles einfach. Oft kümmert sich der Finanzchef gleichzeitig um die Belange des Personals. Andere Bereiche, die zunehmend Schwierigkeiten bereiten, sind Umweltauflagen oder Risikomanagement. Ereignisse von weitreichender Bedeutung wie Fusionen oder Nachfolgen können leicht zu einer schweren Herausforderung führen.

Der neue Test des Wirtschaftsministeriums soll helfen, Fehlentscheidungen zu vermeiden und das Unternehmen auf Kurs zu halten. Er teilt sich in die vier Bereiche auf: Strategie, Organisation, Kunden- sowie Finanzmanagement. Zu jedem Bereich gibt es eine Anzahl Fragen zu beantworten. Die Selbsteinschätzung dauert in der Regel etwa zwei Stunden. Die Nutzung des Business Checks ist kostenlos und ohne viel Aufwand durchführbar. Der Unternehmer beantwortet auf der gesicherten Internetseite rund fünfzig Fragen, die sowohl quantitativ als auch qualitativ sind. Ein Algorithmus analysiert die Daten und generiert ein Ergebnis zur Stärken- und Schwächenanalyse. Damit hat der Unternehmer oder die Unternehmerin eine vertrauliche und solide Analyse, die von Dritten nicht eingesehen werden kann.

Das Wirtschaftsministerium unterstützt mit Subventionen

Wenn sich Unternehmer dafür entscheiden, sich aufgrund möglicher festgestellter Schwachpunkte professionell beraten zu lassen, subventioniert das Wirtschaftsministerium die Beratung, in dem es bis zur die Hälfte der zulässigen Beratungskosten übernimmt. Dieses Finanzierungsinstrument des Wirtschaftsministeriums besteht seit 2008 und Staatssekretärin Francine Closener erhofft sich, dass es durch den Business Check neuen Aufschwung erhält.

Schließlich ist ihr Ziel, den luxemburgischen Mittelstand wettbewerbsfähiger zu machen.

„Der Business Check ist eine gute Möglichkeit, die Zukunftsfähigkeit seines Unternehmen zu überdenken. Mittelständler müssen ihre Leistungsfähigkeit ständig weiterentwickeln um im Wettbewerb zu bestehen“, ist EY-Principal Pierre Mangers überzeugt. „Das ist eine Lebensaufgabe für die jetzige und die nächste Generation.“ Mangers spricht aus Erfahrung. „Ich kenne viele Unternehmer unter meinen Kunden, die wegen dieser Themen schlaflose Nächte verbringen.“

Yves Even pflichtet bei: „Oft gehen Mittelständler schwierige Themen wie Expansion nicht systematisch an. Der Business Check ist ein guter Weg, in die Kompetenzen der luxemburgischen Familienunternehmen zu investieren.“