Im Hafen von Alcudia auf Mallorca ankert eine Yacht, angesichts der man vor Staunen unweigerlich ein paar Sekunden lang sprachlos ist. Die Yacht, von der ich rede, hat zehn Millionen Euro gekostet und gehört Michael Schumacher, einem der reichsten Sportler der Welt. Golfstar Tiger Woods dürfte übrigens laut Wirtschaftsmagazin Forbes Milliardär ein. Mit dem eigenen Hobby Geld verdienen, und dann noch so viel - muss das schön sein! Trotzdem stellt sich die Frage, ob dieser immense Reichtum, den Sportler anhäufen, gerecht ist. Denn: Für sieben Jahre lang am Schnellsten im Kreis fahren bekam Schumacher mehr Geld als eine Krankenschwester mit 30.000 Jahren Nachtdienst verdienen würde. Leisten Sportler wirklich so viel? Inzwischen bekommen 20-jährige Fußballstars Millionengehälter. Woher aber kommt das ganze Geld? Vor allem durch Fernsehübertragungsrechte, Sponsoring und Werbung, das bedeutet, nicht nur die Fans zahlen dem Sportler das Geld via Eintrittskarten, sondern im Grunde alle zahlen. Die Fernsehsender zahlen heute das Aberhundertfache an Fußballübertragungsrechten wie noch vor zehn Jahren. Und so explodierten auch die Gehälter der Sportler, Manager und Funktionäre. Und wenn ein Sportler als Werbeträger für eine Sportmarke - wer hat, dem wird gegeben - einen Millionenscheck als Zusatzeinnahme erhält, dann ist das schlicht und einfach dadurch möglich, weil die teuren Trainingsschuhe von einer Näherin in Bangladesch zu einem Hungerlohn hergestellt werden. Um nicht nostalgisch zu werden - die Olympischen Spiele, heute schon fast schon zu Gelddruck-Veranstaltungen geworden, waren auch in der Antike nichts Selbstloses, und die hellenischen Olympioniken waren Profis. Der Sieger im Stadionlauf bei den Panathenischen Spiele im 4. vorchristlichen Jahrhundert erhielt 100 Amphoren Olivenöl, deren Marktwert 1.200 Drachmen betrug. Für diese Summe musste ein Zimmermann damals drei Jahre lang arbeiten. Drei - nicht 30.000!
Sport und Geld, eine Kombination, die irgendwie nicht recht zusammenpasst - vor allem, je höher die Summen werden. Vor einigen Monaten hatte die FIFA den US-Juristen Michael Garcia damit beauftragt, die Vergabe der WM-Turniere 2018 nach Russland und 2022 nach Katar zu untersuchen. Der nahm seine Aufgabe leider ernst, und sein kritischer Bericht wurde von der FIFA so zusammenstrichen, bis er endlich nichts mehr Kritisches enthielt. Schon dieser Vorgang zeigte, wie es um den Weltfußballverband bestellt ist, bei dem zwar sportlich Länder wie Burundi wenig bedeuten, aber eben stimmrechtlich. Mehr oder weniger ist der FIFA-Skandal ja gar keine Überraschung, denn genauso rigoros, wie die Fifa ihre Einnahmen in den letzten Jahren steigerte, suhlte sie sich zuletzt in Selbstgerechtigkeit - dass zum Beispiel der „offenbar schlechteste WM-Bewerber“ Katar den Zuschlag erhielt, wie kann jemand diese Schizophrenie erklären? Interessant wäre ja zu erfahren, was von den Millionen, die den Verbänden in Haiti oder anderswo aus Zürich überwiesen wurden, dort wirklich auf dem Fußballplatz ankamen. Und: Kann sich der Fifa-Pate auch irgendwann wie einst der Formel-1-Pate Bernie Ecclestone mit einem Koffer voller Geld freikaufen? Eine Logik hat sich des Sports bemächtigt, die seiner Idee und seinem Sinn immer mehr zuwiderläuft.


