LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Marine Fey gehört zu den vielen Grenzgängern, die nach Luxemburg kommen - Die Friseurin sieht ihre berufliche Zukunft hier - und dreht demnächst Youtube-Fortbildungsvideos

Ein Schnitt und der Griff zum Glätteisen: Marine Fey arbeitet konzentriert. Seit einem Jahr ist die 27-Jährige in Luxemburg beschäftigt. Statt rund 60 Kilometer weiter im heimatlichen Frankreich zu arbeiten, pendelt sie täglich ins Großherzogtum. Hier arbeitet sie nicht nur als Friseurin im „Ryanhair“-Salon in Bonneweg, sondern erstellt neuerdings auch Filme für die Weiterbildung der Kollegen, die per Youtube die neuesten Trends zeigen. Dem „Journal“ erzählt die Französin, warum sie Grenzgängerin geworden ist und was sie an ihrem Arbeitsumfeld hier schätzt.

Warum bist Du nach Luxemburg gekommen?

Marine Fey Das sind zunächst mal ganz klar monetäre Gründe. In Frankreich verdient eine Friseurin 1.100 Euro netto bei einer 35-Stundenwoche. Hier sind es 1.900 bis 2.000 Euro netto. Hier gibt es mehr Arbeit und mehr Geld. Auch die Kunden sind großzügiger. Es ist keine Seltenheit, dass ich zwanzig Euro Trinkgeld erhalte.

Der Beruf der Friseurin wird oft verlacht. Warum hast Du ihn erlernt?

Marine Ich habe mich früh dafür interessiert, aber dann wurde mir gesagt: Du bist zu gut in der Schule, du kannst mehr. So habe ich erst ein BTS in Mode gemacht und eine Licence in Produktion und Textil. Dann aber folgte eine negative berufliche Erfahrung. Damals habe ich mir überlegt, was ich wirklich will, und nochmal von vorn angefangen, mit einer Lehre, also einem CAP in Coiffure in Metz. Das war eine innere Befreiung. Ich wollte weitermachen und habe mein Brevet erhalten. Jetzt will ich mir hier in Luxemburg meine Diplome anerkennen lassen und dann hier noch meinen Meistertitel erwerben. Gern würde ich bei Ryanhair bleiben und mehr Verantwortung übernehmen. Ich kann mir für später gut vorstellen, meinen eigenen Salon zu haben. Oder mehrere Salons (lacht).

Du arbeitest aber nicht nur als Friseurin?

Marine Nein, die Unternehmensgruppe, bei der ich arbeite, hat eine eigene Weiterbildungsakademie in Ettelbrück. In der Gruppe gibt es immerhin rund 140 Mitarbeiter. Jetzt haben wir überlegt, dass wir auch per Video weiterbilden, auf einem Youtube-Kanal. Ich wurde ausgewählt, in den Filmen die neuesten Trends zu zeigen. Das sind neue Techniken wie beispielsweise der „Sunshine“-Effekt, der den Einfluss der Sonne nachahmt oder auch natürliche Blondtöne. Die Filme sind allerdings nur für die interne Nutzung gedacht.

Du hast Dich mit Design, Produktion und Textil befasst. Bringt Dir das heute etwas?

Marine Ja, selbst wenn es anfangs anders gedacht war: Das brauche ich jeden Tag. Ich kann heute Kunden viel besser beraten. Sie wollen häufig auch Rat zum Stil und zur Kleidung. Und es fällt mir leicht, Trends zu erkennen, zu beschreiben und umzusetzen. Ich weiß, wo ich Informationen finde und wie ich sie verständlich machen kann.

Hast Du selbst eine Lieblingsfrisur?

Marine Nein, ich wechsele drei bis vier Mal im Jahr die Farbe und habe schon schwarz, rot, braun und grau getragen. Im Moment bin ich blond. Mein Metier macht Lust auf Veränderungen, und es gehört dazu, Trends auch auszuprobieren, schließlich repräsentieren wir den Salon.

Du hast auch in Frankreich gearbeitet. Welche Unterschiede gibt es zu Luxemburg?

Marine Der Salon hier ist viel polyglotter. Wir sprechen sechs bis sieben Sprachen, und es kommen Leute von überall her. Da stellt sich schon ein Hauptstadt-Gefühl ein. Sprachen sind überhaupt sehr wichtig. Ich spreche Französisch sowie Englisch und etwas Spanisch und verstehe dank meiner drei Kolleginnen mittlerweile auch Portugiesisch. Doch ich möchte schon sehr gerne Luxemburgisch lernen. Das ist wichtig.

Möchtest Du hier leben?

Marine Im Moment wohne ich im französischen Hagondange 200 Meter vom Bahnhof entfernt, weil ich mit dem Zug zur Arbeit komme. Die Wohnung habe ich wegen der Lage ausgewählt. Übrigens: Züge aus Luxemburg sind viel pünktlicher als die aus Frankreich. Selbst wenn ich gern hier wohnen würde: Mit dem derzeitigen Gehalt wäre das schwierig. Mal sehen, was die Zukunft bringt!

Noch ein Tipp von der Insiderin: Was ist Trend?

Marine Hair Tattoos, also das Design mit dem Rasiermesser, so wie es Fußballer tragen. Männer lassen sich das Deckhaar öfter glätten, um es dann streng zurück zu nehmen. Bei den Farben sind derzeit Violett sowie Pastelltöne angesagt. Auch Camouflage ist ein Trend. Aber das ist allgemein. Am besten ist natürlich eine persönliche Beratung.