LONDON/LUXEMBURG
MARCO MENG MIT DPA

Großbritannien plant ein Verkaufsverbot von Diesel- und Benzinautos bis zum Jahr 2040

Großbritannien will den Verkauf von Diesel- und Benzinautos ab 2040 verbieten. Solche Fahrzeuge verursachten Gesundheitsprobleme und schadeten dem Klima, sagte Umweltminister Michael Gove am Mittwoch in London. Erst vor knapp drei Wochen hatte Frankreich erklärt, den Verkauf von Verbrennungsmotoren bis 2040 zu stoppen.

Nach Angaben von Gove sollen Diesel- und Benzinfahrzeuge bis 2050 ganz von den britischen Straßen verschwinden. Neue Gebühren werden bei Diesel-Fahrzeugen auf stark verstopften Straßen schon ab 2020 erhoben. In Luxemburg ist - zumindest offiziell - ein solches Vorgehen bislang nicht geplant, doch Transportminister François Bausch sprach sich kürzlich dagegen aus, keine Verbrennungsmotoren mehr zuzulassen, meinte aber auch: „Ich kann nur davor warnen, heute ein Dieselauto zu kaufen!“ Als Grund führte er auf Nachfrage gegenüber dem „Journal“ an, ein solches Auto werde wegen international strenger werdender Vorschriften in Zukunft kaum noch verkäuflich sein. Es bestehe ein klarer politischer Wille, die Menschen zum Umdenken auf freiwilliger Basis zu bringen. . „40 Prozent der CO2-Emissionen entstehen heute durch den Transport. Folglich wird es in diesem Bereich zu einem transzendentalen Umdenken kommen. Nicht nur in Großbritannien, sondern auch in anderen Ländern“, hieß es zusätzlich aus dem Transportministerium. Bausch sehe das Stichdatum 2040 für Großbritannien als durchaus realistisch an. Klar positioniert sich auch Deutschland gegen einen Abschied vom Verbrennungsmotor: Die Autoindustrie gilt als die deutsche Schlüsselindustrie, die samt Zulieferern Millionen Menschen beschäftigt. Und bislang unterscheiden sich Autos vor allem in der Motortechnik.

Briten wollen bessere Luft

In Großbritannien wurde am Mittwoch als Grund für die Maßnahme angeführt, viele britische Städte litten unter schlechter Luft, insbesondere London. Dort wurde die jährliche Luftverschmutzungsgrenze der EU in diesem Jahr schon am 5. Januar überschritten. Der Bürgermeister der Stadt, Sadiq Khan, sagte damals: „Die Luft in London ist ein Killer.“ Eine Folge sei Asthma bei Kindern. Die Regierung geht von etwa 40.000 vorzeitigen Todesfällen pro Jahr im Land aufgrund der Luftverschmutzung aus.

Bei Verbrennungsprozessen in Motoren entstehen unter anderem gesundheitsschädliche Stickoxide wie etwa NO2. Sie können zum Beispiel Herz und Kreislauf beeinträchtigen. In Deutschland kämpft vor allem Stuttgart mit den Feinstaubbelastungen. Aus Berlin heißt es darum, die Bundesregierung suche nach Alternativen und fördere daher Antriebe wie die Elektromobilität. Ein Sprecher des dortigen Verkehrsministeriums hält eine Festlegung für „relativ fantasielos“: Das Klima habe nichts davon, wenn Autos mit Strom unterwegs seien, der etwa mit Braunkohle produziert werde. Das Umweltministerium dagegen begrüßte den Schritt der Briten: Vor dem Hintergrund eigener Klimaschutz-Ziele halte man „jede internationale Anstrengung in diese Richtung für richtig“.

Die Grünen in Deutschland sehen sich angesichts der britischen Pläne in ihrem Ziel bestätigt, dort ab 2030 nur noch abgasfreie Autos neu zuzulassen - damit stehen sie unter den Parteien bislang alleine da. „Während andere Länder wie Großbritannien aus dem fossilen Verbrennungsmotor aussteigen, versuchen CDU/CSU und SPD einen Schutzzaun um eine veraltete Technologie zu ziehen und so die Hersteller vom Innovationsdruck abzuschirmen“, kritisierte Grünen-Chef Cem Özdemir. Die Zukunft der deutschen Autobranche mit 800.000 Arbeitsplätzen stehe auf dem Spiel.

Greenpeace nutzte die Entscheidung der Briten ebenfalls für Kritik an der Bundesregierung: Sie grabe sich „gemeinsam mit der Branche ein und träumt weiter den Traum vom sauberen Diesel“, sagte Verkehrsexperte Tobias Austrup. Die Umweltschutzorganisation fordert einen Ausstieg aus dem Verbrenner sogar schon bis 2025.

In Luxemburg strebt die Regierung derzeit an, zusammen mit den Gemeinden Aktionspläne zu erstellen im Hinblick auf eine maßgebliche Reduzierung von Stickoxyden und CO2- Ausstößen, unter anderem durch Verlängerung oder Neutrasse der Tram, Ausbau der aktiven Mobilität, des Zugnetzes und dessen Kapazitäten. Auch Förderung von Alternativen zum Verbrennungsmotor (Steuerreform Elektromobilität) und Carsharing/Carpooling stehe auf der Agenda, heißt es dazu.

STAATLICHE VERBOTE

Der Markt für Verbrennungsmotoren wird kleiner

Frankreich will den Verkauf von Verbrennungsmotoren bis 2040 zu stoppen. Die französische Regierung kämpft mit ihrem Verkaufsstopp für Verbrennungsmotoren vor allem gegen die Erderwärmung: Nach der Abkehr der USA vom Pariser Klimaabkommen will Frankreich seine Ziele verschärfen und bis 2050 CO2-neutral werden. Es wird dann nur so viel klimaschädliches Treibhausgas Kohlendioxid ausgestoßen wie gleichzeitig etwa durch Wälder aus der Atmosphäre geholt werden kann. Andere Länder setzen ebenfalls auf emissionsfreie Neufahrzeuge, etwa Norwegen ab 2025. Indien will ab 2030 nur Elektroautos neu zulassen. Die japanische Hauptstadt Tokio ging schon zur Jahrtausendwende voran und verbannte grundsätzlich alle „dreckigen“ Diesel-Nutzfahrzeuge. Manche Länder setzen auf ganz andere Lösungen: In Chinas Hauptstadt Peking werden Kennzeichen für Neuzulassungen verlost. Nur wer ein Elektroauto kauft, braucht an dem Losverfahren nicht teilzunehmen. Gut Aussichten für Tesla-Chef Elon Musk; er setzte von Anfang an auf ein rein elektrisch angetriebenes Fahrzeug. Auch der schwedisch-chinesische Autobauer Volvo kann sich bestätigt fühlen: Er kündigte unlängst an, in neuen Modellen keine reinen Verbrennungsmotoren einzubauen. (MM/DPA)