LUXEMBURG
JACQUES GLOD

Jacques Glod war der Erste, der auf Facebook eine Spendenaktion für die Opfer des Tornados angeleiert hat. Wie das ablief, erklärte er uns.

„Dieser Freitag wird mir wohl ewig in Erinnerung bleiben. Ich hatte noch beruflich mit einer Dame der Käerjenger Gemeindeverwaltung telefoniert und gleich nach Ende des Gesprächs nahm die Katastrophe ihren Lauf. Als ich ein paar Minuten später auf Facebook sah, wie der Tornado mühelos Dächer durch die Luft wirbelte, war mir klar, dass es zu schweren Schäden gekommen sein muss und Hausbesitzer vor beträchtlichen finanziellen Einbußen stehen würden. Ich habe mich dann ziemlich bald entschlossen, die Reichweite von Facebook zu nutzen, um Spenden zu sammeln.

Ich hatte schon zuvor eine Erfahrung mit einer Hilfsaktion gemacht, aber damals war das Ziel schnell erreicht und meine Erwartungen waren bescheiden. Umso begeisterter war ich, als am Morgen danach bereits 30.000 Euro zusammengekommen waren und die Summe beständig wuchs.

Im Endeffekt werden abzüglich der Überweisungs- und Verwaltungskosten wohl zwischen 110.000 und 115.000 Euro zusammengekommen sein. Aber es ist einfacher, Gelder zu sammeln, als sie zu verteilen. Wem gibt man das Geld? Gibt man einen Großteil einer wirklich bedürftigen Familie oder verteilt man die Summe auf alle Betroffenen? Ich habe mich dazu entschieden, 60.000 Euro auf die rund 120 Familien zu verteilen, die am heftigsten betroffen waren und das restliche Geld den Hilfsvereinigungen der Gemeinden Petingen und Käerjeng zur Verfügung zu stellen.

Sämtliche Spenden gehen auf ein Treuhandkonto, das von einem Anwalt in aller Transparenz verwaltet wird. Ich möchte, dass jeder Cent bei den Opfern der Katastrophe ankommt.

Es war schön, die Solidarität unter den Bürgern zu erleben, nicht nur bei meiner Spendenaktion. Ich war vor Ort und auch in der ersten Informationsversammlung am Samstag nach dem Tornado und habe erlebt, wie Menschen aus allen Teilen des Landes bedingungslos mit angepackt haben. Das finde ich einfach mega.

Aber bedenklich stimmt es mich schon, dass es einer solchen Katastrophe bedarf, damit sich diese Solidarität richtig entfaltet. Ich würde mir wünschen, dass das auch so im Alltag passiert, und dass wir uns auch solidarisch gegen den Klimawandel stemmen. Denn die Wetterextreme  kommen nicht von allein: Der Mensch hat etwas damit zu tun.“