2015 ist eine schöne Zahl. 2014 hat doch allzu stark an das andere 14 erinnert. Das mit Sarajewo und dem August 14, als man mitten in angeblichen Friedenszeiten in die Urkatastrophe schlitterte. Immerhin ist man sich einig, dass auf allen Seiten Fehleinschätzungen, Überheblichkeit und Kommunikationsmängel herrschten. Blödheit bis zur letzten Konsequenz, die da Adolf. H. aus Braunau am Inn heißen sollte. Spätere Generationen werden die Zeit von 1914 bis 1945 als eine historische Epoche mit einer kurzen Waffenstillstandszeit - was nicht für Äthiopien und Spanien gilt- betrachten.

Auch 2015 kommen wir nicht daran vorbei uns Gedanken über Fehleinschätzungen, Überheblichkeit und Kommunikationsmängel zu machen. Die Liste der Idioten - Sorry für den Ausdruck - ist gleich vor der Haustür lang. Aber anders kann man weder die Pegida-Demonstranten im Osten Deutschlands, noch die Apologeten von Marine Le Pen in Frankreich bezeichnen. Womit nicht ihre Wähler gemeint sind, denn die gewinnt die Dame vom Rechten Rand nicht aufgrund ihrer Ideologie. Nein, die etablierten Parteien mühen sich, ihr so viele Wähler durch unsinnige Entscheidungen zuzutreiben, wie es nur geht. Jüngstes Beispiel ist der von Paris verordnete Zusammenschluss der Regionen Elsass, Lothringen und Champagne. Madame Le Pen wird am Oberrhein Triumphe feiern. Schöner Mist.

Die Pegida- Spinner jenseits der Elbe, im so genannten Tal der Ahnungslosen der DDR, bis dorthin reichte kein Westfernsehen, sind ein zutiefst diffuser Haufen, der aus verschreckten Kleinbürgern, Graswurzel-Nazis und völlig orientierungslosen Pazifisten besteht. Frei nach dem Motto: Lasst keine Syrien-Flüchtlinge rein, aber seid nett zu Onkel Putin.

Apropos, Vladimir P. ist zum Ende des Jahres 2014 derjenige, der näher an 1914 ist, als er es sich noch vor zwölf Monaten hat träumen lassen. Es fing so gut an: Tolle Winterspiele für die Weltöffentlichkeit, kombiniert mit hübsch viel Sand für die Augen der Betrachter, damit niemand sieht wie sich der Fuchs in den Hühnerstall schleicht. Der da Krim heißt. Erschreckender Weise halten das einige Politstrategen auch noch für legitim. Es seien ja Vladimirs Hühner, die in diesem Stall wohnen. Nach dieser Logik darf er auch das Baltikum besetzten. Die gleichen linken Schwätzer, die Schaum vor den Mund kriegen, wenn es um Israel geht, machen bei der Okkupation der Krim und der Ostukraine Kratzefüßchen. Grotesk.

Vladimir P. hat die westlichen Trottel unterschätzt. Sie haben ihn mit ihren Sanktionen ganz schön überrascht und scheinen trotz des Gejammers aller Putinversteher auch durchzuhalten. Vladimir hat sich in die Schmollecke manövriert. Der Gerechtigkeit halber muss man einräumen, dass die erzkonservativen Saudis den entscheidenden Schlag gegen die russische Wirtschaft geführt haben. Saudi-Arabien pumpt soviel Öl auf den Weltmarkt, wie seine Quellen nur hergeben. Russland und andere Konkurrenten bleiben entweder auf ihrem Öl sitzen oder sie müssen mit dem Preis runter - Vladimir ist bald pleite. China wird dem armen Mann im Kreml helfen, aber selbst chinesische Kommunisten sind im Herzen Kaufleute, also wird er die brüderliche Hilfe nicht umsonst kriegen. 2015 wird teuer.