LUXEMBURG
DANIEL OLY

Luxemburg 4.0 statt Industrie 4.0 - Die APSI sieht Potenzial für ein komplett digitales Land

Nicht nur die alten Industriesektoren müssen fit werden für das neue digitale Luxemburg. Auch im „Informations and Communications Technologies“ (ICT)-Bereich steht viel auf dem Spiel - das betonte gestern die „Association des Professionels de la Societé de l'Information“ (APSI) bei ihrer Pressekonferenz in der Wirtschaftskammer. „Die Welt ändert sich. Die Spielregeln ändern sich. Und daran muss man sich anpassen, oder man geht als Unternehmen unter“, meint APSI-Präsident Jean Diederich. Das Ziel: Nicht nur „Industry 4.0“, sondern „Luxembourg 4.0“

Zusammenarbeit in der Infrastruktur

Mit dem Start in die neue Industriephase müssen sich auch Luxemburg und der ICT-Sektor fitter für die digitale Zukunft machen. Aber auch der E-Business- und der E-Commerce-Bereich müssen sich für die Visionen der „digital Economy“ der Rifkin-Vision fit machen. Die APSI betonte daher mehrfach die Wichtigkeit einer gemeinsamen Planung für die Infrastruktur: Wie bei der Industrie 4.0 müsse es auch bei der Zukunft der digitalen Industriepfade besonders wichtig sein, das Know-how zu kombinieren und die Wege zu erleichtern. Technologie-Unternehmen sollen ihr Know-how zusammensetzen, um so beispielsweise eine gemeinsame Cloudplattform zu bieten und Luxemburg und seinen Sektor anders zu platzieren. „Wenn man ein Beispiel für erfolgreiche Modelle haben möchte, könnte man sich in den skandinavischen Regionen umsehen“, meinte Diederich. Neue Wege gehen, neue Produkte bieten, laute das Motto.

Das heißt auch, einen Bruch mit alten Regeln wagen: „Wenn wir die Banken als Beispiel nehmen, könnte eine Zusammenlegung beispielsweise einen erleichterten Austausch an Kontoinformationen bedeuten“, erklärte Diederich. Während das Bankgeheimnis zwar seinen Zweck erfülle, könnte ein System mit einem erleichterten Zugriff auf Kontoinformationen ein neues Geschäftsmodell ermöglichen: Mikro-Investitionen, die von automatisierten Bankingrobotern vorgeschlagen werden könnten, weil sie über die notwendigen Informationen verfügen können.

Einige gute Beispiele für erfolgreiche „API“s, erfolgreiche Schnittstellen, seien etwa die Bezahlungsmethode via Amazons „Payments“-System oder die Möglichkeit zu einem „Facebook Login“. Amazons System erlaubt das Bezahlen in Online-Shops, ohne echte Kreditkarten- oder Kontoinformationen anzugeben - ähnlich wie der Bezahldienst „PayPal“. Zeitgleich löse „Facebook Login“ in der Theorie das Problem einer permanenten Neuanmeldung für unterschiedliche Dienste; indem man den Dienst mit dem Facebook-Konto verknüpft, lässt sich eine Registrierung umgehen.

Eine Schnittstellenfrage

Ein weiteres Beispiel sei eine gemeinsame Schnittstelle zum Login, um auf einen Schlag einen vereinfachten Zugriff auf mehrere Konten tätigen kann. Die APSI warf „Open Banking through Banking“ als „a Platform in the cloud“ in den Raum: Eine offene Zugangsschnittstelle, um die Cloudgeschäfte zu vereinfachen. Zugleich müsse auch die Investition in Sicherheitsmaßnahmen nicht zu kurz kommen. Nur mit den notwendigen Maßnahmen sei der Schritt zu einem solchen „Open Banking“-Modell realisierbar. Zuletzt betonte die APSI auch, wie wichtig die nötigen Investitionen in die notwendige Ausbildung sei: Das Interesse an der Arbeit im ICT-Sektor soll schon möglichst früh gefördert werden, damit keine zusätzlichen Kosten für Unternehmen entstehen, die ansonsten Fachpersonal aus dem Ausland rekrutieren müsse: „Wir müssen unsere Schüler schon vor der Uni auf die Herausforderungen und die Interessen dieser Fachgebiete vorbereiten“, meinte Diederich. Nur so sei der Kampf zu gewinnen.

ICT-VERTRETUNG

Die Rolle der APSI

APSI ist die „Association patronale“ des ICT-Sektors, die im Jahre 2000 gegründet wurde und sich zum Ziel gesetzt hat, den ICT-Sektor angemessen zu vertreten, seine Errungenschaften und Interessen zu verbreiten, den Markt für die Bedürfnisse zu sensibilisieren und die Akteure am Markt zu beraten. Die APSI sieht sich dabei besonders in der Funktion eines Beraters für den Sektor, aber auch eines Impulsgebers: Mit seinen Innovationspreisen (den „Flagship Awards“) verleiht sie auch Preise für besondere Projekte (etwa für Datenverarbeitungsinnovationen). Jüngst gehen die Preise nicht mehr nur an etablierte Betriebe, sondern auch an junge Startups. Ausgezeichnet werden konkrete Handlungen und klare Visionen, etwa für KNEIP und ihr Programm zur Konsolidierung an Fonds-Informationen unter dem Thema „ICT contribution to Luxembourg’s economic development”.