LUXEMBURG
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Ein Besuch in der sehenswerten Ausstellung im Naturmuseum

Flattern tun sie zwar nicht mehr - aber das Nationalmuseum für Naturkunde verfügt über eine beeindruckende Vogelsammlung: Etwa 3.900 Exemplare oder besser Exponate von 1.500 verschiedenen Arten kann das Museum sein Eigen nennen. „Das macht etwa zehn Prozent aller bekannten Vogelarten aus“, erzählt Claude Heidt. Der Biologe ist verantwortlich für die aktuelle Ausstellung „Schräge Vögel“, die im „Musée national d’histoire naturelle“ präsentiert wird.

Alles begann mit der Aktualisierung der Datenbank

Alles begann 2016 - „da ging es darum, sich die Vogelsammlung des Museums genauer anzuschauen. Muss etwas neu erfasst werden, ist etwas falsch beschriftet - die Datenbank musste aktualisiert werden“, erzählt Heidt. Dem fiel aber dann schnell auf, dass das Museum sehr viele und sehr schöne Exemplare hat: „Warum sollen die denn alle nur im Keller stehen“, womit die Idee für eine Vogelausstellung geboren war.
So machte sich Heidt mit seinen Kollegen daran, entsprechende Themenbereiche für die Säle zu erarbeiten: „Die Ausstellung erkundet die Welt der Vögel in all ihren Aspekten, mit einer Reise durch die Sammlung und Evolution von Vögeln, der Biologie, Vögel in der Mythologie und Vogelschutz. Es wird aber auch Wissen vermittelt zu Ökologie, Anatomie, oder auch Paläontologie.“

„Wer hat das blaueste Nest ?“

Als die Themengebiete abgesteckt waren, wurden die Vögel den Bereichen zugeteilt, sodass nun um die 200 Exponate zu bestaunen sind. Seltene Vögel und auch sehr schräge Vogel. „Denn wir brauchten ja auch einen einprägsamen Namen für die Ausstellung - ‚ Schräge Vögel‘ lag da auf der Hand“, denn die findet man nun einmal auch in der Ausstellung. Eins der schrägsten oder eben der beeindruckendsten Exemplare ist für Heidt der Seidenlaubenvogel: „Für mich ‚Blauer Architekt‘. Dieser Vogel stiehlt, um der Frauenwelt zu imponieren. Der Seidenlaubenvogel klaut für die Erhaltung seiner Art. Die finden die Farbe Blau nämlich super. Bei den Männchen entbrennt daher ein Kampf um das blaueste Nest - und eine Diebestour durch die Nachbarschaft. Alles, was blau ist, wird zum Nestbau verwendet“ - das können blaue Stopfen oder gar blaue Zahnbürsten sein…

Grundstein legte die „Société des sciences naturelles“

Die Ausstellung vermittelt aber auch die Vogelwelt durch Mythen und Legenden in anderen Kulturen und Zivilisationen. Doch das Hauptaugenmerk, „das breite Spektrum liegt auf der zoologischen Sammlung des Museums.“ Alle Exemplare stammen aus der eigenen Vogelsammlung, die die reichste unter den Wirbeltiersammlungen ist, wie betont wird. „Die Vogelsammlung des Museums hat ihren Ursprung in der Initiative der 1850 gegründeten Gesellschaft für Naturwissenschaften, der ‚Société des sciences naturelles‘“, sagt Heidt, der selbst seit 1993 im Museum arbeitet.
Und wie kommt das Museum heute noch an neue Vogelexemplare? „Die Vögel sind heute geschützt. Früher hat man sie einfach geschossen, das geht nicht mehr und ist auch gut so.“ Wenn nun ein Museum einen besonderen Vogel haben möchte, dann müsste dies schon über einen Zoo organisiert werden. „Aber auch Privatpersonen kommen ab und an zu uns und bringen Präparate, die sie mal geerbt haben und fragen, ob wir etwas damit anfangen können.“
Die bemerkenswertesten Exemplare sind darüber hinaus in dem speziell für die Ausstellung herausgegebenen Katalog enthalten, der im Museumsshop erhältlich ist. Die Ausstellung ist noch bis zum 7. Juni 2020 zu sehen.
Die Ausstellung wird von einigen Veranstaltungen und Konferenzen begleitet - das ausführliche Programm und weitere Infos kann man komplett auf www.mnhn.lu/geckegvullen nachlesen

Rekorde aus der Vogelwelt

Überflieger

Der Lauteste

Schrei aus Liebe: Der schrille Balzruf des Einlappenkotinga (1), der in den Regenwäldern Guayanas lebt, erreicht 113 Dezibel. Das ist in der Nähe so laut wie ein Rockkonzert. Dabei wiegt der taubengroße Vogel nur 250 Gramm.

Der Größte

Der Afrikanische Strauß (2) (Hahn) stellt mit mehr als 2,5 Metern und bis zu 135 Kilo Gewicht alle anderen Vögel und viele andere Tiere in den Schatten. Der flugunfähige Vogel legt auch mit 1,5 bis 2 Kilo die größten Eier im Vogelreich. Man braucht eine Stunde, um eins zu kochen.

Die größte Spannweite

Der Wanderalbatros (3) erreicht eine Flügelspannweite von 3,5 Metern – bei einer Körperlänge von 1,2 Metern und einem Gewicht von bis zu sieben Kilo. Er kann übrigens bis zu 80 Jahre alt werden.

Die Schnellsten am Boden

Hier ist wieder der Strauß Rekordhalter mit bis zu 90 km/h. Der flugfähige amerikanische Wegekuckuck („Roadrunner“) bringt es auf 42 km/h.

Der Schnellste in der Luft

Er ist der schnellste Vogel und das schnellste Tier überhaupt: der Wanderfalke (4) bringt es im Sturzflug auf bis zu 340 km/h. Wanderfalken, die auch noch die schärfsten Augen mit einer Sichtweite von bis zu acht Kilometern besitzen, sind übrigens die am weitesten verbreitete Vogelart. Man findet sie auf allen Kontinenten außer in der Antarktis.

Der Schnellste im Wasser

Pinguine sind unglaublich gute Schwimmer. Der Eselspinguin (5) ist im nassen Element bis zu 27 km/h schnell. Sein Kollege Kaiserpinguin ist nicht ganz so schnell, kann aber bis zu 265 Meter tief tauchen.

Der Leichteste

Nur 1,6 Gramm bei fünf bis sieben Zentimetern Körperlänge bringt die Bienenelfe (6) auf die Waage. Das Ei dieser Kolibriart, die mit 90 Flügelschlägen pro Sekunde fliegt – ein weiterer Rekord - , ist kleiner als ein TicTac

Der Eiergigant

Das Straußenei mag das größte sein, aber proportional zum Köpergewicht legt der Kiwi das größte Ei: es macht 15 bis 23 Prozent seines Körpergewichts aus.

Der Schnabelrekordler

49 Zentimeter lang ist der Schnabel des australischen Brillenpelikans (7). Nachtschwalben hingegen haben ein Mundwerk von nur acht bis zehn Millimetern.

Die Flugmeister

Unglaubliche drei Jahre – und mehr - in der Luft verbringen können die tropische Rußseeschwalbe (8) und der Mauersegler. Die längste Zugstrecke hat die Küstenseeschwalbe mit 36.000 Kilometern zwischen Nord- und Südpol. Derweil fliegt der Sperbergeier bis zu 11,2 Kilometer hoch.

Der Methusalem

Papageien sind für ihre Langlebigkeit bekannt. Gelbbrustaras (9) können bis zu 100 Jahre alt werden.

Die Nestarchitekten

2,9 Meter misst das Nest des Weißkopfseeadlers (10). Es gibt aber auch Vogelarten, die gemeinsam Nester bauen, wie die Siedelweber, die Nester mit bis zu 300 Kammern anlegen.  Rebhühner haben übrigens das größte Gelege mit 15 bis 20 Eiern.

Die „Heuschrecken“

Bis zu 30 Millionen Tiere können sich in Schwärmen der Afrikanischen Blutschnabelweber (11) finden. Man nennt sie deshalb auch „gefiederte Heuschrecken“.

Der Giftzwerg

Es gibt nur wenige Vogelarten, die sich mit Gift verteidigen. Der toxischste ist der 18 Zentimeter große Zweifarben-pitohui (12) aus Neuguinea. Er nimmt das Gift vermutlich über den Verzehr giftiger Insekten auf.